Hellfrost 01 - Von der Geburt der Helden
Erstellt von Taysal am Samstag 19. Mai 2012
Nach einem etwas längeren Ausflug in die Weiten des Weltraums, bewaffnet mit Blastern und Lichtschwertern, zieht es meine Stammgruppe (die sogenannte Goldgruppe) in die eisigen Gefilde des Weltenfrosts. Also habe ich mein “Hellfrost-Spielerhandbuch” und “Die Höhle des Ungezieferkönigs” aus dem Regal geholt. Leider fehlen im deutschen noch zwei wichtige Grundbücher und ich würde mir eine schnellere und bessere Publikation der Abenteuer wünschen, aber glücklicherweise stehen mir die Sachen als englischsprachige PDFs zur Verfügung. Vielleicht kommen die deutschen Bücher ja noch auf den Markt, bevor wir mit Hellfrost durch sind.
Anhand von “Die Höhle des Ungezieferkönigs” war der Startpunkt klar vorgegeben. Die Kampagne sollte in den Freilanden starten, in Aslov. Witzigerweise lesen die Helden im Kaufabenteuer dort den Anschlag und starten dann doch in Dalsetter. Ich habe das einfach mal verschoben. Und da es keine deutsche Karte zum Herunterladen gibt, habe ich - zumindest die Freilande - selbst was gemalt und die Ort so übersetzt, wie es mir passend erschien. Ohne echte und umfassende Terminiliste - der offizielle Glossar ist ja recht unbrauchbar für meine Zwecke - muss das notgedrungen funktionieren.
Wobei mich die offiziellen deutschen Begriffe bei “Hellfrost” nur wenig stören. Ich meine, keine Übersetzung ist perfekt und es findet sich immer wieder jemand, der bestimmte Worte einfach Scheiße findet. Sicherlich könnte die Begriffsübersetzung auch liebevoller gestaltet sein, aber schlussendlich handelt es sich um ein Fantasysetting und irgendwann werden die Begriffe einfach Teil der Spielwelt. Das geht übrigens ohne Kenntnis des Originals - um Vergleiche anzustellen - viel schneller. Störender ist die Inkonsequenz. Ich habe für “Sisters of Mercy” nun “Gnadenschwestern”, “Gnadensschwestern” und “Schwestern der Gnade” gelesen. So etwas stört mich eher und ist im deutschen Sprachgebrauch unglücklich, denn der Deutsche an sich neigt dazu, alles und jedem einen eindeutigen Namen zu geben. Bürokratiefetischismus eben.
Aber zurück zur Spielsitzung, die relativ entspannt war. Einer der Spieler las Passagen für die Charaktererschaffung vor, die zugleich auch die Welt malten. Der nächste Spieler stürzte sich sofort aufs Charakterblatt, um einen Zwergen zu erschaffen. Und eine Spielerin starrte auf den Charakterbogen und war entsetzt, über so ein hässliches Ding. Und der Nachzügler konnte sein Zuspätkommen mit einer Tüte Bacon-Burger entschuldigen.
Ziemlich entspannt wurden dann gemeinsam die Charaktere erschaffen. Nebenbei streute ich noch die ein oder andere Information über die Gegend ein. Und sobald ein Charakter fertig war, wurden die Eckdaten in mein Schlaues Buch eingetragen und ich quetschte noch ein paar Hintergrundinformationen heraus. Das hielt sich aber in Grenzen, denn ich will eigentlich nur wenig Arbeit mit meinen Spielsitzungen haben. “Hellfrost” an sich ist aber recht zeitintensiv, weil es sich von anderen Savage-Worlds-Kampagnenhintergründen abhebt. Während in anderen Settings eine PPK, etliche Savage Tales und oft ein Abenteuergenerator enthalten sind (so bisher der Standard), geht “Hellfrost” den klassischen Weg. Es gibt zwar Kaufabenteuer, aber das war es auch schon. Und selbst da muss noch etwas Arbeit hineingesteckt werden.
Nach einiger Zeit waren die angehenden Helden jedenfalls fertig. Alles Charakter mit 0 Erfahrungspunkten, frisch und unbeleckt, mit ahnungslosen Spielern dahinter. Fein.
