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Archiv für Mai, 2009

Traveller - Spinwärts-Marken

Erstellt von Taysal am 30. Mai 2009

Spinwärts-MarkenMartin J. Dougherty
Spinwärts-Marken
Das Dritte Imperium

Traveller-Rollenspiel
13Mann Verlag
Hardcover, 144 Seiten
ISBN 978-3-9811718-5-3
Erschienen Dezember 2008
Übersetzung: Sascha Lübke, Daniel Mayer
http://traveller-rpg.de

Der vorliegende Quellenband basiert auf dem Rollenspiel „Traveller“, dessen Grundregelwerk zwar das Dritte Imperium als Kampagnenwelt anreißt, aber ansonsten sehr generisch bleibt. „Spinwärts-Marken“ hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, passende Hintergrundinformationen zu liefern, um spannende Rollenspiele zu erleben. Dabei dreht sich alles nur um ein bestimmtes Gebiet des Imperiums, den Spinwärts-Marken. Die Marken liegen weit genug entfernt, um sich der Kontrolle des Imperators zu entziehen und sind durch ihre Lage gleichzeitig von großer Bedeutung. Sie sind ein Brennpunkt, ein Schmelztiegel voller Abenteuer.

Im vorliegenden Quellenband des Science-Fiction-Rollenspiels „Traveller“ werden eben jene Spinwärts-Marken eingehender behandelt. Natürlich ist es unmöglich sämtliche Bereiche zu erfassen, denn im Grunde würde alleine die Beschreibung eines einzelnen Planeten sämtliche Dimensionen sprengen. So wird dem Spiel Rechnung getragen und es gibt gezielte Informationen zu den wichtigsten Details der Spinwärts-Marken.

Das Buch gliedert sich in insgesamt fünf Kapitel. Zuerst natürlich die Einleitung, die verschiedene Eigenheiten des „Traveller“-Universums behandelt. So wird erklärt, dass die Informationen aus dem Buch zum OTU (Original Traveller-Universum) gehören und mit Spielbeginn zum MTU (Mein Traveller-Universum) werden. Allerdings gibt es auch das DTU (Dein Traveller-Universum). Sobald der Leser das erst einmal verinnerlicht hat, kann er sich mit Informationen zur Kartographie des Weltraums beschäftigen und mehr über Entfernungen und astrographische Merkmale erfahren. Was genau sind Raumhäfen, was unterscheidet sie von Sternenhäfen und wie funktioniert die Kommunikation? Diese Fragen werden hier  beantwortet – und noch viele mehr. Die Einleitung gibt dem Leser also das Rüstzeug in die Hand, um das Spiel-Universum verstehen zu können.

Einen Großteil des Kapitels machen dabei die Informationen über die verschiedenen Rassen aus. Vor allem die in mehrere Volksgruppen zersplitterte Menschheit wird beschrieben, aber auch andere intelligente Rassen wie die Aslan, Droyne, Hiver, K’Kree und Vargr. Die Nebenrassen und die Alten werden ebenfalls kurz erwähnt.

Das zweite Kapitel widmet sich gänzlich dem dritten Imperium. Obwohl die Spinwärts-Marken nur einen Teil des Imperiums ausmachen, ist das hier vermittelte Wissen Grundlage jeder Kampagne. So erfährt der Leser mehr über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Imperiums. Immerhin schreiben wir laut Buch aktuell das Spieljahr 1105 nach imperialem Kalender und in den letzten tausenden von Jahren ist Einiges geschehen.

Großen Wert legt Autor Martin J. Dougherty übrigens auf die Erklärung zum Adel des Imperiums und dessen Befugnisse. Da gibt es strenge Regeln und komplizierte Gesetze, klingt das Imperium mal nach einer Institution die Frieden schafft – oder einem bürokratischen Kraken mit wenig Befugnissen, weiß man die Paragraphen richtig zu nutzen. Hier sind viele verschiedene Szenarien möglich, sogar gleichzeitig. Das macht ebenfalls den großen Reiz dieses Kampagnenhintergrund aus.

Natürlich gibt es auch viele Informationen zu den imperialen Streitkräften, wie sie aufgebaut und was ihre Aufgaben sind, ebenso werden die größten Konzerne des Imperiums beschrieben. Informationen zu Raumfahrtlinien, Aufrührern, Terroristen, Kriminelle und Piraten runden das Kapitel ab.

Im dritten Kapitel dreht sich alles endlich um die Spinwärts-Marken. Erst einmal gibt es einen groben Überblick, dann folgen historische Daten. Dougherty besitzt eine gute Schreibe, so dass die Texte informativ und gleichzeitig spannend zu lesen sind. Das gilt auch weitgehend für die Übersetzung von Sascha Lübke und Daniel Mayer.

Nach dem historischen Abriss kommt es zu einer aktuellen Bestandsaufnahme. So wird erklärt was für Völker und Rassen in den Spinwärts-Marken beheimatet sind, wie das Imperium dort agiert, was psionisch aktive Traveller zu erwarten haben und wie es um den technologischen Stand in den Marken bestellt ist.

Kapitel Vier enthält nun eine detaillierte Beschreibung der sechzehn Subsektoren der Spinwärts-Marken. Zuvor werden jedoch neue Codebuchstaben erklärt. Diese ergänzen die Angaben aus dem „Traveller Grundregelwerk“.

Jeder Subsektor wird nun einzeln aufgeführt. Es gibt eine entsprechende Karte und allgemeine Informationen. Außerdem eine tabellarische Übersicht sämtlicher Systeme im Subsektor mit den Angaben der passenden Codes. Jeweils zwei wichtige Welten werden dann nochmals genauer unter die Lupe genommen und beschrieben. Durch diese Vorgehensweise können sich Spieler und Spielleiter ein gutes Bild von einem Subsektor machen und entsprechende Hintergründe und Abenteuer ausarbeiten. Verständlicherweise konzentriert sich Martin J. Dougherty nur auf die wichtigsten Einträge, da der Platz eines Buches schließlich begrenzt ist. Es gelingt dem Autoren aber ziemlich gut, die wirklich relevanten Punkte auszuwählen und vorzustellen.

Einzig störend ist der Umstand, dass dem Buch keine vernünftige Übersichtskarte der Spinwärts-Marken beiliegt. Die im Buch abgedruckte Karte ist selbst mit einer Lupe nur schwer zu lesen. Auf der „Traveller“-Homepage des Verlags kann zwar eine entsprechende größere Karte heruntergeladen werden, doch ohne Internetzugang oder entsprechende Information darüber, kommt man an das Material leider nicht heran.  Eine beigelegte Faltkarte hätte man als Käufer des Buchs jedenfalls dauerhaft zur Hand. So muss man seinen Drucker oder eben eine Lupe bemühen.

Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit Kampagnen und Abenteuern in den Spinwärts-Marken. Dougherty gibt wertvolle Tipps zum Spielstil eines „Traveller“-Abenteuers und weist darauf hin, dass Handlungen in sich logisch sein sollten und Konsequenzen haben. Ein wichtiger Unterschied zu vielen anderen Systemen, in denen es nur um gegenwärtigen Spaß ohne Nachhaltigkeit geht. „Traveller“ ist ein Rollenspiel alter Schule und das merkt man glücklicherweise. Vor allem Erzähler und Spieler von Hard-Science-Fiction-Geschichten werden an dem System und an den Spinwärts-Marken ihre wahre Freude haben.

Auf Seite 124 erfasst der zweite Absatz übrigens hervorragend worauf es bei „Traveller“ ankommt und was das Spiel ausmacht. Kleines Zitat: „(…) Und wenn sie etwas abschleppen wollen, dann müssen Sie rausgehen und eine Leine befestigen (…)“.

Die Spieler und ihre Charaktere sind also gefragt, um Dinge zu erledigen. Es wird bewusst auf Technologien verzichtet, die einem die ganze Arbeit abnehmen oder den Job von zu Hause aus erledigen lassen. Wer möchte kann solche Technologien natürlich einbauen, immerhin ist „Traveller“ DTU.

Den Abschluss des Buchs bildet der Index, in dem sämtliche Stichworte nochmals aufgelistet sind. So findet man – unter anderem - schnell einen bestimmten Planeten wieder. Das Buch hat auch ein Stofflesezeichen, so dass eine wichtige Seite markiert werden kann.

Wie das Grundregelwerk auch, so sind Illustrationen eher selten, schwarzweiß und in ihrer Qualität schwankend. Neben hervorragenden Tuschezeichnungen finden sich auch Bilder, die an einen Hobbykünstler erinnern. Hier hätte man vielleicht mit neueren und besseren Illustrationen nachlegen sollen. Die Verarbeitung des Hardcovers ist dagegen hervorragend, ebenso die klasse Titelillustration.

Die Übersetzung des Buchs ist durchweg gelungen. Der Verlag hat sich dabei entschieden einige Planeten ebenfalls zu übersetzen oder eine etwas andere Schreibweise zu verpassen. Da im dritten Imperium Anglisch als Basissprache gilt und auf dem realen Englisch basiert, hätte man sich das vielleicht sparen können. Aber somit erhält man ein weiteres „Traveller“-Universum, dass vielleicht als DOTU bezeichnet werden kann: „Deutsches Original Traveller Universum“. Das hat seinen ganz eigenen Reiz und ehrlich gesagt, bekommt die Übersetzung so einen eigenen Stil.

Was negativ auffällt ist das miese Lektorat. Da schleichen sich manchmal die englischen Originalbegriffe ein, wirkt die Grammatik holprig, fehlen ganze Wörter, gibt es Buchstabendreher oder gar ganze Wortdreher. Hier wäre ein wenig Sorgfalt besser gewesen. Es gibt so viele Ausrutscher, dass es unweigerlich komische Züge annimmt. Dadurch wird der sehr gute Gesamteindruck stark geschmälert und rutscht auf ein knappes Gut hinab.

Trotz einiger Schwächen ist „Spinwärts-Marken“ ein sehr informativer Quellenband, mit dessen Hilfe spannende und hervorragende Abenteuer erlebt werden können. Für „Traveller“-Spielleiter im Grunde ein Pflichtkauf, für deren Spieler eine klare Empfehlung.
(Günther Lietz)

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Traveller – Buch Null

Erstellt von Taysal am 30. Mai 2009

Traveller Buch NullMarc Miller, Gareth Hanrahan, Chris Longhurst
Traveller – Buch Null
Einführungsband

Traveller-Rollenspiel
13Mann Verlag
Softcover, 32 Seiten
ISBN 978-3-94142000-0-7
http://traveller-rpg.de

Um potenziellen Leser, Kunden und Spielern einen günstigen Einstieg ins „Traveller“-Universum zu bieten, gibt es als kleinen Appetitanreger nun „Traveller – Buch Null“. Dabei handelt es sich um eine - auf etwas mehr als dreißig Seiten abgespeckte - Variante des „Traveller“-Grundregelwerks. Das bedeutet Limitation der vorgestellten Karrieren, Beschneidungen der Ausrüstung und der Wegfall der unzähligen Tabellen. Psi fehlt vollständig.

Die Regeln entsprechen natürlich dem Grundregelwerk. Die Verarbeitung des Covers ist ordentlich und es ist ohne weiteres möglich den ein oder anderen militärischen Charakter zu erschaffen und das System ein wenig zu testen, um sich von der klassischen und gelungenen Linie zu überzeugen.

Die Regeln sind also über alle Zweifel erhaben und das „Buch Null“ ist ein gelungener Einstiegspunkt. Spannender wäre nun ein darauf basierendes Solo-Abenteuer gewesen und eventuell ein kleines Kennenlernszenario für eine Gruppe. Das fehlt leider, doch über die Verlags-Homepage des Spiels (http://traveller-rpg.de) gelangt man problemlos an weiteres, kostenfreies Material. Unter anderem finden sich dort entsprechende Abenteuer, die auch mit dem Einführungsband zu spielen sind und gelungen vermitteln, um was es hier geht.

„Traveller – Buch Null“ ist für neugierige Menschen jeglicher Couleur gut geeignet, um sich einen Überblick zu verschaffen und dieses schicke und einfache System kennenzulernen. Hier kann man getrost zugreifen.
(Günther Lietz)

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4E-Chronik - Keep on the Shadowfell (08)

Erstellt von Taysal am 30. Mai 2009

Hinter der SchattentüreDie Gruppe machte sich nun auf den Weg nach unten. Immerhin stellte sie fest, dass die schattige Türe einfach nur eine schattige Türe war. Also los und mal umgesehen, während sich Dunkelzahn über seinen Zauberstab aufregte. Immerhin hatte Schreiber ein Ritual vollzogen und das Befehlswort übersetzt: Expecto Patronum!

Nach der Treppe marschierten die Helden nun nach Rechts und den Gang hinab, bis zu einer großen Rune, die in den Boden geritzt war. Der gute Grom machte erst mal einen Satz hinüber, dann folgten weitere Kameraden, von denen einer prompt auf die Rune trat. Augenblicklich wurden Abwehrzauber eingesetzt.

Jeder der Betroffenen sah vor sich eine schreckliche Szene aus der blutigen Vergangenheit, während alle anderen Szenen aus einer glücklichen Vergangenheit sahen. Zu allem Übel wurden auch noch Zombies aufgeschreckt, die sich langsam näherten.

Neben den üblichen Horden an Zombies, waren einige der Kreaturen besonders abscheulich. So sprangen zwei der Biester mit einem Satz die Charaktere an, landeten aber glücklicherweise stets zu kurz. Eine der verwesten Gestalten war sogar in der Lage mit seine Zunge über mehrere Meter nach Feinden zu greifen. Doch die Kreatur schnalzte einfach immer knapp vorbei. Wenigstens der dicke Zombie mit der bitteren Galle war erfolgreich. Er ließ seinen Kopf im Kreis rotieren und kotzte dabei die Helden in seiner Umgebung voll (”Der Exorzist” lässt grüßen). Das lockte jede Runde in der er das tat eine weitere Zombiehorde an und ließ die Monster in Raserei verfallen, so dass sie noch wilder wurden.

Ich spiele im Netzwerk sehr gerne L4D - also dürfte einiges sehr bekannt vorkommen.

In der Hitze des Gefechts ...Wie üblich war es der arme Odo, der als erstes den Zombies zum Opfer fiel. Immerhin kamen sie von allen Seiten. Heimdal hatte jedoch rechtzeitig zur Stellungnahme auf der Treppe gerufen und so konnte man von dort aus bequem einen Zombie nach dem anderen erledigen. Allerdings ging das auf Kosten der Gesundheit und bar vieler Heilschübe, zog sich die Gruppe nach dem Sieg erst einmal nach Winterhafen zurück - Ausruhen und nach dem Rechten sehen.

Am Dorf angekommen waren die Tore jedoch verschlossen. Auf dem Friedhof waren die Toten aus ihren Gräbern gestiegen und nun hatten die Dörfler Angst. Da kamen ein paar Helden gerade günstig billig willig gelegen..

Während die Einen beim Grafen Pedreck vorsprachen, ging der Andere erst einmal in die Taverne, um nach seinem Lakeien Plaque zu sehen. Plaque hatte tatsächlich die Anweisungen seines Herren befolgt und sich innerhalb von knapp zwei Tagen nie erwischen lassen. Dunkelzahns Problem war nun, dass er dem Goblin eine Art Freibrief mitgegeben hatte - den Plaque auszunutzen wusste. Er hatte ein paar aus seiner Sippe hergeholt und sich auf Kredit mit Waren eingedeckt, die er nun Richtung Donnerspitze transportierte. Dunkelzahn wäre lieber sofort hinterher, unterschrieb dann aber lieber doch die Schuldbriefe und erfreute sich an seinem von Plaque extra hinterlassenen Wappenrock: Als Symbol ein schwarzes Ei aufgestickt.

Hier bekamen einige Spieler einen Lachanfall, ein anderer Spieler wollte mit einem Spielbuch mehrmals auf den Kopf von Dunkelzahns Spieler einschlagen. Aber wer weiß schon, wie sich die Sache entwickelt …

Die Einen waren also beim Grafen, der von seinen Sorgen mit den Untoten berichtete und das niemand aus dem Dorf der Plage her werden könne. Die Helden aber seien als freiberufliche Abenteurer geradezu bestens geeignet, um die Sache zu regeln. Pedrecks hauseigene Waldläuferin Ninaran hatte in Erfahrung gebracht, dass es auf dem Friedhof einen Ritualkreis (man kann das Wort auch mit “g” schreiben, was eine witzige Bedeutung hat) gibt. Dieser sei die Ursache für alle Untoten in der Gegend. Aha, Ritualkreis vernichten, keine Untote mehr in der Festung, denkt sich da die Gruppe.

Graf Pedreck stellte auch eine Belohnung von zweihundert Goldstücken in Aussicht - der ganze Steuerschatz des Dorfes. Man müsse allerdings auf den Baron warten, damit dieser heuer seinen Kurzkredit auslöse, den die Gesandtschaft des Barons kurzfristig aufgenommen hatte.

Auch hier wieder Gelächter und angedrohte Schläge …

Einige Unterschriften weiter - Dunkelzahn konnte stolz auf “seine” Jungs sein, die nun bestens gekleidet und gerüstet waren - traf der Drachengeborene beim Grafen ein. Es wurden Floskeln ausgetauscht und dann unterschrieb Dunkelzahn den Schuldschein für die tapfere Abenteurergruppe. Die beschloss nun Valthrun den Weisen aufzusuchen, um weitere Informationen zu bekommen.

Valthrun hatte die bisherigen Informationen genutzt und in seinen Büchern gestöbert. Tatsächlich wäre dieser Kalarel in der Lage Orcus zu befreien und auf die Welt loszulassen. Dies würde in der Festung mittels einem Ritual geschehen, dass aus einem der Bücher des schwarzen Schädels stammte. Hier wurde Dunkelzahn neugierig, denn genau eines dieser Bücher suchte er gerade.

Privat-Queste des Charakters: Sobald er eines der Bücher in seinen Besitz bringt, steigt Dunkelzahn um eine Stufe auf.

Valthrun bot zudem an, die Gruppe zu begleiten und mit ein wenig Feuermagie zu unterstützen. Die Gruppe nahm das Angebot an, immerhin sollte es auf den Friedhof gehen. Allerdings schien Valthrun eine starke Abneigung gegen Untote zu haben …

Valthrun war Kriegsgefangener Karrnaths und in einem Gefangenenlanger (UnStraLag II). Beinahe wäre er dort selbst zum Untoten im Dienste von Kaius geworden.

Am Ende der Spielsitzung.Doch nun mussten sich die Helden erst einmal ins Bett legen. Immerhin waren sie alle müde und hatten viele ihrer Kräfte aufgebraucht. Vor allem ahnten sie, dass es am nächsten Tag neue Fähigkeiten geben würde. Baron Dunkelzahn zog sich natürlich in seine Suite zurück. Niemand ahnte zu dem Zeitpunkt, dass der Drachengeborene auf dem harten Boden schlief, denn Plaque hatte auch die Möbel geklaut …

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D20 Firefly Spielbericht 6: Verräter an Bord

Erstellt von Taysal am 26. Mai 2009

Nach der Reparatur des Schiffs war es an der Zeit, sich zu verabschieden. Archer blieb auf Whitefall zurück, um als Shepherd die Gemeinde von Haselnut Valley zu betreuen. Obwohl Ken ein mulmiges Gefühl in der Magengegend hatte, bestieg er ebenfalls die Wind Drake. Demolitions Tod machte ihm zu schaffen – oder die Fischsuppe, die sie kurz vor Start hatten. Die schlug jedenfalls Captain Alistair Heinlein auf den Magen, der die meiste Zeit des Fluges auf seiner Toilette verbrachte und den Autopiloten die größte Arbeit machen ließ.

Die Reise nach Beylix dauerte knapp sechs Tage, in denen sich die Leute näher kennen lernten. Dick Colt erzählte von seinem Leben als Flüchtling und wie ihm seine Daisy in dieser Zeit geholfen hatte. Ken nutzte die Gelegenheit, um bei einigen Pokerpartien seine Finger zu üben, während Elaine ihr Shuttle herrichtete. Sie war froh weit von den Crewkabinen entfernt zu sein, denn Alistairs rege Darmtätigkeit duftete manches mal sogar bis ins Cockpit hinein. Es musste die Fischsuppe gewesen sein! Doch endlich erreichten sie Beylix.

Dick Colt gab Alistair die Koordinaten durch und schon bald schwebte die Wind Drake über einem kleinen See aus Giftschlamm und Schrott. „Genau im Zentrum ist der Container. Er ist tief im Schlamm, deswegen brauche ich unbedingt die Hilfe von Leuten, die sich mit Bergungen auskennen.“

Die Crew sah sich kurz an, dann flog Alistair die Landezone von Marble Town an. „Uns fehlt es am passenden Gerät.“, erklärte Ken. „Hoffentlich bekommen wir das hier günstig zu kaufen.“

*****

Derweil war die junge Gelegenheitsarbeiterin und Tierschützerin Miho auf der Miller-Farm mit ihrem Boss am sprechen. Die Sache sah verdammt schlecht aus. Zwar hatte der Klärschlamm den Ertrag auf satte zwanzig Prozent gesteigert, doch die Bank fraß den gesamten Gewinn auf. Um an neue Saat zu kommen beschloss Mike Miller also, sein altes Bergungsgerät zu verkaufen.

„Miho, die Sache ist einfach fen! Ich werde Dich die nächste Saison nicht bezahlen können. Und für die letzte Saison gibt es auch nur dann Geld, wenn ich das Gerät verkauft bekomme. Lass uns in die Stadt fahren. Ich versuche nochmals auf der Bank mein Glück und Du guckst, ob du einen Käufer findest.“

*****

Marble Town war eine kleine Stadt, doch Elaine hatten Glück. Auf dem Markt entdeckte sie eine junge Frau namens Miho, die entsprechendes Gerät verkaufte. Elaine handelte einen guten Preis aus und schon wechselte die schwere Maschine den Besitzer.

Ken nutzte die Gelegenheit, um sich kurz abzusetzen und im Saloon ein Spielchen zu wagen. Dabei lernte er Lyzolda kennen. Eine lausige Spielerin, aber sie erzählte davon, dass sie oft als Frau fürs Grobe angeheuert wurde. Ken wusste, dass an Bord jemand für Grobarbeiten nützlich wäre.

„Duo!“ fluchte Ken innerlich und ließ sich nicht anmerken, das ein junger Farmer seinen Queen-Straight mit einem King-Straight geschlagen hatte. Knapp, aber verloren.

Ken und Lyzolda verabschiedeten sich aus dem Spiel und machten sich auf den Weg zum Markt, wo Elaine bereits mit dem Muli wartete. „Ken, das ist Miho. Sie hat uns das Gerät verkauft und wird und auch beim Transport helfen. Ich habe mich mit ihr unterhalten und sie ist wohl auf der Suche nach Arbeit. Bei dem was wir vorhaben, könnten wir ein paar starke Hände gebrauchen. Vor allem, da Alistair noch immer unabkömmlich ist.“

Ken dachte nach. Zwei neue Leute würde mehr Arbeitskraft bedeuten, aber auch mehr Vorsicht. „Xingxu. Elaine. Das sehen wir noch. Erst mal müssen wir uns über den Preis einig sein. Am laufenden Projekt können wir euch nicht beteiligen, da wir es bald abgeschlossen haben. Aber natürlich werden wir euch beide gut bezahlen.“, sagte Ken zu Miho und Lyzolda.

Die vier beluden das Muli, dann zeigte Miho in Richtung Bank. „Da ist mein Boss. Ich gebe ihm gerade das Geld und lasse mich auszahlen, dann können wir los.“

Miho stapfte quer über den Marktplatz, die anderen folgten ihr neugierig. Als Miller seine junge Saisonarbeiterin sah, wandte er den Blick beschämt ab. „Miho, alles geklappt?“

„Ai, Boss, keine Probleme und ein guter Preis.“, erklärte die junge Frau und übergab das Geld aus dem Verkauf. „Und wie sieht es bei dir aus?“

„Nicht so gut. Ich habe gerade genug übrig, um das neue Saatgut kaufen zu können. Shuh muh, Miho.“

In diesem Augenblick beschloss Lyzolda, sich für ihre neue Bekannte einzusetzen. Sie ließ ihre Waffe hochschnellen und legte auf Miller an. „Mister, rücken sie lieber das Geld raus, sonst puste ich ihnen ein Loch in den Schädel.“ Miller wurde bleich, ebenso Ken. Diese Frau war ja irre!

„Das können wir doch friedlich lösen.“, schlug der Gambler vor, während Miller der perplexen Miho verängstigt sein Geld in die Finger drückte.

„Nimm das und dann hau ab. Wir sind hiermit quitt. Bijiwo, Miho! Okay?“

“Ai.”, war die kleinlaute Antwort.

„Gibt es Probleme?“ fragte in diesem Augenblick eine männliche Stimme und alle drehten sich um. Der Sheriff und zwei seiner Leute standen nur zwei Meter entfernt, die Revolver locker in den Händen.

„Bu, ich habe alles geregelt.“, antwortete Lyzolda stolz.

„Dan yuan ru ci!“ rief Miller aus. „Sie hat mich mit der Waffe bedroht. Ich will Anzeige erstatten.“

Elaine und Ken musste nun ihr ganzes diplomatisches Geschick aufbringen, um die Situation zu entschärfen. Keiner von beiden wollte Ärger mit dem Gesetz – jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt. Schlussendlich zahlte Miho ein Teil des Geldes an Miller zurück und entschuldigte sich mehrmals bei ihrem ehemaligen Boss, der Verständnis zeigte. Immerhin war Miho dem Farmer ans Herz gewachsen und hatte nur die falschen Leute kennen gelernt.

„Nach dem alles geregelt ist, können wir eigentlich los, oder? Miho, wo guckst Du denn hin?“ fragte Ken.

Miho zeigte über den Marktplatz. „Ich glaube das ist euer Muli, das da gerade von zwei jugendlichen Gaunern geklaut wird.“

„Ta ma de!“ rief Ken wütend. “Warum sagst du denn nicht sofort was?”

Die kleine Gruppe spurtete sofort los, was die beiden jungen Männer bemerkten. Sie griffen sich einige lose Teile und sprangen vom fahrenden Muli ab. Einer lief nach Links, der andere nach Rechts, was für letzteren ein Fehler war, denn Ken setzte sich auf dessen Spur und holten den Flüchtigen ein.

Der junge Mann ließ vor Schreck sein Diebesgut fallen, als er in den Lauf von Kens Revolver blickte. Es handelte sich dabei um eine Platine, die entzwei brach.

„Ta ma de!“ fluchte Ken, worauf der Jugendliche weinerlich „Qiuqing!“ ausrief. Doch Ken kannte keine Gnade und drückte ab.

Der Betäubungsschuss traf, hatte aber keinen sichtbaren Effekt. Also drückte Ken nochmals ab, bevor der junge Mann sein flehendes „Qiurao!“ zu Ende bringen konnte.

„Gibt es Probleme?“ fragte in diesem Augenblick eine männliche Stimme und Ken drehte sich um. Der Sheriff und zwei seiner Leute standen nur einige Meter entfernt, die Revolver locker in den Händen.

„Nein, alles geregelt. Ich habe den Knaben beim Diebstahl erwischt. Sobald er wach ist, verhöre ich ihn.“, sagte Ken grinsend und fesselte sein Opfer. Der Sheriff schüttelte nur den Kopf.

„Bu, xiangsheng, wir haben hier keine Selbstjustiz. Entweder sie erstatten Anzeige und ich nehme den Pianzi mit, oder sie lassen es sein und ich stecke ihn in eine Aufwachzelle. Suchen sie es sich aus.“

Ken dachte kurz nach, dann entschied er sich, den Gauner laufen zu lassen. Er würde ihn sich vorknöpfen, sobald er aus der Polizeistation kam. Immerhin hatte der andere Kerl auch eine Abreibung verdient. Niemand bestahl einen Gambler wie Ken McLeod ungestraft.

Ken ging zu den anderen zurück. Während er, Elaine und Lyzolda das Muli zur Wind Drake brachten, sollte Miho Wache stehen und den Gauner abpassen, sobald er das Polizeirevier verließ. Der erste Teil des Plans war kein Problem, doch den jungen Dieb abzupassen klappte weniger. Dieser war auf tragische Art und Weise plötzlich verstorben.

Für die geklauten Teile Ersatz zu bekommen, war ein Leichtes. Auf Beylix – auch bekannt als Müllhalde des Sonnensystems – bekam man einfach alles, halt stark gebraucht und manchmal kurz vor dem explodieren.

Alistair und seine Mannschaft flogen nun zurück zum Giftschlammsee. Lyzolda stieg in einen extra gekauften Schutzanzug und ließ sich mit dem Haken hinab. Nach einigem Suchen stand fest, dass dort kein Container war – oder er war zu tief abgesackt.

„Gai si!“ fluchte die Mannschaft einvernehmlich und Ken stapfte los, um mit Dick zu sprechen. Die beiden Senioren hatten sich wohl in ihre Kabine zurückgezogen. Dem war nicht so und die beiden Colts waren auch nicht woanders auf dem Schiff.

„Die müssen in Marble Town die Wind Drake verlassen haben, Ken.“, sagte Elaine. „Da stimmt was nicht.“

„Ta ma de, wir wurden hereingelegt!“ knurrte Ken wütend und Elaine nickte nur, während Alistair wieder auf die Toilette rannte.

*****

In Marble Town zurück, suchte die Mannschaft nach Dick und Daisy Colt. Dabei erwiesen sich Elaines soziale Fertigkeiten und offensichtliche Argumente als sehr nützlich. Scheinbar hatten die Colts mit einem lokalen Verbrecher namens Gin Guan gemeinsame Sache gemacht und waren auch für den versuchten Diebstahl des Mulis verantwortlich. So wie es aussah, hatte Daisy Colt den jungen Verbrecher auf dem Gewissen und waren die beiden älteren Herrschaften im Sunflower Motel abgestiegen.

Also beschloss die Mannschaft, die Colts dort zu besuchen. Während die Frauen Schmiere standen, klopfte Ken an die Türe. „Wer da?“ antwortete Dick Colt.

Ken verstellte seine Stimme und beschloss eine ausgeklügelte und wohl überlegte List anzuwenden: „Zimmerservice! Ich soll etwas abgeben!“

Es dauerte einige Sekunden, dann rief Dick Colt zurück: „Haut ab! Ich habe nichts bestellt! Ta ma de! Ihr könnt meiner Frau ausrichten, dass ich da nicht mehr mitmache! Ich habe Freunde in der Stadt mit einem Raumschiff! Die sind bald hier und werden mir helfen! Biejiwo!“

„Dick, ich bin es, Ken!“

„Ken? Ken McLeod?“

„Ai.“

Fast augenblicklich wurde die Türe aufgerissen und Dick Colt stürmte heraus. Er umarmte Ken erleichtert. „Ken, ich bin froh dich zu sehen. Ich glaube Daisy ist verrückt geworden. Sie hat plötzlich davon gesprochen alles zu behalten und mich gezwungen das Schiff zu verlassen, nach dem ich euch falsche Koordinaten geben sollte. Erst habe ich noch versucht ihr das auszureden, aber sie ist so uneinsichtig. Ich glaube sie baut großen Mist. Aber wie kann sie nur, Ken? Ich meine, wir lieben uns doch? Oder waren all die Jahre nur eine Lüge?“ Dick Colt schien verzweifelt, sein Herz gebrochen.

„Gehen wir erst einmal auf die Wind Drake zurück und sehen dann weiter, Dick.“ Ken war sichtlich betroffen …

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D20 Firefly Spielbericht 5: Tod eines Narren

Erstellt von Taysal am 26. Mai 2009

In Taras Saloon wurden hitzige Verhandlungen geführt. Es musste eine Lösung gefunden werden, die alle zufrieden stellte. Doch es lief tatsächlich darauf hinaus, jeden am Erlös des Schatzes zu beteiligen und so vielen Beteiligten wie möglich die Flucht von Whitefall zu ermöglichen. Demolition zog einer seiner Waffen und legte auf Patrick O’Tool an, um so eine günstige Verhandlungsbasis zu schaffen, was allerdings zu Problemen führte.

„Weg mit der Waffe.“, knurrte Alistair. „Hier wird auf niemanden geschossen, Demolition.“

Demolition Stoned verzog missmutig das Gesicht. „Dann gehe ich eben Wache schieben.“, sagte er und verschwand aus dem Saloon. Alistair und Ken waren nun etwas beruhigter, immerhin hatte der Shepherd auf dem Dach Stellung bezogen und könnte sich ein wenig um den Junkie kümmern.

Auf der Straße zündete sich Demolition erst einmal einen Joint an. Ein kleiner Junge sah ihm dabei neugierig zu. „Mister, sind sie neu in der Stadt und fremd?“

Demolition grinste breit. „Ja, genau. Warum willst du das wissen?“

„Ein Mann hat mir fünf Dollar gegeben. Ich soll aufpassen wenn einer kommt. Dann soll ich die Glocken läuten. Der Mann hat ein Gewehr. Wenn du mir auch fünf Dollar gibst, sag ich dir wo der Mann sich versteckt.“

„Fünf Dollar? Willst du nicht lieber einen Joint?“

„Einen was?“

„Ist schon gut, ich gebe dir lieber eine meiner Sonnenbrillen.“

„Danke, Mister. So eine habe ich schon immer gewollt.“, freute sich der Junge und zeigte aufs Dach. „Der Kerl ist da oben.“

„Danke.“, zischte Demolition erfreut, schnappte sich sein Gewehr und lief kurz an die Saloontüre. „Auf dem Dach ist einer mit ‚ner Knarre. Den leg ich um.“ Und schon lief er los.

Ken und Alistair sahen perplex zur Türe. „Moment!“ rief der Gambler aus und sprang auf, um Demolition hinterherzulaufen. Der hatte schon einen Vorsprung und war über eine Außentreppe aufs Dach hoch. Ein Blick durch die Sonnenbrille in eine schattige Ecke ließen ihnen einen Mann erkennen, der dort auf der Lauer lag. Der Junkie legte an, zielte kurz und ….

„Stop! Das ist Shepherd Archer!“ stieß Ken keuchend hervor, während er hinter Demolition aufs Dach stolperte. „Nicht schießen!“

„Ach so.“ Demolition ließ enttäuscht das Gewehr sinken. „Dann eben nicht.“

***

Im Saloon trugen die Verhandlungen endlich Früchte. Alistair hatte mit Engelszungen geredet und einen neuen Deal vermittelt: „Also, wir bekommen siebzig Prozent aus dem Erlös. Dreißig Prozent stehen ihnen beiden zu und jeder von ihnen möchte fünfzehn Prozent davon. Dann ist soweit alles klar.“ Captain Alistair Heinlein war zufrieden, endlich lief mal alles reibungslos.

Patrick O’Tool nickte. „Einverstanden. Ich lebe zwar gerne auf Whitefall, aber es gibt wohl keinen anderen Weg.“

„Dann besorgen wir uns jetzt noch einige Ersatzteile, das kaputte Muli vom Schrottplatz und verlassen dann Whitefall, um den Schatz zu heben.“, erklärte Alistair. „Elaine - Sie, Ken und Demolition schauen sich auf dem Schrottplatz um. Versuchen sie einen guten Preis auszuhandeln. Shepherd Archer hält bei Tara weiter Ausschau nach Basras Leuten, während ich die Wind Drake hole.“

***

Auf dem kleinen Schrottplatz von Haselnut Valley war der Besitzer sofort von Elaine fasziniert. Eine Companion in seinem kleinen Betrieb war eine große Ehre, obwohl sich der Mann keinerlei Chancen ausrechnete, mit solch einer schönen Frau ins Geschäft zu kommen.

„Ni hau.“, begrüßte ihn Elaine. „Meine beiden Angestellten suchen einige Ersatzteile. Und ich würde gerne diese kaputte Muli da hinten erstehen.“

„Natürlich, kein Problem. Ich mache ihnen einen Sonderpreis.“

„Shiny!“

„Äh, würden sie mir da vielleicht auch entgegenkommen und mir eine kleine Gefälligkeit erweisen, Mylady? Ein Bild für meine Promiwand im Büro.“

Elaine lächelte ihr süßestes Lächeln. „Kein Problem.“

Ken und Demolition suchten die benötigten Ersatzteile zusammen, was beinahe eine Stunde dauerte. Dann funkten sie Alistair an, damit er mit der Wind Drake anflog, um die Sachen zu verladen. Auch Shepherd Archer wurde angefunkt, dass er zum Schrottplatz kommen sollte. In dem Moment zeigte der Schrotthändler zum Eingang seines Betriebs. „Shiny, heute ist ein guter Tag. Basra kommt ebenfalls.“

Elaine drehte sich um und erstarrte. Zwei Kettenfahrzeuge hielten auf den Schrottplatz. Eben jene Fahrzeuge, die sie bereits in der Nacht gesehen hatte. Zwischen ihnen ritten vier Cowboys, die einen Jungen von vielleicht zwölf Jahren und dessen Pony flankierten.

Langsam drehte sich Elaine zu Ken um. „Habt ihr Basra eigentlich mal gesehen?“

Der Schrotthändler zeigte erneut nach vorne. „Da sitzt er doch, auf dem Pony. Ganz der Vater … Gott sei seiner Seele gnädig.“

Ken zuckte entschuldigend mit der Schulter, dann gingen er und Demolition im Schrott in Deckung. Elaine beschloss offensiv vorzugehen und blieb stehen. Sie setzte ganz auf ihren natürlichen Charme und ihr Training als Companion.

Basra Junior war entsprechend neugierig. Er gab an seine Leute den Befehl zu halten und ritt mutig alleine vor. Er zügelte kurz vor Elaine sein Pony und stieg ab. „Hallo Lady. Wer sind denn Sie?“

„Mein Name lautet Elaine Harrison. Ich bin eine Companion auf der Durchreise und kaufe einige Ersatzteile für mein Raumschiff.“

„Von solchen Frauen hat mir Daddy erzählt. Kann ich Kunde werden?“

Elaine lachte leise. „Du bist noch etwas jung, aber ja, vielleicht, wenn Du älter bist. Ich werde Dich gerne vormerken.“, sagte sie lächelnd.

Muhamad lächelte zurück. „Shiny!“

„Wo ist denn dein Daddy?“

„Der ist tot. Er hatte letztes Jahr einen Unfall im großen Fleischwolf. Seitdem führ ich das Unternehmen. Jenkins hilft mir allerdings dabei, bis ich alt genug bin.“, gab Muhamad bereitwillig Auskunft und lächelte. „Jetzt bin ich in der Stadt, um nach ihm zu suchen. In der Nacht hat es einen Überfall auf die Ranch gegeben und jemand meinte, Jenkins wäre erschossen worden. Falls das stimmt, lasse ich Jenkins Mörder von meinen Leuten aufknüpfen.“

Elaine unterdrückte ein Schlucken, denn sie wusste, wer Jenkins auf dem Gewissen hatte. „Und wer hilft Dir auf der Ranch, wenn Jenkins wirklich tot sein sollte? Hast Du schon einen Nachfolger?“

Während Muhamad nachdachte bemerkte Elaine, dass seine Leute nun ebenfalls nachzudenken schienen. Scheinbar hatte sich noch niemand darüber Gedanken gemacht, dass jemand Jenkins’ Platz einnehmen könnte.

„Nein. Jenkins war Daddy bester Freund. Sie haben sich nur einmal gestritten, wegen irgendwelchen Landdingen. Leider ist Daddy am Tag darauf gestorben, ohne dass sie sich vertragen konnten. Jenkins war traurig deswegen und hat angeboten, mir bei der Führung der Ranch zu helfen. Shepherd Tumbletree hatte allerdings was dagegen. Er war auch ein guter Freund von Daddy. Leider hat ihn jemand erschossen.“, sagte Muhamad.

„Du solltest nach jemandem Ausschau halten, der sich mit diesen Arbeiten auskennt, es ehrlich mit Dir meint und Dir keine Kugel in den Rücken jagt, um deine Stelle einzunehmen.“ Ta ma de, fluchte Elaine innerlich. Ich und mein loses Mundwerk.

Einige der Cowboys zogen nun ihre Waffen und schienen besonders gut nachzudenken. Elaine versuchte die Situation zu retten. „Allerdings würde Dein Tod ja schwere Machtkämpfe nach sich ziehen und sehr blutig sein. Und außerdem stehst Du ja unter meinem Schutz, als zukünftiger Kunde, sozusagen. Und ich habe ja weitreichende Verbindungen zu Männern mit Waffen.“

Muhamad grinste breit „Shiny, Sie sind eine echte Lady, Lady. Aber jetzt muss ich nach Jenkins und zwei Männern suchen, die auf dem Schrottplatz sein sollen. Jenkins Informant hat uns angerufen und gemeint, wir würden die Leute hier finden.“ Der Junge beschrieb die beiden Männer, die sich als Ken und Demolition entpuppten. Glücklicherweise waren die beiden gut versteckt.

„Äh, die habe ich gesehen.“, mischte sich der Schrotthändler ein, der Muhamad Basra behilflich sein wollte. „Sie gehören zu Mylady hier. Der eine versteckt sich da hinten, der andere hier vorne.“

Sofort zogen alle Cowboys ihre Waffen, auch Ken und Demolition. Erneut machte sich Elaine daran, die Situation ohne Waffengewalt zu entschärfen. „Das muss ein Missverständnis sein. Worum geht es denn überhaupt?“

Muhamad dachte nach und schüttelte dann den Kopf. „Keine Ahnung, Jenkins hat sich darum gekümmert. Er meinte da wäre eine Crew, die etwas hätte, was für uns wichtig ist. Er hat noch was gesagt, aber das habe ich vergessen.“

„Kleiner Mister Basra, ich glaube da liegen ein gewaltiger Irrtum und ein großes Verbrechen vor. Es tut mir leid, aber ich glaube Jenkins war ein Gauner. Meine Leute und ich sind harmlos und nur auf der Durchreise. Wir haben auch nicht vor, uns in die Landgeschäfte einzumischen oder uns auf die Seite der Farmer zu stellen, die von ihren Leuten zum Verkaufen gezwungen werden.“

„Zum Verkaufen gezwungen?“ schrie Muhamad entsetzt auf. „Das kann nicht sein. Daddy war immer dagegen und Jenkins hat alles in seinem Sinne veranlasst. Jungs, das stimmt doch, oder?“

Die Cowboys kratzten sich verlegen am Kinn, dann ergriff Tom das Wort, ein junger Mann, der erst vor einer Woche geheiratet hatte und dessen junge Frau - Jenny - Zwillinge erwartete. Tom war ein guter Arbeiter und eine ehrliche Haut, der sich nie gut mit Jenkins verstanden hatte. Er konnte seinen Schutzbefohlenen einfach nicht anlügen, erinnerte Muhamad ihn doch an seinen kleinen, behinderten Bruder Timmy.

„Boss, die Lady hat recht. Jenkins handelt gegen ihren Willen.“. erklärte der fromme Cowboy im roten westernhemd.

„Was? Gai si! Sucht ihn und bringt ihn mir her, falls er noch lebt. Oder bringt mir einen Beweis, dass er wirklich tot ist.“

Die Besatzung der Kettenfahrzeuge machte sich bereit und fuhr vom Hof, um nach Jenkins zu suchen. In diesem Augenblick flog Alistair mit der Wind Drake heran und setzte am Eingang des Schrottplatzes auf. Er öffnete die Laderampe, um sich die Situation anzusehen.

Demolition legte sicherheitshalber auf Muhamad an. Er schätzte die Situation eindeutig falsch ein. Basras Männer bemerkten den Lauf der Winchester II und legten nun ihrerseits auf Demolition an, der wiederum das Ziel wechselte und auf Cowboy Tom zielte. „Nicht schießen!“ rief Alistair sofort.

Die Kugel jagte durch die Luft und traf Tom genau zwischen die Augen. Der Cowboy kippte tot vom Pferd.

Elaine warf sich schützend auf Muhamad, während Alistair keinen weiteren Augenblick zögerte. Er legte mit dem von Jenkins erbeuteten Sturmgewehr an, zielte kurz und drückte ab. Die Kugel bohrte sich in Demolitions Brust und der Junkie sackte sterbend in sich zusammen. „Dieser Bendan! Ta ma de! Lasst ihm am Besten sterben, der ist ja unberechenbar!“ polterte Alistair los, während sich Ken sofort um Demolition kümmerte.

„Alles Shiny, Leute. Das war nur ein Irrtum.“, versuchte Alistair zu erklären. Die Cowboys steckten zwar ihre Waffen weg, doch die anklagenden Blicke hefteten sich auf Ken, der Demolition versorgte. Tom hatte keine Chance gehabt gerettet zu werden - sein Hirn war über dem Platz verteilt.

Alistair und Elaine begannen nun mit Muhamad und seinen Leuten ein Gespräch, um die Situation zu entschärfen und eine Lösung für die vorhandenen Probleme zu finden.

„Sie sollten sich Berater auf die Ranch holen, die sich mit dem Geschäft auskennen, aber keinen Ehrgeiz besitzen, um sie zu hintergehen. Leute, denen man vertrauen kann. Leute, wie die O’Tools.“, schlug Alistair vor.

Muhamad Basra Junior ließ sich diesen Vorschlag durch den Kopf gehen und stimmte dann zu. Er war überfordert und brauchte jede Hilfe, die er bekommen konnte. Nun musste diese Lösung nur noch den Senioren an Bord schmackhaft gemacht werden.

Alistair versammelte alle Beteiligten im leeren Laderaum der Wind Drake und erläuterte jedem die Vorteile. Ken nutzt die Ablenkung und zog Demolition auf die kleine Krankenstation des Frachters. Er wusste, dass der Captain dem Junkie skeptisch gegenüberstand und ihn lieber auf dem Planeten zurückgelassen hätte, aber der Gambler sah sich in der moralischen Verantwortung. Demolition war zwar unberechenbar, doch hatte er ihm mehrmals den Hintern gerettet – und umgekehrt. In der Zwischenzeit war auch Shepherd Archer eingetroffen, der auf dem Dach des Saloons ein kleines Nickerchen gehalten hatte.

Während Ken Demolition ordentlich versorgte, stimmte Patrick O’Tool Alistair Heinleins Vorschlag zu. „Aye, einverstanden. Das spart viel Zeit und Ärger. Außerdem hat meine Patty dann endlich einen kleinen Balg, um den sie sich kümmern kann.“

Patrick O’Tool kratzte sich am Kopf. „Ich verlasse mich darauf, dass sie mir meinen Anteil zukommen lassen, Captain Heinlein.“

„Natürlich, ich bin ein Ehrenmann.“

„Shiny. Wissen sie, ich habe Dick nie getraut. Deswegen habe ich zur Sicherheit die künstlichen Augen meiner Ex-Freundin modifiziert und sie ebenfalls als Schlüssel eingesetzt.“

„Ihre Ex-Freundin?“

Patrick O’Tool zeigte grinsend auf Daisy Colt. „Wir waren vor vielen Jahren ein Paar. Ich habe die beiden sogar miteinander bekannt gemacht, damals, in den guten alten Zeiten.“

„Aha, das sind also Lochschwager!“ stieß Shepherd Archer hervor, dem jetzt ein weiteres Detail der Rivalität der beiden alten Männer im anderen Licht erschien. „Die Wege des Herrn sind unergründlich.“ Daisy Colt war jedenfalls peinlich berührt.

„An die zweite Waffe zu kommen, ist allerdings auch kein Problem.“, warf Elaine ins Gespräch ein. „Ich bin sicher, der kleine Mister Basra wird sie uns gerne aushändigen.“

Alistair nickte. „Das denke ich auch. Endlich kehrt mal Ruhe ins Schiff ein. Wir werden ein paar Tage bleiben, unsere Verwundungen ausheilen und ein wenig die Wind Drake reparieren. Immerhin haben wir diese kleine Pause dringend nötig.“ Der Captain stieß damit auf allgemeine Zustimmung. Leider ergab sich am nächsten Tag dennoch eine Komplikation, als Demolition Stoned wieder zu sich kam.

Alistair hatte beschlossen, sich den Knaben mal zur Brust zu nehmen und wieder zurechtzurücken. „Demolition, dass kann so nicht weitergehen. Eigentlich solltest du gar nicht mehr an Bord sein, aber der Doc hat ein Herz für seine Patienten. Und du bist ein fähiger Mechaniker, also bekommst du eine letzte Chance.“

„Shiny Captain, Shiny. Wo sind denn meine Joints?”

„Genau hier wird es jetzt einige Änderungen geben. Die Joints schmeißen wir über Bord. Und deine Waffen wirst du vorläufig nur in die Hand bekommen, wenn das unsere Aufträge erforderlich machen. Du neigst nämlich ein wenig zu Überreaktionen.“

„Gai si!“ schrie Demolition wütend aus und kämpfte sich von der Bahre hoch. „Wenn ich keine Drogen und keine Waffen in die Finger bekomme, dann hau ich halt die Maschinen kaputt.“

Alistair war perplex. Damit hatte er nicht gerechnet. „Äh, he, Moment, stehen bleiben! Finger vom Antrieb! Das werde ich nicht zulassen!“

Demolition zeigte sich jedoch von seiner trotzigen und sturen Seite. Der Junkie sah nicht ein, dass er sich anpassen musste, wollte er Teil einer Crew sein. „So, ich bin jetzt im Maschinenraum und mach was kaputt.“

“Ta ma de! Bendan!” stieß Alistair hervor. Er sah nur noch rot, wollte das Leben seiner Crew keinem uneinsichtigem Saboteur anvertrauen und erschoss Demolition. “Bringt ihn von Bord. Irgendwann ist auch mal Schluss mit lustig.“

Shepherd Archer blickte bedauernd auf Demolitions Leiche. „Staub zu Staub.“

***

Die Wind Drake blieb noch eine Woche auf Whitefall. Das Schiff wurde weitgehend repariert und Alistair bezahlte den Mechaniker mit dem Geld, das er von Elaine als Pacht für eines der Shuttle bekam. Der weitere Weg würde sie nach Beylix führen, denn dort sollte der Schatz versteckt sein. Doch vorher galt es einige Unstimmigkeiten aus dem Weg zu räumen, die Demolitions Tod hervorriefen …

Es gab zwischen den Spielern ebenfalls Unstimmigkeiten, weil einige meinten, es sei zu hart gewesen Demolition zu erschießen. Allerdings spielte dessen Spieler gerne chaotische Charaktere, die die Gruppe gerne mal an den Rande des Todes bringen. Der Spieler von Alistair wollte kein weiteres Risiko mehr eingehen und hatte die Nase von Demolitions unüberlegten Aktionen einfach voll, vor allem da eine Sabotage des Schiffs (auch outgame angekündigt) schnell zum Total Party Kill werden kann.

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D20 Firefly Spielbericht 4: Vergessliche Shepherds

Erstellt von Taysal am 26. Mai 2009

Alistair flog mit der Wind Drake dicht über den Boden Richtung Northfork-Ranch, als er plötzlich ein Stottern in der Maschine bemerkte. Auch die Flugkontrollen spielten verrückt. Gai si, er hatte vergessen die Steuerkonsole neu zu kalibrieren. Alistair fluchte laut und verlangsamte das Tempo. Schwarzer Rauch schoss aus den Turbinen. Auch das noch!

Mit einem ungeschickten Manöver setzte er die Wind Drake hart auf, einem Erpel gleich, dem man im Flug beide Flügel stutzt. Ein Ruck ging durch die Maschine und die Crew hatte Mühe, um auf den Füßen zu bleiben.

„Heinlein an alle, von hier aus geht es zu Fuß weiter.“, gab Alistair mittels Bordkommunikation durch und fügte in Gedanken hinzu: Hoffentlich bekomme ich den Vogel wieder in die Luft.

Die Crew verließ das Schiff und besah sich die Schäden von Außen. „Ich bleibe hier und nehme die nötigen Kalibrierungen alleine vor. Die Zugangscodes zum Schiff vertraue ich niemandem an.“, erklärte Alistair.

„Und was ist, falls Sie ums Leben kommen?“ fragte Elaine, die aufreizend gegen eine Strebe der Rampe lehnte.

Heinlein zuckte mit den Schultern und grinste. „Zao gao. Ich mach mich an die Arbeit.“

„Hallo Freunde!“ rief plötzlich eine bekannte weibliche Stimme von etwas oberhalb des Landeplatzes. Es war Tara, die resolute Besitzerin des Saloons. „Was macht ihr denn hier? Schiff kaputt?“

„Nur ein kleiner Schaden, der bald repariert ist.“, versicherte Ken. „Und warum treiben Sie sich hier herum?“

Tara zeigte mit dem rechten Daumen über ihre linke Schulter. „Da hinten ist die alte Miene meines Vaters. Sein Todestag jährt sich und ich wollte sehen, ob alles in Ordnung ist. Ihr befindet euch nahe der Northfork-Ranch von Basra. Falls ihr möchtet, zeige ich euch den Weg. Ich habe mit dem Mistkerl eh noch eine Rechnung offen.“

„Die Wege des Herrn sind unergründlich.“, kommentierte Shepherd Archer die Situation und Tara nickte.

„Stimmt, denn ich habe vor einigen Minuten eine Handvoll herrenloser Gäule eingefangen, die Basras Zeichen tragen. Mit denen sollten wir schnell ans Ziel kommen.“

Die Mannschaft der Wind Drake machte sich nun bereit, um Basras Ranch einen Besuch abzustatten. Die alten Leute ließen sie vorsichtshalber zurück, dafür bot sich Elaine an, Ken und die anderen – wie Tara – ebenfalls zu unterstützen. Zur Überraschung aller verfügte die Companion tatsächlich über eine Kampfausrüstung.

Kurz darauf ritten die fünf tapferen Menschen Richtung Ranch, die Haare im Wind, den Sonnenuntergang im Rücken und den staubigen Boden unter den Hufen ihrer Pferde. „Wie lautet eigentlich der Plan?“ rief Tara und alle zügelten ihre Tiere.

Nach einem kleinen Gespräch und dem Austausch von Informationen, beschloss die Mannschaft, sich erst einmal der Ranch zu nähern und auf die Lauer zu legen. Im Schutz der Dunkelheit kamen sie an und Tara führte ihre neuen Freunde über Schleichwege auf einen sanften Hügel, von dem aus man einen guten Blick hatte.

Basras Ranch bestand aus einem großen Hauptgebäude und mehreren Wirtschaftsgebäuden. Hohe Zäune umgaben die Northfork-Ranch und in regelmäßigen Abständen gab es Wachtürme.

„Basra züchtet Rinder, schlachtet sie und streckt das Fleisch mit Proteinlösung, um es auf den Märkten der Grenzwelten als Echtfleisch zu verkaufen. Die Feds kümmert nicht, was die Kolonisten hier draußen essen, solange Basra keinem Kernweltler das Zeug zu verkaufen versucht.“, erklärte Tara. „Einige meiner Mädchen besuchen manchmal die Cowboys hier draußen und verdienen sich ein paar Dollar extra.“

„Ich habe eine Idee.“, stieß Sherpherd Archer hervor und grinste. „Ich weiß, wie ich mir Zugang verschaffe.“ Der Shepherd schlich zu den Pferden zurück, stieg auf und ritt Richtung Ranch.

„Was macht der denn?“ fragte Ken und die anderen guckten nur ratlos in die Runde.

„Hat er denn vergessen, dass die den letzten Shepherd erschossen haben?“ fügte Demolition Stoned dem Fragekatalog zu.

***

Shepherd Archer hielt unbeirrt auf das Tor zu und stoppte erst, als zwei der Wachen ihre Gewehre auf ihn richteten. „Stop!“

„Gott zum Gruße, meine Kinder. Ich habe diese Pferd gefunden und nehme an es gehört euch. Deswegen will ich es abliefern und …“

„Gut. Absteigen und verschwinden!“

„Wollt ihr mich nicht hinein…“ Ein Warnschuss unterbrach Archer. Durch den Knall stieg das Pferd vorne hoch und warf den Shepherd ab. Der landete mit einem lauten Schmerzschrei auf einem spitzen Stein. Unbeirrt rappelte er sich auf und versuchte es erneut: „Möchtet ihr vielleicht eine Ausgabe meines Wachturms lesen und …“

„Hau – endlich – ab!“

Shepherd Archer sah die Sinnlosigkeit seiner Tat ein und wandte der Ranch den Rücken zu. Mit dem letzten Sonnenstrahl erklomm er den Hügel. Ken und Elaine nahmen ihre Infrarotferngläser und beobachteten das Treiben auf der Ranch.

„Diese Männer sind Gottes Wort gegenüber sehr unempfindlich.“, sagte Archer und ließ sich müde zu Boden sacken. „Sehr unempfindlich.“

„Dann machen wir das anders.“, erklärte Demolition, nahm seine Winchester II aus dem Waffenkoffer und kletterte vorsichtig ein Stück nach unten. In vierzig Meter Entfernung stoppte er und beobachtete die Ranch.

Es wurden Lichter und Scheinwerfer angezündet, irgendwo sang einer der Cowboys ein leises, trauriges Lied.

„Ruhe da unten!“ schrie Demolition genervt. Seine Stimme wurde weit durch die Nacht getragen und hatte unerwünschten Erfolg. Eine der Wachen entdeckte Demolition im Hügel, alarmierte Basras Wachmannschaft und bald rückten zwei Kettenfahrzeuge mit Fahrzeuggeschützen und vier Mann starker Besatzung aus.

Mit den weitreichenden Waffen bezogen sie am Fuß des Hügels Stellung. Ihr Anführer griff zu einem Mikrofon: „Kommen sie mit erhobenen Händen raus oder wir eröffnen das Feuer!“ wurde über Lautsprecher gefordert.

Demolition ließ seine Winchster II liegen, zündete sich einen Joint an und kletterte runter.

„Shiny!“ rief er aus. „Mein Name ist Demolition Stoned. Ich verkaufe Drogen.“

Wenige Minuten später war er entwaffnet und seine Hände auf den Rücken gefesselt. Den Joint hatte man ihm gelassen und Demolition versuchte verzweifelt zu sprechen, ohne seinen Joint aus dem Mund fallen zu lassen.

„Was soll denn das? In der Stadt hat man mir gesagt hier draußen gäbe es ein paar Männer, die Interesse an guten Joints haben.“

Die Cowboys sahen sich an, einige von ihnen grinsten. „Mag sein.“, gab der Anführer nickend zu. „Sicherlich, ist aber vom Boss nicht gerne gesehen. Was würden die denn kosten?“

Demolition überschlug kurz was er bei sich trug und nannte einen durchschnittlichen Preis. Die Cowboys unterhielten sich kurz abseits, dann füllten sie an einem der Fahrzeuge eine Plastiktüte mit Geld.

„Klingt fair. Aber bevor wir deine Fesseln lösen, musst du einige Fragen beantworten. Wir wollen ja nicht, dass du uns an den Boss verpfeifst.“

„Würde ich nie machen, ich bin ja nicht so wie die Leute, die eure Freunde erschossen haben.“

Die Cowboys waren ziemlich verblüfft und Demolition verfluchte sein loses Mundwerk. Doch glücklicherweise gelang es ihm, die Leute von seiner Unschuld zu überzeugen – glaubte er bis dahin noch. Bei der hitzigen Diskussion verlor er seinen Joint aus dem Mundwinkel.

Basras Männer ließen Demolition gefesselt und drückten ihm die Trageschlaufen der schweren Geldtasche in den Mund. „Komm in vier Wochen wieder.“

Demolition nickte knapp und machte sich auf den Weg zurück. Dabei achtete der Waffenhippie darauf, einen kleinen Umweg zu gehen. Er wollte ja niemanden zu seinen Freunden führen. Nach einiger Zeit erreichte Demolition die Stelle, an dem ihn die Cowboys entdeckt hatten. Er ließ die Tasche fallen und versuchte die gefesselten Hände nach vorne zu bringen – vergeblich.

Ken hatte Mitleid mit seinem neuen Freund und kletterte vorsichtig nach unten, um ihm zu helfen. In der Zwischenzeit beobachtete Elaine die Farm. Basras Leute schienen merkwürdig heiter und einige von ihnen sahen öfter auf die Uhr. Merkwürdig, dachte Elaine und kratzte sich gedankenverloren am Kinn.

„Ta ma de!“ fluchte Ken und löste Demolitions Fesseln mit seinem Messer. „Du machst nur Mist.“

„Alles Shiny, Ken. Nichts passiert. Ich brauche jetzt erst mal ’nen Joint.“ Sagte Demolition und kramte in seinem Koffer nach einem der begehrten Glimmstängel.

Ken ließ sich auf die Knie nieder und zog sein Fernglas heraus. Das Verhalten der Leute machte ihn stutzig. Der Gambler nahm mittels Kommlink Verbindung zu Elaine auf – die Einzige, die ebenfalls ein solches Gerät besaß. „Was machen die denn? Hast du eine Idee?“

„Nein. Jetzt scheinen sie sich bereit zum Ausrücken zu machen. Und sie gucken immer öfter auf die Uhr.“ Elaine blickte nun selber auf ihren Zeitmesser. Sei Demolitions Rückkehr waren beinahe dreißig Minuten vergangen. Es fehlten nur noch ein paar Sekunden …

„Lauf!“ schrie Elaine ins Kommlink und duckte sich. Dabei drückte sie Archer und Tara, die sie flankierten, ebenfalls nach unten.

„Gai si, weg hier!“ schrie Ken und nahm die Beine in die Hand. „Das ist eine Falle!“

„Eine Falle?“ Demolition zog an seinem Joint und wirkte ratlos. „Wie soll das denn eine Falle sein?“ Er griff nach seiner Geldtasche und zog sie auf. Demolitions Blick fiel auf eine Dynamitstange, an die jemand einen Zeitmesser angebracht hatte: 4 – 3 – 2 …

„Das schöne Geld!“ stieß Demolition aus, ließ die Tasche fallen und lief ebenfalls los. Doch zu spät. Die Detonation riss ihn von den Beinen und warf ihn durch die Luft nach vorne. Ken knickte durch die Druckwelle ein und war überrascht, als ihn Demolition fliegend überholte. Bendan, dachte Ken nur, dann regnete Dreck um ihn herum nach unten. Ohne lange nachzudenken öffnete er seine kleine Arzttasche und leistete erste Hilfe. Ken konnte den Waffennarr zwar stabilisieren, aber an eine Flucht war nicht zu denken. Vor allem, da Basras Leute nun die Ranch verließen.

Während die Kettenfahrzeuge auf den Landeplatz der Wind Drake zuhielten, machten sich zwei Dutzend Reiter den Hügel hinauf. Unmöglich, es mit ihnen allen aufzunehmen.

Shepherd Archer, Tara Harper und Elaine Harrison schlossen zu Ken auf. „Was jetzt?“ fragte Archer und sah sich um, in seiner Hand ein Colt mit überlangem Lauf.

„Ich versteck mich irgendwo mit Demoliton.“, erklärte Ken hastig. „Ihr seht zu, dass ihr Patrick O’Tool findet. Damit werden die nicht rechnen. Die glauben wir sind tot oder fliehen.“

Tara nickte. „Eines meiner Mädchen hat mir von einem Schlupfloch im Zaun erzählt. Dort könnten wir rein.“

„Shi ah!“

Tara führte Elaine und Archer hinter sich her, während Ken seinen Patienten in ein nahes Loch warf und zu ihm hinabkletterte. Er hoffte die Deckung würde reichen, notfalls würde er den Cowboys blaue Bohnen zum Kosten geben.

Es existierte tatsächlich ein Schlupfloch im Zaun, doch die beiden Frauen wurden von einem Cowboy entdeckt. Er hatte nur Augen für Elaine und übersah dadurch Archer, der sich in einen Rücken schlich.

„Tara, bringst du jetzt selbst eine deiner Ladys vorbei?“ Die Waffen in Elaines Holstern ignorierte der Mann, seine Blicke galten ganz allein den Reizen der unbekannten Schönheit.

„Ja, die Zeiten sind gefährlich. Das hast du ja selbst mitbekommen.“

„Stimmt. Wie teuer ist die Kleine …“ Archers Schlag schickte den Mann ins Reich der Träume, dann brach ihm Tara das Genick und Archer sprach einen Segen. „Wir dürfen keine Zeugen zurücklassen, der sie erkennt, Tara.“, fügte er anschließen hinzu.

Die Saloonbesitzerin nickte. Basras Männer waren ihr egal, es waren Schweine auf zwei Beinen, die Spaß daran hatten ihren Saloon zusammenzuschlagen, ihre Mädchen zu quälen und ihr Land zu stehlen.

Archer übernahm nun die Führung. Der Geisteliche hatte ein kleines Gebäude mit vergitterten Fenstern bemerkt: Basras rancheigenes Gefängnis. Tatsächlich saß Patrick O’Tool hier ein. Von außen war die Zelle leicht und schnell zu öffnen. Danach schlichen sie mit O’Tool wieder durch das Schlupfloch nach draußen. In einiger Entfernung sahen sie ein helles Licht aufsteigen, die Wind Drake hatte die Flucht angetreten. Das bedeutete einen langen Fußmarsch, denn ihre Pferde waren sicherlich von Basras Männern entdeckt worden.

Während sich Basras Leute unverrichteter Dinge zurückzogen, fertigten Ken und der Shepherd eine Trage an, um Demolition darauf zu transportieren. Dann ging es Richtung Stadt, die sie zum Sonnenaufgang erreichten. Alle waren müde und ausgelaugt. Einige waren seit mehr als vierundzwanzig Stunden auf den Beinen.

In Taras Saloon gab es erst einmal heißen Sake und alle warteten gespannt auf das Eintreffen von Alistair und den Colts. Der Captain hatte die Wind Drake in einer kleinen Schlucht gelandet und war mit seinen Passagieren über Schleichwege in die Stadt zurückgekommen. Das Treffen der alten Kameraden verlief allerdings anders als geplant, denn Patrick O’Tool dachte gar nicht daran, seine Waffe aus den Händen zu geben. Im Gegenteil, die beiden Männer begannen einen heftigen Streit, der gegenseitige Schuldzuweisungen enthielt.

„Bi Zuei!“ ging Ken dazwischen. „Das bringt doch alles nichts. Falls ich es richtig verstanden habe, befindet sich die Waffe eh im Besitz von Basra. Und Mister O’Tool gibt die Waffe gerne an diesen Mistkerl ab, wenn er dadurch sein Land behalten kann. Was allerdings zweifelhaft ist, da Basra keine Skrupel kennt.“

„Ich habe lieber eine Chance auf ein Stückchen eigenes Land, als gar nichts.“, maulte O’Tool. „Was für eine Möglichkeit habe ich denn sonst? Ich könnte mir natürlich einen Teil des Schatzes auszahlen lassen und woanders ein neues Stück Land kaufen. Aber an den Waffen klebt unschuldiges Blut, ich könnte nicht mehr ruhig schlafen.“

„Wir müssen uns eh mit Basra auseinandersetzen. Immerhin hat er die Pistole mit dem Codefragment.“

O’Tool grinste breit. „Mag sein, aber ich habe einen zweiten Schlüssel angefertigt. Immerhin konnte man Dick nie so richtig trauen. Er war ein Weiberheld und ein Spieler. Wegen ihm haben wir so viel riskiert und alles verloren. Genau deswegen habe ich ihn bei den Feds ans Messer geliefert, um meinen Hals aus der Schlinge zu ziehen.“ Erneut gingen sich beide Männer verbal an die Gurgel.

Ken überschlug derweil die Möglichkeiten, kam aber auf wenige Optionen. Entweder jeder verzichtete auf einen Teil des Schatzes und sie finanzierten O’Tool auf einem anderen Planeten einen Landstrich Staub oder sie legten sich mit Basra an. Dadurch würden sie O’Tool und der Stadt einen Gefallen erweisen und auch in den Besitz der zweiten Waffe kommen. Somit wären sie auch auf O’Tools Hilfsbereitschaft nicht mehr angewiesen. Eine vertrackte Situation und alle Pläne versprachen Komplikationen …

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D20 Firefly Spielbericht 3: Omas mit Waffen!

Erstellt von Taysal am 26. Mai 2009

In der Zwischenzeit stöberte Captain Alistair Heinlein auf dem Schrottplatz herum. Er war auf der Suche nach billigen Ersatzteilen für die Wind Drake. Tatsächlich war dem Captain das Glück hold, denn er entdeckte einen funktionstüchtigen Katalysator. Für ein Fläschchen Reiswein und einen Nährstoffriegel wechselte das gute Stück seinen Besitzer.

Alistair wollte den Schrottplatz gerade verlassen, als er auf ein Muli mit Kettenantrieb stieß. Das Fahrzeug schien intakt, nur der Tank fehlte. Den hatte wohl jemand ausgebaut. Alistair sah sich kurz um, dann versuchte er das schwere Ding wegzuschieben. Sein stümperhafter Diebstahlversuch fiel natürlich auf.

„Was machen sie denn da, Mister?“ rief der Schrotthändler, seine beiden scharfen Dobermänner treu zur Seite und einen Karabiner im Anschlag.

„Es ist nicht das, wo nach es aussieht.“, entgegnete Alistair. Es ist natürlich das, wo nach es aussieht, dachte er sich. „Alles Shiny, ich bin schon weg.“

Auf dem Weg zum Saloon bemerkte er natürlich, dass die Menschen ein neues Gesprächsthema hatten. Vor kurzem hatte es – und zwar genau heute – im Saloon eine Schießerei gegeben. Und Alistair ahnte bereits, wer darin verwickelt war. Ta ma de, die Männer sind doch erst seit einem Tag bei mir an Bord.

Der Captain gabelte die Colts beim Gemischtwarenladen auf und gemeinsam betraten sie den Saloon. Ken, Demolition, Elaine und Tara saßen an einem der Tische und unterhielten sich, während der Rest des Raum ziemlich wüst aussah, was vor allem an den Leichen lag, die undekorativ das Bild schmückten.

„Ah, der Captain!“ rief Ken erfreut aus. „Genau richtig, um neue Informationen von uns zu bekommen.“ Der Berufsspieler klärte Alistair über die letzten Geschehnisse auf und stellte ihm Elaine vor. Die junge Frau hatte sich in Dinge eingemischt, die sie zu neuen Wegen zwangen – sie musste den Mond verlassen.

„Natürlich habe ich noch Platz an Bord meines Schiffes. Aber eine Passage wird Einiges kosten.“

„Geld spielt keine Rolle, Captain Heinlein.“, entgegnet Elaine lächelnd und verzog dabei schmerzhaft das Gesicht. Ken hatte die Nase richten und einen gesplitterten Zahn einkleben müssen.

Gut zu hören, dachte Alistair. „Die Passagierkabinen sind ein wenig beengt, aber ich könnte ihnen eines meiner Shuttles anbieten.“

Elaine spitzte die Ohren. „Sie haben Shuttles? Hätten sie vielleicht Interesse mir eines ihrer Shuttles zu verpachten? Ich habe hier ja immerhin einige Probleme und würde die Gelegenheit gerne nutzen, um mich ein wenig zu verändern … fernab von Whitefall.“

Alistair grinste breit. „Kein Problem, aber es wird einiges kosten.“ Du reiches Biest wirst ordentlich zahlen, dachte sich der Captain.

Was für ein Qigai, dachte sich wiederum Elaine. „Machen sie sich darüber keine Sorgen.“

„Gut, dann sehen wir mal weiter. Demolition, du schnappst dir den Katalysator und unsere neue Begleitung. Bring beides zum Schiff. Die Lady bekommt eines der Shuttles und das Teil baust du ein. Bekommst du das hin?“

„Shiny.“, stieß Demolition hervor und schnappte sich einen seiner Joints. „Keine Sorge. Ich gehe sofort los.“

Ken und Alistair ließen sich den Weg zur Witwe Wolf zeigen. Zusammen mit den Colts wollten sie dort mit Patty O’Tool sprechen, Patricks Witwe.

Am kleinen Häuschen angekommen, fiel den beiden Männern sofort auf, dass die Fensterläden geschlossen waren. „Bleiben sie hinten.“, sagte Alistair zu den Colts und nickte Ken zu. Beide gingen zur Veranda hoch und Alistair klopfte energisch an die Türe, während Ken ihm nach hinten Deckung gab.

„Miss Wolf? Alistair Heinlein mein Name, ich bin auf der Suche nach Patty O’Tool.“

Es dauerte einige Sekunden, dann rief eine ältere Frauenstimme: „Patty hat es vorgezogen die Stadt zu verlasse, Mister.“

„Wissen sie wohin Patty ist?“

„Heute Morgen ist ein Schiff gelandet, dort wollte sie eine Passage nehmen. Fragen sie den Captain dort.“

Alistair seufzte. „Alistair, hast du eine ältere Dame an Bord. Nein. Shiny, Danke für die Hilfe.“, murmelte er zu sich selbst und klopfte erneut an die Türe. Er würde sich nicht abwimmeln lassen. „Miss Wolf, machen sie die Türe auf, ich will mit ihnen reden.“

Ken hörte auf der anderen Seite der Türe, wie jemand eine Waffe durchlud. Mit einem schnellen Sprung warf er Alistair zu Boden und landete mit seinem Becken auf dem Hintern des Captains. Über den beiden Männern jagte eine Gewehrkugel durch das Holz der Türe – genau an der Stelle, an der sich Augenblicke zuvor noch Alistairs Kopf befunden hatte.

„Ta ma de!“ stieß Alistair hervor. “Runter von mir!“

Ken sprang auf und riss seine Tranter LA aus dem Holster. „Gai si chongzi!“ Bevor er weiterfluchen konnte, wurde links neben der Türe einer der Fensterläden aufgerissen und eine ältere Dame mit strengem Dutt und Schrotflinte in der Hand sah hinaus.

„Es sind zwei, Virginia!“ schrie die Frau und drückte ab. Ken wurde beinahe von den Beinen gerissen und blickte unglaubwürdig auf seinen Mantel hinab. Der Schuss hätte fast sein Leben gekostet. Allerdings brannten die vielen kleinen Löcher schmerzlich genug.

Just in diesem Augenblick sprang auch rechts ein Fensterladen auf und eine weitere ältere Dame mischte sich ein. Sie zielte mit ihrer Winchester auf Alistair. „Den hier erledige ich, Patty.“, sagte sie und drückte ab. Dank schlechtem Augenlicht verfehlte die Kugel den Captain jedoch um einige Zentimeter.

Alistair sprang auf, während Ken seine Waffe fallen ließ. „Halt, Stop, wir kommen als Freunde!“ rief der Captain panisch aus und zeigte mit dem Daumen über die Schulter. „Da hinten stehen die Colts, Freunde von den O’Tools. Hier liegt ein Missverständnis vor.“

Tatsächlich entspannte sich die Situation innerhalb weniger Sekunden. Während sich Ken selber zusammenflickte, unterhielt sich Alistair mit den resoluten und schießwütigen Damen.

„Mein Patrick befindet sich in den Händen von Muhamad Basra.“, erklärte Patty. „Basra will die Besitzurkunde unserer Farm, dann lässt er mich und meinen Mann laufen. Allerdings sollen wir Whitefall verlassen und alle sollen denken, Patrick wäre tot. Als abschreckendes Beispiel.“

„Sie haben keine Garantie, dass Basra ihren Mann nicht doch töten wird, sobald er hat, was er verlangt.“, setzte Alistair vorsichtig an. „Wo ist eigentlich die Desert Eagle von Patrick?“ Er glaubte, das sei sehr subtil gewesen.

„Die Waffe trug Patrick bei sich, als er gefangen genommen wurde. Oh, Captain Heinlein, was soll ich nur machen?“

Warum fragen eigentlich alle Leute mich, sinnierte Alistair kurz, bevor er antwortete: „Ich und meine Männer werden ihnen helfen. Wir schaffen den ganzen Kram auf mein Schiff, dann befreien wir Patrick und verlassen Whitefall, Miss.“

„Captain Heinlein, sie sind ein Engel!“

Ich bin ein Bendan! Alistair grinste dümmlich.

***

Sie hatten einen Planwagen geliehen und mit den Habseligkeiten der beiden älteren Frauen beladen. Shepherd Archer traf sie auf der Straße, hörte von den Problemen und verschob kurzerhand die Messe, was ihm niemand übel nahm. Immerhin wollten es hier einige mutige Männer dem schurkischen Basra zeigen.

Auf dem Weg zur Wind Drake zurück, fuhr der Planwagen durch ein kleines Tal. Prompt tauchten fünf Cowboys auf, Basras Männer. Ihr Anführer hieß Jeremy Jenkins und war ein verdammt harter Hund. Alistair saß alleine vorne, alle anderen befanden sich in der relativen Sicherheit der Plane. So sah nur der Captain ein kurzes Aufblitzen links in den Hügeln. Sicherlich ein Scharfschütze.

„Halt! Keinen Yard weiter, Mister! Mein Name ist Jenkins und mein Revolver ist schneller als der ihre. Sie haben was, was ich will. Keine Dummheiten, sonst liegen sie gleich alle tot im Staub.“

Ken nutzte das laute Gespräch vorne, um leise hinten rauszuklettern. Er wollte unter den Wagen kriechen und dann überraschen vorspringen, doch der Gambler bemerkte ein Aufblitzen rechts in den Hügeln. Sicherlich ein Scharfschütze. „Ta ma de!“ fluchte Ken leise und kletterte wieder zurück.

„Ich wurde von jemandem darüber informiert, dass sie im Besitz einer bestimmten Desert Eagle sind, die einiges wert ist. Ich will das gute Stück haben.“

Ken zog seine erbeutete Waffe und gab sie an Shepherd Archer weiter, der die Waffe aus dem Wagen streckte, genau über Alistairs Schulter. Sieht das doof aus, dachte der Captain. „Ist es diese Waffe?“

Einer der Cowboys stieg ab und kam nach vorne. Er nahm die Desert Eagle und gab sie an Jenkins weiter. Der besah sich die Waffe unschlüssig. „Wird es wohl sein. Einen schönen Tag noch.“ Mit diesen Worten empfahlen sich die Cowboys und ritten los.

„Woher wussten die von der Waffe, aber warum hatten sie keine Ahnung, wie viel die Colts wert sind?“ fragte Ken und Alistair zuckte nur mit den Schultern.

„Ich weiß es nicht, Ken, ich weiß es einfach nicht.“ Doch Alistair hatte eine Vermutung. Einer seiner Leute musste falsch spielen.

Kurz darauf kamen sie am Frachter an, sogar ein wenig früher als Demolition und Elaine. Die beiden waren müde und abgekämpft, immerhin hatten sie sich zu Fuß mit Elaines schweren Gepäck durch die Landschaft gekämpft.

„Ich war vorsichtig, Captain. Wir haben uns getrennt und sind links und rechts durch die Hügel. Wir haben euch sogar mit dem Wagen gesehen, uns aber nicht gezeigt, wegen den bewaffneten Cowboys. Und dann wart ihr auch schon wieder weg.“

„Kein Problem, Demolition, kein Problem. Ab ins Schiff, wir gehen jagen.“, stieß Alistair grimmig hervor.

Kurz darauf hatte Captain Alistair Heinlein seine Beute gesichtet. Jenkins und seine vier Leute hielten auf die Stadt zu, anstatt zur Northfork-Ranch zu reiten, Basras Domizil. Alistair hielt die Wind Drake auf die Cowboys zu. Die erkannten die Gefahr und wussten, dass die Pferde zu langsam waren. Also stiegen sie ab und versteckten sich zwischen den Felsen.

Ken und Archer hatten die kleine Luke im Boden des Laderaums geöffnet und mit ihren Gewehren Stellung bezogen. Während Alistair versuchte die Wind Drake ruhig zu halten und den Gegner auszumanövrieren, schossen seine Männer wild nach unten. Doch Jenkins und seine Leute waren nicht auf den Kopf gefallen. Sie waren die besten Leute Basras und entsprechend gut ausgerüstet. Mit ihren Sturmgewehren schossen sie zurück. Doch Ken und Archer ließen sich von einzelnen Streifschüssen und Fleischwunden kaum beeindrucken. Nach einer Minute hatten sie ihren Job erledigt. Niemand würde plaudern und die härtesten Jungs Basras waren tot. Eine gute Ausgangssituation …

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D20 Firefly Spielbericht 2: Lose Platten

Erstellt von Taysal am 26. Mai 2009

Während Archer seine Messe vorbereitete, machte sich Alistair mit den Colts auf den Weg zum kleinen Schrottplatz der Stadt. Immerhin brauchte er einen neuen Katalysator.

Ken McLeod nutzte die Gelegenheit, dem Saloon von Haselnut Valley einen Besuch abzustatten. Immerhin juckte es ihm in den Fingern und jemand sollte wohl auf Demolition achten, der ebenfalls in den Saloon wollte, um dort eine Kleinigkeit zu trinken. Allerdings nahm er seinen Waffenkoffer mit, was Ken ein wenig beunruhigte.

Der Saloon selbst war nur leidlich gefüllt, aber es fand ein kleines Pokerspiel statt, in dass sich Ken gerne einkaufte. Demolition nutzte die Gelegenheit, um sich in einer stillen Ecke einen großen Drink zu genehmigen.

Scheinbar eine harmlose und friedliche Situation, als die Doppeltüre aufschwang und eine aufregend schöne Frau den Saloon betrat: Elaine Harrison!

Die rassige Schönheit stammte von den Kernwelten, wo man sie als Companion ausgebildet hatte. Sie verließ den Tempel des Hauses Chanbao vor einem Jahr, um ein wenig von der Welt zu sehen. Allerdings hatte sie ihre letzte Reise auf Whitefall verschlagen und ihren Entschluss gefestigt, bei der Auswahl des nächsten Kreuzfahrschiffes klüger vorzugehen.

Elaine setzte ein charmantes Lächeln auf und wandte sich an den Barkeeper, der sie mit seinen Blicken förmlich zu verschlingen schien.

„Ni hau!“ grüßte Elaine und verwickelte den Mann in ein kurzes Gespräch, um einige Informationen herauszubekommen. Scheinbar war vor kurzem ein Schiff gelandet, es gehörte Fremden und zwei der Besatzungsmitglieder befanden sich im Saloon. Für Elaine ein Glücksfall.

Während die Companion an der Theke stand und sich unterhielt, beobachtete Demolition die Umgebung. Er sah zwei Cowboys die Treppe runterstiefeln, zwischen sich eine geknebelte Frau geklemmt, die sie ins Hinterzimmer zerrten. Die Frau war dem Waffennarr und Junkie egal, aber er spürte den Drang, mal wieder ein wenig Action zu erleben.

Also stand Demolition auf, zog seinen Koffer hinter sich her und hielt aufs Hinterzimmer zu. Einer der Cowboys hatte sich als Wache aufgebaut und stoppte ihn. „Bis hier hin und nicht weiter!“

„Ich will nur mal nach dem Rechten sehen.“, erklärte Demolition und betrachtete die Winchester des Cowboys, den seine Freunde nur Jimmy nannten.

Jimmy sah den Blick und klopfte stolz auf seine Waffe. „Fast neu, unglaublich zielsicher und ziemlich tödlich.“

Demolition nickte knapp, dann ließ er seinen langen Koffer aufschnappen und zog seine Winchester II hervor. „Stimmaktivierung, Energieleitung und erhöhte Reichweite. Ganz neu, verdammt zielsicher und garantiert tödlich.“

„Sai weng shi ma!” stieß Jimmy aus. „Sieht aus wie meine neue Waffe.“, sagte er lässig und richtete sein Gewehr auf Demolitions Kopf.

Ken hatte die Situation aus dem Augenwinkel bemerkt, schnell die Partie beendet und gab den Verlierern eine Runde Reiswein aus. Er schob seinen Stuhl zurück und ging nun ebenfalls Richtung Hinterzimmer. Dabei knöpfte er seinen braunen Ledermantel auf, um schneller an seinen Tranter LA zu kommen, einen der modernsten Revolver der Kernwelten. „Ni hau! Gibt es Probleme?“

Jimmy sah sich nun mit zwei Leuten konfrontiert und klopfte mit dem Fuß an die Türe. „Frank, komm mal her!“

Die Türe wurde aufgezogen und ein weiterer Cowboy erschien, in der Hand einen schweren Parker Swift Revolver. „Was ist los?“

„Ihr Freund bedroht meinen Freund mit dem Gewehr. Wir können die Sache doch friedlich lösen, oder?“

Frank dachte kurz nach, dann nickte er. „Shi ah. Jimmy, lass die Leute in Ruhe.“

Ken machte ein entsprechendes Zeichen zu Demolition, der sich zwar auf ein Feuergefecht gefreut hatte, es nun aber dabei beließ, einfach seine Sonnenbrille einzuschalten. „Peace“, besagte die bunte Laufschrift auf seinen Augengläsern.

Ken und er gingen zu einem der freien Tische. „Ta ma de, Demolition. Reiß dich zusammen, wir wollen keinen Ärger in der Stadt.“

„Shiny, Mann, alles Shiny.“, beteuerte der Junkie und ließ sich auf den Stuhl fallen. „Trink ich mir einen, rauch ich mir einen. Alles kein Problem.“

„Hoffentlich.“, ermahnte ihn Ken und wandte sich dann der Theke zu. Er hatte Elaine bemerkt und fragte sich, was solch eine Orchidee inmitten der Wüste verloren hatte. Als er sich lässig an die Theke lehnte und die fremde Schöne betrachtete, war diese inmitten eines Gesprächs.

„Und sie wollen nichts unternehmen, um ihre Chefin zu retten?“ fragte Elaine gerade schockiert.

„Doch, ich habe einen unserer Jungs geschickt, damit er den Sheriff holt. Immerhin wird der dafür bezahlt, um sich mit den Kellys auseinander zu setzen, Miss.“

„Ist das der Junge?“ fragte Ken und zeigte auf einen jungen Mann, der blass den Saloon betrat und auf die Theke zuhielt. Sein Atem roch säuerlich nach Erbrochenem. „Ni hau, meine Liebe. Ken McLeod mein Name.“, stellte sich der passionierte Gambler bei der Gelegenheit vor.

Elaine nickte damenhaft. „Elaine Harrison. Wie ich hörte sind sie Mitglied einer Frachtermannschaft?“

„Tot, der Sheriff ist tot.“, stieß der junge Mann hervor. „Und die Gefangenen sind weg.“

„Oh, vielleicht sollten sie Miss Harper doch helfen.“, schlug Elaine dem Barkeeper vor.

„Sicher haben sie eine Waffe versteckt und die Leute hier werden ihnen ebenfalls beistehen.“, sagte Ken und sah, wie sich plötzlich alle aus dem Staub machten. Nur Elaine, Demolition und er waren übrig.

„Das kommt mir bekannt vor.“, stieß er leise aus und warf einen Blick zu Demolition. Der sah gerade auf, als er die Schmerzschreie aus dem Hinterzimmer vernahm. „Nun, damit wird es doch zu unserer Angelegenheit.“

„Lassen sie sich nicht aufhalten, Mister.“, sagte Elaine lächelnd. „Nur zu, retten sie eine Lady aus der Not.“

Gemeinsam mit Demolition machte sich Ken auf den Weg nach hinten, wo Jimmy die beiden dumm ansah. „Stop!“ rief der Cowboy aus.

„Wir wollten uns nur wegen eben entschuldigen und ihnen eins ausgeben, Mister. Auf das Wohl der Lady da vorne. Sie wollen die junge Frau doch nicht beleidigen?“

Jimmy guckte verwirrt, dann grinste er dümmlich. Immerhin waren sie die Herrn im Hause. „Gai si, natürlich nicht.“

Eine Minute später leerte Jimmy bereits ein Glas nach dem Anderen, zog mehrmals an einem von Demolitions Joints und sank selig zu Boden.

„Ging doch ganz ohne Gewalt, mein Freund.“ Ken grinste breit, dann stellte er sich neben die Türe zum Hinterzimmer und klopfte an.

Demolition hielt seine Winchster II bereit und als die Türe geöffnet wurde, schoss er Frank ein Loch in die Brust. Er und Ken warfen nun zwei Tische um, um dahinter Deckung zu finden. Leider waren die Tischplatten nur aufgelegt und fielen um - zao gao!

Ohne abzuwarten huschten die beiden Männer neben die Türe, um in den toten Winkel zu gelangen. Ken hörte wie im Hinterzimmer ebenfalls ein Tisch umgeworfen wurde und jemand fluchte. Die Cowboys hatten also auch lose Platten.

Elaine erkannte, dass Demolition und Ken wohl einen Spiegel brauchten, um in den Raum zu spionieren. Da sie keinen zur Hand hatte, warf sie eine volle Flasche gegen den großen Wandspiegel hinter der Theke, um an eine Scherbe zu gelangen. Der Spiegel zerbarst und gab eine Öffnung ins Hinterzimmer frei. Elaine war beinahe genauso überrascht wie die beiden Cowboys, die sich ihres Vorteils beraubt sahen.

Einer von ihnen sprang durch die Öffnung in den Schankraum hinein. „Halt dich da raus, Kleine!“ stieß er heißer hervor und schoss auf Ken. Glücklicherweise bohrte sich die Kugel nur in den Boden. Der Gambler machte eine Rolle nach vorne, tauchte unmittelbar vor dem Cowboy auf und ließ seinen Derringer aus dem Ärmel springen. Er traf den Mann zwar, doch hielt der dem Betäubungsschuss stand.

Elaine griff nun ebenfalls zu ihrem Derringer und versuchte den Cowboy zu bedrohen, doch der schlug ihr den Knauf seiner Waffe ins Gesicht. Blut spritzte und Elaine schrie vor Schmerz auf. So hatte sie sich das Abenteuer kaum vorgestellt.

„Man schlägt keine Lady.“, erklärte Ken salopp, nutzte die kleine Ablenkung und jagte dem Mann zwei Kugeln in die Brust. Dann drehte er seinen Kopf nach links und sah ins Hinterzimmer hinein. Demolition hatte einen Weg gefunden, seinen Gegner doch noch vor die Winchester II zu bekommen.

Der Waffenhippie war einfach losgegangen, hatte einen Treffer eingesteckt und mehrmals zurückgeschossen. Drei von vier Kugeln hatten den letzten der Gauner durchlöchert, doch eine blaue Bohne steckte im Oberkörper der Gefangenen, die von den feigen Cowboys als Deckung benutzt worden war.

Ken setzte durch die Öffnung in der Wand. „Meine Arzttasche!“ rief er zu Elaine, die nach unten griff und die kleine Ledertasche hinterher warf.

Die Wunde sah, zum Glück, schlimmer aus, als sie es tatsächlich war. Schon bald kam die Saloonbesitzerin zu sich und stellte sich als Tara Harper vor.

„Haben sie vielen Dank, sie drei haben mein Leben gerettet und sich damit Drinks auf Lebenszeit verdient. Die Kellybande war hinter dem Claim meines Vaters her, um sie Muhamad Basra zuzuschanzen. Doch dank ihnen, wird sich dieser Landbaron die Miene von Daddy nicht unter den Nagel reißen können.“

„Sie Arme, wo ist denn ihr Vater?“ fragte Elaine mitfühlend und Tara blickte traurig zu Boden.

„Er hat in dieser verdammten Miene sein Leben gelassen, sie wurde zu seinem Grab. Verstehen sie, ich kann doch nicht einfach Daddys Grab verkaufen.“

Ken nickte verständnisvoll. „Natürlich nicht. Wir haben ihnen da gerne weitergeholfen. Vielleicht können sie sich ja revanchieren. Wir sind auf der Suche nach Patrick O’Tool, einem Farmer aus der Gegend. Kennen sie ihn?“

Tara blickte seufzend zu Boden. „Die O’Tools sind eine der Familien, die ebenfalls Probleme mit Basra haben. Sie finden Patricks Witwe bei der alten Virginia Wolf, sie ist dort erst mal untergekommen.“ Mit diesen Worten zog sie eine Pistole unter der Theke hervor, beugte sich nach vorne über jagte dem bewusstlosen Cowboy eine Kugeln in den Kopf.

Gai si, dachte Ken McLeod nur …

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D20 Firefly Spielbericht 1: Es ist wie es ist …

Erstellt von Taysal am 26. Mai 2009

Im Mai 2007 habe ich eine kleine D20-Firefly-Kampagne geleitet. Basis war dabei die gleichnamige Serie, der dazugehörige Spielfilm “Serenity”, “D20 Modern” und “D20 Future”. Angeheizt vom Konsum der ersten und einzigen Staffel und dem Genuss des Films (”Wie ein Blatt im Wind …” - schnief) ging es ja dann auch prompt los:

Es ist wie es ist …!

An einem der typisch rauen und düsteren Tage auf Nightside, saß Captain Alistair Heinlein im Saloon von Arcadia und genehmigte sich mit seinem letzten Credit einen letzten Drink. Sein neues Schiff, die „Wind Drake“, ein Schleppfrachter der Firefly-Klasse, hatte Alistairs Reserven aufgefressen, aber das Schiff gehörte nun ihm und würde ihn sicher in die Luft bringen – vorausgesetzt Alistair fände eine Crew. Denn die fehlte ihm noch.

Die Menschen im Saloon waren das übliche Spektrum an heruntergekommenen Subjekten, die man an einem Ort wie diesen erwartete: Reisende beim Mittagessen, Einheimische beim besaufen und Spieler, die ihren letzten Credit bei einer Partie Poker verloren.

Einer dieser Spieler war Ken McLeod, der gerade dabei war eine große Summe zu gewinnen. Er ließ das Spiel niemals aus den Augen, noch nicht einmal, als drei bewaffnete Männer polternd den Saloon betraten.

Der kleinste von ihnen, Timmy Tupper, war der Anführer. Er hielt einen Steckbrief in der Hand und sah sich um. Hinter ihm stand ein Asiate und ein Farbiger, beide mit Schießprügeln in den Händen: Kopfgeldjäger. Ihre Namen lauteten Fei Lubao und James Jonson.

Timmy sah sich nur kurz um, dann ging er los. „Dick Colt, im Namen der Allianz verhafte ich sie wegen Waffenschmuggel im Vereinigungskrieg!“ Der kleine Mann hielt auf ein nett wirkendes, älteres Pärchen zu: Dick Colt und seine Frau Daisy.

Alistair kannte den Namen Dick Colt. Der Mann hatte im Vereinigungskrieg die Browncoats mit Waffen beliefert und sich einige Feinde unter den Feds gemacht. Geschichten erzählten davon, dass er eine letzte große Lieferung nicht mehr zustellen konnte und diese dann irgendwo auf einer der Randwelten versteckte. Diese Lieferung nannte man Dick Colt’s Schatz.

Mit einer beiläufigen und verdammt unauffälligen Bewegung schob Alistair Timmy einen Stuhl in den Weg. Der Kopfgeldjäger kam ins Stolpern und fiel auf die Nase. Blut lief ihm übers Kinn und der Steckbrief rutschte aus der Hand. Während Fei seine Schrotflinte auf die Colts anlegte, nahm James Alistair ins Visier, der sich nach dem Steckbrief bückte und einen Blick auf die Belohnung warf: Eine Millionen Credits.

„Sie haben was verloren, Mister.“, sagte Alistair und reichte Timmy den Steckbrief. Der knurrte wütend ein „Gai si“ hervor.

„Halt dich da raus, Mann!“

„Hey, ich habe nichts gemacht, Ich habe ihnen nur geholfen.“, erklärte Alistair unschuldig. „Kein Grund für Streitigkeiten.“

In diesem Moment beendete Ken seine Pokerpartie und strich grinsend den Pott ein. „Eine Runde Reiswein für alle auf meine Rechnung!“ rief er in den Saloon hinein und die Besucher des Ladens nutzten die willkommene Gelegenheit, unauffällig aus der Schusslinie zu verschwinden und am Tresen Deckung und einen kostenloses Drink zu finden. Niemand wollte Ärger, aber Kopfgeldjäger bedeuteten genau das: Ärger!

Nur Ken, Alistair und der berauschte Demolition Stonded waren auf ihren Plätzen geblieben, bildeten ein Dreieck, mit den Colts und ihren Häschern im Zentrum. Fei Lubao lehnte gerade seine Schrotflinte an den Tisch und legte Dick Colt Handschellen an, nach dem er den alten Mann entwaffnet hatte.

Alistair kannte die beiden anderen Kerle an den Tischen nicht, aber die Feds und ihre Handlanger waren ihm zuwider. Er nutzte die Gelegenheit, stieß seinen Tisch um und war froh, dass die Platte festgeschraubt war, statt nur locker aufzuliegen.

Mit einer eleganten Bewegung zog er seinen Revolver und gab einen Schuss in Richtung Timmy ab. Der warf ebenfalls einen Tisch um und ging dahinter in Deckung. „Fei von links und James von Rechts!“ rief er und schoss zurück. Blaue Bohnen füllten den bisher leeren Luftraum des Saloons – allerdings ohne nennenswerten Schaden anzurichten.

Der Lärm und ein Querschläger rissen jedenfalls Demolition aus seinem Drogenrausch. Der junge Waffenhippie blickt mit trübem Blick auf. „Was …?“ Eine weitere Kugel jagte an ihm vorbei und ins kaputte Elektropiano hinein, was nun zu spielen begann. „Nicht meine Einrichtung!“ jammerte jemand hinter der Theke.

Demolition griff nach unten und holte seine Winchester nach oben. Für ihn war die Sache klar: Drei bewaffnete Männer vergriffen sich an zwei netten Senioren und waren von irgendjemandem unter Beschuss genommen worden. Für den Gelegenheitsdealer und Waffenkenner kein Problem. Er legte kurz an und jagte Fei eine Kugel in die Brust. Der Kopfgeldjäger wurde von Dick Colt weggerissen und flog tot einen Schritt zur Seite.

Auch Ken beschloss nun in den Kampf einzugreifen. Weniger weil er wusste worum es ging, als vielmehr deswegen, weil er ebenfalls einen Groll gegen die Feds hegte. Außerdem hatte James seinen Pokertisch zur Deckung erklärt und wandte Ken den Rücken zu.

Der Spieler ließ seinen Derringer aus dem Ärmel schnappen und gab einen Betäubungsschuss ab. Im letzten Moment bemerkte James die Gefahr und duckte sich weg.

Timmy erkannte, dass die Situation zu kippen drohte. Er pumpte einige Kugeln in Demolition und ging dann in der Hocke, den Tisch immer mit sich ziehend, Richtung Ausgang zurück. Dabei wurden die Fenster zur Straße hin durch Fehlschüsse hinweggefegt, was hinter der Theke weiteres Gejammere auslöste: „Und auch nicht die Fassade und Fenster!“

Alistar ließ sich davon kaum ablenken. Er sah wie Demolition bewusstlos vom Stuhl fiel und Ken James hinterher ging, der sich mit seinem Tisch als Deckung im Kreis drehte, um dem Spieler und dessen Derringer zu entgehen. Ken verlor allerdings die Lust auf weitere Spiele, setzte über den Tisch und forderte James auf, sich zu ergeben. Der warf einen Blick auf seinen flüchtenden Boss und ließ sein Sturmgewehr fallen: „Ai ya, wo mun wan leh!“

Just in diesem Augenblick schob sich Timmy durch die Saloontüre nach draußen. Von hier aus war Flucht nur ein Kinderspiel, doch Alistair sah die Sache anders. Er hatte die Nase voll von weiteren Komplikationen und sprang durchs kaputte Fenster hinterher. Nun standen sich beide Männer gegenüber – ohne das ein Tisch den Dialog der Waffen störte.

Einen Augenblick später humpelte Alistair in den Saloon zurück. „Wir müssen verschwinden, die Polizei ist unterwegs.“

Die Colts nickten dankbar. Alistair ging auf James zu, ignorierte dessen Drohungen und jagte ihm eine Kugel durch den Kopf. Er und Ken schnappten sich den schwer verletzten Demolition, Daisy Colt dessen Ausrüstung und dann liefen sie los. „Viel Spaß mit den Sachen der Jungs!“ rief Ken noch in den Saloon. In dieser Gegend wurden Tote verdammt schnell geplündert.

„Ich habe ein Schiff außerhalb von Arcadia.“, erklärte Alistair während dem Laufen. „Damit können wir von dem Mond runter.“

„Moment, meine Waffe!“ stieß Dick Colt schnaufend hervor. „Das Schlitzauge hat sie mir abgenommen. Darauf befindet sich der Zugangscode zu meinem Schatz.“

Ken und Alistair warfen sich einen kurzen Blick zu, dann rannte der Gambler zurück in die Stadt, während die anderen nun alleine auf das Schiff zuhielten: Alistairs Firefly, die Wind Drake.

Ken stolperte in den Saloon zurück und sah sofort, das die Leichen bereits geplündert waren. Das ging aber fix, dachte er sich. „Wer hat die Pistole vom Asiaten? Ich brauch sie zurück.“

Niemand antwortete also zog er seine Waffen. „Ich warte.“ Ken hörte bereits, wie sich die Sirenen näherten. „Also?“

Wenige Sekunden später hatte er die Waffe in seinem Besitz und spurtete los. „Sie sind hinten raus!“ hörte er jemanden rufen und dann Schritte die ihm folgten. Hoffentlich hatte Alistair bereits die Maschinen angeworfen.

Der hatte jedoch ein anderes Problem, denn als er sein Schiff öffnete und die Rampe hinauflief, entdeckte er einen Mann im ansonsten leeren Laderaum, der auf der Treppe saß und ein Brötchen verspeiste: Ein Shepherd!

„Gott zum Gruße!“ empfahl sich Shepherd Archer. „Die Türe stand auf und ich …“

„Klappe!“ kam es trocken zurück, gefolgt von einem Schuss ins Bein und einem Schlag gegen die Schläfe. Archer ging bewusstlos zu Boden. „Gut fesseln!“ befahl Alistair und schoss Dick Colts Handschellen auf, bevor er auf die Brücke rannte. Durch die Cockpitscheibe sah er bereits Ken aufs Schiff zulaufen.

Zeit für einen Notstart, dachte sich Alistair und legte einige der Kippschalter um. Die Wind Drake lief langsam röhrend an, mit Betonung auf langsam.

„Ta ma de!“ fluchte Alistair und wechselte auf den Sitz des Copiloten. Er konnte diese Firefly zwar fliegen, aber kurz über lang brauchte er einen echten Piloten. Glücklicherweise heizten die Düsen durch, während Ken – unter Beschuss seiner Verfolger – die Laderampe hochlief und  hinter sich verschloss.

Alistair zog den Frachter nach oben, was seine Gäste ein wenig aus der Balance brachte, dann jagte er hinaus in den Weltraum. Ken warf einen Blick auf Demolition und übernahm das Kommando: „Auf die Krankenstation mit ihm!“

Die beiden Colts halfen ihm dabei und gemeinsam trugen sie den schwer verletzten Mann nach hinten. Ken kannte sich aus, war er doch einige Jahre als Arzt tätig gewesen. Er entfernte die Kugeln,  nähte Demolition zusammen und verpasste ihm eine Spritze. Langsam kam der Mann wieder zu sich. „Wo sind meine Joints und Waffen?“ war seine erste Frage.

Derweil kam Shepherd Archer ebenfalls zu sich, schüttelte den Kopf und wandte sich erst einmal aus den Fesseln. Zugegeben, er hatte den Sicherheitscode der Wind Drake geknackt, um an Bord zu kommen, aber dem Boten des Herrn sollten schließlich alle Türen offen stehen. Gelassen verband er sein Bein, nahm sich seine Bibel und begann darin zu lesen. Es würde sich schon alles fügen.

Alistair programmierte einen Kurs unter Radar, was die Flugzeit aus dem Planetensystem verzehnfachen würde, aber er wollte sichergehen, dass ihn niemand beim Verlassen von Athens erwischte. Dann machte er sich auf den Weg zur Krankenstation.

Mit geschultem Blick sah Ken, dass Alistair ebenfalls verletzt war und flickte den Durchschuss mit ein wenig Fleischkleber. Alistair nickte anerkennend. „Sie können das gut. Schon mal daran gedacht irgendwo als Arzt anzuheuern?“

Als Demolition erwähnte, dass er sich mit Maschinen auskenne, hatte Alistair seine kleine Crew zusammen. „Shiny.“, sagte er grinsend. Doch nun waren andere Dinge wichtiger: „Wir müssen nach unserem Gefangenen sehen.“

Die kleine Crew ging in den fast vollkommen leeren Laderaum und sofort zogen alle ihre Waffen. Der Shepherd sah lächelnd auf. „Oh, hallo!“

Es folgte eine kurze Diskussion über Gott, die Planeten und einen eventuellen Rauswurf im All, doch mit einem „Ihr Katalysator hört sich schlimm an, Captain“ bewies Archer, dass er auch mehr konnte als beten.

Demolition ging in den Laderaum zurück, zog an seinem Joint und steckte den Katalysator fest in die Halterung zurück. Der allgemeine Zustand des Schiffes erschreckte ihn fast.

„Der Shepherd hatte recht. Aber das Ding hält noch einen Monat. Dann muss es spätestens ausgetauscht werden.“

„Dafür haben wir dich, reparier es.“, meinte Alistair, doch Demolition schüttelte den Kopf.

„Kaputt ist kaputt, wir brauchen einen neuen Katalysator.“

„Wir brauchen Geld, bevor wir einen neuen Katalysator kaufen können.“

„Nun, vielleicht könnte ich da was vorschlagen.“, mischte sich Dick Colt lächelnd ein. „Wir könnten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

***

Sie hatten sich in die Küche zurückgezogen. Der Shpeherd zauberte sich aus Proteinen und Brandy eine Suppe, während alle Dick Colts Vorschlag lauschten.

„Nun, die Kopfgeldjäger haben mich nur erwischt, weil mir meine Reserven ausgingen und ich deswegen mein Versteck verlassen musste. Ich wollte ein Schiff suchen und meinen Schatz bergen. Von dem haben sie sicherlich schon gehört. Er ist viele Millionen Platinum wert.“, erklärte Dick Colt.

„Da sie mir bereits geholfen haben und ein Schiff besitzen, Captain Heinlein, biete ich ihnen an, in das Geschäft einzusteigen. Sie würden satte zehn Prozent bekommen.“

Alistair schüttelte den Kopf. „Wir würden unseren Kopf riskieren, mein Schiff aufs Spiel setzen und sie sind immerhin ein gesuchter Mann. Zehn Prozent sind zu wenig, da bekomme ich ja mehr, wenn ich sie ausliefere.“

Colt nickte und nach einigen zähen Verhandlungsminuten einigten sich Alistair und er auf dreißig Prozent.

„Gut, Captain, dann sollten sie jetzt den Kurs ändern. Ich bin nämlich deswegen im System, weil ich auf Whitefall einen alten Kumpel treffen will: Patrick O’Tool. Er hat eine kleine Farm in der Nähe von Haselnut Valley und ist im Besitz der anderen Hälfte des Codes.“

Ken runzelte die Stirn. „Wird er nicht auch einen Anteil am Schatz haben wollen?“

„Nein, Patrick ist mit dem Farmerleben zufrieden. Er ist froh, dass er nach dem Krieg mit heiler Haut davongekommen ist. Der Waffenhandel war nie sein Ding.“

„Shiny.“, sagte Alistair. “Dann ändere ich mal den Kurs. Wir dürften Whitefall in etwas mehr als zwölf Stunden erreichen. In der Zwischenzeit weise ich ihnen alle Quartiere zu – die können sie dann auch gleich aufräumen.“

***

Alistair landete mit der Wind Drake zwei Kilometer von Haselnut Valley entfernt. Er wusste zwar, dass man sie von der Stadt aus gesehen hatte, aber ohne Bodenfahrzeug oder Reittier wollte er so nah wie möglich landen, ohne gleich die Stadtgrenze zu treffen und eine genaue Positionsangabe zu machen. Er fand, es war ein guter Kompromiss.

Die Crew schloss die Türe hinter sich und ging los. Nach zehn Minuten hörten sie bereits Hufgetrappel. Das Empfangskomitee traf ein.

Es waren vier Cowboys auf mageren Pferden, die um die Ecke kamen. Ihre Hände lagen locker auf den Revolvern und an den Sätteln baumelten Gewehre. Einer von ihnen übernahm das Reden: „Stop! Wer seid ihr?“

Alistair zeigte auf sich und seine Leute. „Friedliche Reisende die nichts Böses planen. Wir wollen nur in die Stadt, ein wenig einkaufen.“

Die Cowboys begutachteten die Fremden misstrauisch. „Wer sagt uns denn, dass ihr nicht von den Connors angeheuert worden seid, um in Haselnut Valley herumzuschnüffeln?“

Alistair hatte von den Connors gehört. Die Familie versuchte bereits, seit Jahren, die Macht auf Whitefall zu übernehmen. Patience Connor hätte es vor einigen Monaten beinahe geschafft, doch dann war sie von Ganoven erschossen worden. Seit dem führte ihre Tochter Roseanne die Familie an.

„Könnten die Connors nicht einfach jemanden unauffällig übers Land schicken, als für alle sichtbar mit ’nem Frachter zu landen?“

„Ja, klingt logisch.“

„Die Wege des Herrn sind unergründlich.“, mischte sich nun Archer ein. „Habt ihr denn einen Shepherd in eurer kleinen Stadt?“

Die Cowboys sahen sich kurz an, dann schüttelten sie den Kopf. „Nein. Bis dann!“ Sie wendeten ihre Pferde und galoppierten zurück.

„Nette Leute.“, sagte Ken nur.

***

In Haselnut Valley angekommen, stromerte die Crew erst einmal unauffällig durch die Straßen. Man hatte ihr Kommen bereits angekündigt und die Leute warfen misstrauische Blicke auf Alistair und seine Mannschaft.

Archer ließen sich davon kaum beirren und begann mit einer der Frauen ein Gespräch. Da es derzeit keinen Shepherd in der Stadt gab, bot er an eine Messe zu lesen, was die Einwohner besonders erfreute. Sie waren dermaßen entzückt über Archers Angebot, dass sie nach der Messe eine kleine Feier abhalten wollten und ihr Misstrauen dem Shepherd gegenüber fallen ließen.

Dieser nutzte die Gelegenheit beim Schopfe, um einige Erkundigungen einzuziehen. „Hattet ihr hier in letzter Zeit Probleme?“

Eine der Frauen nickte betrübt. „Ja, einige der Farmer haben Schicksalsschläge erlitten. Vor allem die Familie O’Tool hat es schwer getroffen. Ich möchte lieber nicht darüber reden.“

„Das verstehe ich. Dann sagt mir doch bitte, warum ihr hier keinen Shepherd habt. Es scheint doch eine nette Gemeinde zu sein.“

„Der letzte Shepherd verstarb leider an einer plötzlichen Bleivergiftung.“, war die Antwort, gefolgt von einem dezenten Blick zu Boden.

Gai si, dachte Archer nur …

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TF-Missionsbericht (05) - Wolf im Mutantenpelz

Erstellt von Taysal am 22. Mai 2009

Das Team Z5-1 hatte sich also erst einmal zwei Tage Ruhe und Erholung verdient, bevor es zu nächsten Mission ging. Während die Meisten ein wenig ausspannten und sich um ihre Familien kümmerten, ging Professor Langbaum seinen Studien nach und übte sich Major Strow im Bau von Bomben. Major Herschel hatte es weniger gut, er musste alleine in seinem Quartier herumhängen. Nur wenige durften ihn als Mutant sehen - offiziell galt er ja als tot.

Nach der kleinen Verschnaufspause wurden die neuen Missionen ausgeteilt: Missionen Pipeline und Mission Kanonenschlag - Zerstören des Treibstofflagers und Zerstörung der Waffenfabrik. Das Problem: Keiner kannte den genauen Standort. Also machten sich Langbaum Lengel und Strow auf den Weg, um die gefangene Ghulin Olga zu verhören. Olga zeigte sich auch kooperativ, war sie doch verängstigt und deswegen zu allem bereit. Allerdings kannte sie ebenfalls keinen der gesuchten Standorte, wusste jedoch, dass die Trike-Patrouillen ihren Stützpunkt in der Fabrik hatten. Also ging es erst einmal in Richtung Camp Aral, um von dort aus der Patrouille aufzulauern.

Ganz neugierige können hier sämtliche neuen Missionen und die dazugehörigen Programme herunterladen, um vor allem die spätere Dramatik um Herschels Person zu verstehen: Missionen die Zweite!

Am Camp angekommen wurde das Team von Durstig erst einmal herzlich willkommen geheißen. Auch Z5-2 war anwesend, sie hatten in den letzten Tagen den Panzer ausgegraben und machten nun bereitwillig Platz, damit das Gefährt untersucht werden konnte. Doch erst einmal musste der Sicherheitscode der Konsole geknackt werden, was auch knapp geschafft wurde.

An dieser Stelle brachte ich ein “Mini-Spiel” ein, wie es auch aus dem Computer-Spiel bekannt ist. Die Spieler mussten, in guter alter Galgenmännchenmanier, den Code selber knacken. Durch Fertigkeitsproben konnte man aber Hinweise erhalten. Ein gelungener Wurf brachte die genaue Anzahl der Buchstaben zutage, jeder Wirkungsgrad bedeutete eine Buchstabenposition, die ich dann offenbarte. Das macht die Sache einfacher, aber es bleiben dennoch Lücken. Der Zugangscode für den Panzer lautete SESAM-ALPHA. Der Bindestrich stellt dabei eine kleine Gemeinheit dar (bei so vielen Buchstaben sollte niemand auf ihn kommen), aber genau der wurde offengelegt.

Strow und Langbaum kletterten ins Innere, Herschel und Lengel zogen sich erst einmal zurück und harrten der Dinge, die da kamen. Und die kamen auch, kaum hatte Strow den Panzer in Gang gesetzt. Bereits im Vorfeld war aufgefallen, dass der Panzer keine zwanzig Jahre alt sein konnte - ein Mysterium. Als die Maschinen anliefen, lief auch der Reaktor an. Den Reaktor hatte Fachmann Herschel bei seiner ersten Inspektion glatt übersehen. So ahnte auch niemand etwas von dem Reaktorleck, bis der Geigerzähler Lengels schnell steigende Werte anzeigte. Strow schaltete die Systeme ab und erst einmal wurde der Panzer verlassen. Nun zahlte es sich erneut aus, einen zwar alten, aber erstklassigen Mediziner bei sich zu haben.

Die Strahlenschäden wurden erst einmal behandelt, dann bekam Herschel eine ordentliche Portion RAD-X gespritzt. Leider erwies sich der Major als inkompetent und so musste Genetiker Langbaum ausrücken, um sich die Sache anzusehen. Mit genug RAD-X im Körper und Herschels Schutzanzug ging es also los. Langbaum knackte den Code des Computers (START) und lies ein Diagnoseprogramm laufen. Aha, der Reaktor hatte ein Leck - wie vermutet - und man konnte ihn sogar auswerfen. Außerdem stellte Langbaum noch eine Audiodatei sicher. Zwar hatte jemand versucht die Daten zu löschen, aber ein erfahrener Genetiker kann fast alles.  So fand Lengel auch heraus, dass der Hybridpanzer zuletzt in Zuflucht 6 Halt gemacht hatte. Jetzt hieß es erst einmal Panzer aus und Strow ans Steuer lassen.

Das Audiofile hatte ich dann auch als MP3 auf meinem Player mit (da werden Erinnerungen an Earouts auf Kassette wach). Zum Glück habe ich genug Filme, um mir da was passendes herauszuschneiden und neu zusammenzusetzen. Audacity eignet sich hervorragend. Und hier die Abschrift, denn online stelle ich das MP3 wegen dem Copyright auf keinen Fall: “Das sind nur ein paar von den Bildern die aufgezeichnet wurden … Und sie können erkennen, es gab hier keinen Krieg … Es ist nicht das was wir dachten … Die Umwelt ist stabil … Hm …”

Die Majorin fuhr den Panzer ein Stück aus dem Loch, so dass er schräg stand, und warf den Reaktor aus. Das Ding plumpste fünf Meter weiter in den Sand. Na ja, das hatte sich das Team doch etwas anders vorgestellt. Glücklicherweise besaßen Durstig und seine Leute Schutzanzüge, Blei und Schaufeln. Keine optimale Lösung, aber eine Lösung.

Der Hybridpanzer wurde erst einmal ins Camp Aral gefahren und dann handelte das Team Z5-1 einen guten Preis für den alten, offenen Geländewagen aus. Immerhin hatte man genug Diesel aus dem Panzer gepumpt und konnte nun ein kleines Fahrzeug damit antreiben. Die Zeit der Fußgänger war also erst einmal beendet. Doktor Doktor Lengel beschloss die Eingrabungsarbeiten zu beobachten und die Strahlungsschäden der Arbeiter zu behandeln. Glücklicherweise rückte Brigandier Würstli nach und so setzte sich erneut ein Quartett in Bewegung, um die Zukunft von Zuflucht 5 zu sichern …

(…) Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen, wenn wir durch das Ödland düsen, wir sind die Coolsten, nie am loosen, weil wir rulen, wenn wir cruisen (…)

Prompt verirrte sich das Team im Ödland. Dank eines glücklichen Zufalls, kamen sie schlussendlich doch am Ziel heraus. Selbst der Spielleiter war über so viel Glück erstaunt.

Während nun Würstli und Lengel hinter einem Hügel den Wagen versteckten und sich aufs Beobachten der Gegend konzentrierten, machten sich Strow und Herschel auf, um die Gegend auszukundschaften. Prompt liefen sie einer bewaffneten Patrouille in die Hände. Doch Major Garneth Herschel blieb gelassen, in seinem Kopf hatte sich ein Plan verfestigt, den er in die Tat umsetzte. Er gab sich einfach als Reisender Mutant Garneth aus, der aus dem Norden stammte und sich seine Patronen mit kleinen Aufträgen und ein wenig Handel verdiente. Die Wachen beschlossen also erst einmal, die beiden “Gefangenen” ihrer Chefin Lucy vorzustellen.

Bei der handelte es sich um eine sogenannte Vampirin. Lucy war sehr freundlich und nett, plauderte gerne über das Lagerleben und erzählte, man würde sich auf Jack freuen, der in wenigen Tagen eintreffen sollte. Dann würde man zuschlagen und es den Normalos heimzahlen, hatten diese doch den Krieg eröffnet und vor einigen Jahren Jacks Frau hingerichtet, die als Unterhändlerin unterwegs war. Lucy war jedoch wegen Julie Strow misstrauisch, immerhin trug sie noch die typische Militärbekleidung aus Zuflucht 5, mit den Emblemen, Etiketten und Rangabzeichen. Doch die Majorin hatte sofort eine kluge Ausrede parat: “Ich habe jemanden umgelegt und seine Sachen gestohlen. Deswegen kann ich auch nicht zurück.”

Kaum war das Misstrauen beseitigt und es wurde dunkel, brach Lagerfeuerromantik im der Fabrik aus. Die “Fabrik” war nichts anderes, als die Überbleibsel einer alten Fabrikationsanlage, um die herum aus den alten Steinen neuere Gebäude errichtet worden waren. Herschel und Strow - die sich ganz devot gab - bekamen eine ordentliche Mahlzeit, zwei saubere Betten und wurden freundlich in die Gemeinschaft aufgenommen.

Eine der Frauen sprach sogar Herschel an, ob er nicht ihren Mann Ernesto getroffen hätte, der im Norden das Kommando über eine Gruppe Mutanten hat. Nun, Würstli hätte mit einer Zinnfigur und einer Karte sehr gut erklären können, wie gut Herschel Ernesto getroffen hatte, doch der Major schüttelte nur den Kopf. Die Ghulin zeigte Herschel noch stolz ihr Baby - das einer lachenden rohen Hackfleischmasse mit hellen blauen Augen glich - dann zog sie sich zurück. Dafür tauchte ein kleiner Frankensteinmutant namens Vittorio auf (vielleicht vier oder fünf Jahre) und fragte, ob Herschel nicht sein Vater sei. Der Major verneinte, trotzdem blieb Vittorio bei ihm und löcherte Herschel mit Fragen, bis der Kleine ins Bett musste.

Herschel und Strow suchten sich nun ein ruhiges Plätzchen, während im Hintergrund die Mutanten am Lagerfeuer leise traurige Lieder sangen. Der Plan sah nun vor eine Packung C4 mit einem Fernzünder auszustatten, die Bombe im Munitionslager unterzubringen und dann - auf der Flucht - zu zünden. Alles musste gut abgestimmt sein, immerhin hatte der Zünder nur eine sehr begrenzte Reichweite.

Früh am nächsten Morgen wurde Herschel von seinem neuen Freund Vittorio geweckt. Der Kleine hatte das Frühstück zubereitet und ans Bett gebracht. Herschel nutzte die Situation und schenkte Vittorio seine Sonnenbrille, nun war der kleine Frankenstein vollends auf Seiten des Majors. Und wie sich später herausstellte, arbeitete Vittorio in der Munitionsfabrik - so wie alle Mutantenkinder. Unter einem Vorwand gelang es Herschel und Strow dann auch, in die Fabrik Einlass zu bekommen.

Stolz zeigte Vittorio seinem Freund die Fabrik und seinen Arbeitsplatz. Er polierte sogar eine der Hülsen besonders schön und schenkte sie Herschel als Glücksbringer. Der zeigte sich gerührt und schenkte Vittorio wiederum den Sprengstoff mit dem Zünder, den der Kleine sicherheitshalber im Dynamitlagerraum verstecken sollte, damit man ihm das Geschenk nicht abnehmen würde. Ein Geheimnis unter Freunden sozusagen. Vittorio tat natürlich, was sein neuer bester Freund verlangte.

So weit lief also alles nach Plan. Als nächstes sahen sich Strow und Herschel die Trikes an. In einem unbeobachteten Augenblick machte sich Herschel am Anlasser zu schaffen, während Strow für eine Ablenkung sorgte. Leider lenkte sie die Aufmerksamkeit erst recht auf den anstehenden Diesbtahl und der erste Mutant zog vorsichtshalber seine Waffe. Strow sprang hinten aufs Trike und entsicherte das aufgepropfte Maschinengewehr, während Herschel endlich die Maschine in Gang setzte. Leier rutschte er beim Aufsitzen erst einmal ab, bevor es losging. Die Mutanten hatten begriffen was gerade geschah und griffen nun zu den Waffen, während die beiden Diebe losrasten. Strow zündete die Bombe und es gab eine heftige Explision, die für Verwirrung sorgte. Dann eröffnete sie das Feuer, um den Weg freizuschießen.

Würstli und Langbaum hatten geduldig auf ihre Kameraden gewartet. Als sie die Explosion und das Feuergefecht hörten war ihnen klar, dass konnten nur ihre Soldaten sein. Langbaum schwang sich ans Steuer des Wagens und gab Gas, während Würstli seinen Raketenwerfer bereit machte. Und tatsächlich: Strow und Herschel kamen ihnen entgegen. Würstli feuerte eine Rakete in die Verfolger hinein und stoppte diese erst einmal. Doch einige glückliche Schüsse aus Jagdgewehren verhinderten auch die Flucht des Trikes. Langbaum raste in einer Staubwolke zu den Schwerverletzten hin.

Das Trike war gekippt und der Genetiker hatte nur wenig Zeit. Immerhin konnte jeden Augenblick das Feuer erneut eröffnet werden. Würstli schoss eine weitere Rakete ab, diesmal in das Gebäude hinein, in dem Frauen und Kinder Zuflucht suchten. Kaum waren Herschel und Strow auf den Rücksitzen, gab Langbaum auch schon wieder Gas und bretterte durch das Ödland davon - Flucht geglückt …

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