Als Startpunkt legte ich Aslov fest. Immerhin stand das Abenteuer “Die Höhle des Ungezieferkönigs” auf dem Programm. Ich würde es eher “Die Höhle des Rattenkönigs” nennen. Im Original heißt das Abenteuer “Lair of the Vermin Lord”. Mit “Vermin” ist wohl eher “Schädling” gemeint und weniger “Ungeziefer”. Das Abenteuer ist jedenfalls das erste Kaufabenteuer, das TAG für “Hellfrost” veröffentlichte und auch das erste Abenteuer, dass ins Deutsche Übersetzt wurde. Im Grunde fangen die meisten Hellfrost-Kampagnen damit an.
Die angehenden Helden waren sich unbekannt, also ging es ganz klassisch erst einmal in die Taverne, um die Gruppenfindung auszuspielen. Fynn, ein Engros und Kleriker des Unbenannten (auch hier habe ich mehrere unterschiedliche Übersetzungen im Buch gefunden), und Adrak, ein frostzwergischer Krieger, hatten sich bereits an einen Tisch zusammengesetzt. Ausgangslage war, dass sich beide gegenseitig ihre Erlebnisse absprachen. Für die umliegenden Gäste natürlich ein willkommenes Spektakel. Bis sich die Taigaelfe Eisblume einmischte, um schlichtend einzugreifen. Eisblume war zudem Druidin und in Begleitung ihres Schreckenswolfs Schneewehe unterwegs, um in Aslov ihren Bogen richten zu lassen.
Fynn nutzte es weidlich aus, im Mittelpunkt der Ereignisse zu stehen und den Zwergen verbal und mit einem Stück Speck an der Nase herumzuführen. Adrak war mit seiner sturen Art natürlich ein leichtes Opfer. Schlussendlich mischte sich auch noch Ulfrick Sturmmantel ein, ein alter frostblütiger Raufrostmagier, der seiner schlechten Augen wegen Schneewehe erst einmal für ein Pony hielt. Ulfrick kannte sich in der Gegend aus und war sehr belesen. Also wies er in allen Geschichten die Beteiligten auf die Schwachstellen und Übertreibungen hin.
Das hitzige Wortgefecht wurde erst unterbrochen, als der Händler Rodgar ap-Annwn die Taverne betrat und ein eisiger Hauch durch die geöffnete Türe drang. Der Mann war auf der Suche nach einem erfahrenen Helden und die Leute verwiesen ihn an Fynn, der sich im Laufe des Abends einen guten Ruf als wagemutiger kleiner Kerl erworben hatte und der als Engros wohl auch gut mit einem Wagen umgehen konnte. Beides Eigenschaften die ap-Annwn wohl brauchte.
Der Mann stellte sich nun als Bauer aus Dalsetter vor, der Leute suchte, die sein Mehl abholen sollten. Das befand sich in Dunross, einem Dorf mit Mühle. ap-Annwn wollte noch Geschäfte in Aslov tätigen und war deswegen außer Stande, die Sache selbst zu übernehmen. Die Helden dachten kurz nach, dann sagten sie zu. Immerhin war das Leben in Aslov teuer, da eine Hungersnot. Und der Bauer zahlte auch einen guten Lohn, selbst für den Schreckenswolf. Die Sache war also abgemacht …
Eigentlich sollte das Abenteuer ja in Dalsetter starten, so der Wille des Autoren. Aber ich fand eine große Stadt als Ausgangsort spannender. Vor allem, wenn sich die Helden noch etwas kaufen wollten. Und um die Lage im Land deutlich zu machen. Außerdem halte ich es für unlogisch, dass ein Bauer erst einmal einen Tag nach Aslov reist, dort einen Anschlag am Schwarzen Brett anbringt (”Abenteurer gesucht”) und dann wieder nach Hause geht, und schlussendlich gehen die Abenteurer einen Tag lang (und sonst bewirbt sich scheinbar niemand auf das Schreiben hin), um sich die Stellenausschreibung anzuschauen. Da fehlt einfach der Motor, für die ganze Aktion. Und auch ein plausibler Grund, warum der Bauer ausgerechnet wildfremden und unerfahrenen Leuten Wagen, Pferde und Mehl anvertrauen soll. In meinem Falle ist die Angst des Bauern einfach größer als seine Gier.
Das war jedenfalls der Einstieg meiner Goldgruppe in Hellfrost. Bleibt abzuwarten, wie sich die Sache entwickelt. Immerhin ist “Lair of the Vermin Lord” als TPK-Abenteuer verschrien.
Abgelegt unter Hellfrost, Meta-Gaming, Savage Worlds, Spielberichte | 3 Kommentare »




















