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Archiv für Mai, 2010

Abenteuer 1939 (04) - Der Fluch von Eldorado

Erstellt von Taysal am 6. Mai 2010

abenteuer-1939-catherine-lucy-dixonWährend sich Catherine-Lucy verantwortungsvoll um die todkranke Maria kümmerte, traf sich der Major an der Rezeption des Hotels mit Albertina Schweitzer, einer jungen Ärztin aus dem hiesigen Krankenhaus. Sie hatte von der Erkrankung Marias gehört und neugierig auf den Fall. McCan war der Schweizerin als Ansprechpartner genannt worden und musste sich nun mit ihr herumschlagen, was ihm Unbehagen bereitete. Glücklicherweise war inzwischen Melody Monroe in La Paz eingetroffen. Sie wartete in der Bar des Hotels auf ihren Chef und genehmigte sich einen Drink: Tequila mit aufgespießter Kirsche.

Zu jenem Zeitpunkt befand sich auch der Filmstar Charles Spencer an der Hotelbar. Er bereitete sich auf einen wichtigen Film vor, der im südamerikanischen Dschungel spielen sollte. Charles war davon überzeugt, dass eine Recherche vor Ort die Rolle glaubhafter erscheinen lassen würde. Vorsichtshalber hatte er jedoch seinen Stuntman Hans Gruber dabei, einen echten Teufelskerl, dessen Familie aus Deutschland stammte.

Die beiden hielten in der Bar nun Augen und Ohren offen, um jedes kleine Detail aufzusaugen. Spencer hatte sofort einen Blick auf Melody Monroe geworfen und näherte sich der schönen Engländerin auffällig. Immerhin war er ein Filmstar, der auch International schon Preise bekommen hatte. Tatsächlich erkannte ihn Melody und schon bald entwickelte sich zwischen den beiden ein Gespräch.

abenteuer-1939-charles-spencerAm Ende des Tages saßen alle beisammen und unterhielten sich über die anstehende Expedition in den Dschungel. Der Major hatte sich als Diplomat ausgegeben und hielt eisern an der Tarnung fest. Schlussendlich ließ er sich breitschlagen und erklärte sich einverstanden, die beiden Filmleute und die Ärztin mitzunehmen. Die Männer waren hoffentlich in der Lage anzupacken und die Ärztin könnte etwas gegen die Strahlung unternehmen, die McCan erwartete.

Da es früh am nächsten Morgen losgehen sollte, gingen alle früh zu Bett - außer Spencer und Melody. Die beiden tranken gemeinsam noch etliche Drinks und torkelten dann auf das Zimmer des Schauspielers, um dort miteinander die Nacht zu verbringen. Zwischen den beiden herrschte am nächsten Morgen eine peinlich berührte Stimmung und Melody beschloss Spencer zu ignorieren. Mit brummendem Schädel ging es weiter.

Die Spur von Gomez Korda und den Nazis führte nach Chinuhimcha, doch die einzige Straße ging nur bis El Cunjunto hinauf. Die Fahrt würde bis spät in die Nacht dauern und es gab tatsächlich so etwas wie einen Bus. Dabei handelte es sich jedoch um einen alten Pritschenwagen, dessen Ladefläche bereits gut gefüllt war: Menschen, Tiere und Werkzeuge ließen kaum Platz, um sich zu rühren. Zu allem Übel befand sich auch noch eine Kuh auf der Ladefläche. Major McCan dachte ernsthaft darüber nach, zu Fuß der Straße zu folgen. Schlussendlich gab er klein bei, behielt die Kuh aber gut im Auge.

abenteuer-1939-melody-monroeDie Fahrt auf dem Wagen verlief recht ereignislos. Unterwegs entdeckte Melody Monroe einen Käfig mit Ratten, den sie in einem unbeobachteten Augenblick in die Tiefe warf. Spencer und Gruber unterhielten sich prächtig miteinander und besprachen die anstehenden Dreharbeiten. Vor allem freute sich Charles Spencer darauf, Spencer Tracey die große Rolle in “Jenseits von Rio” abnehmen zu können. Sicherlich würde es für diesen Film den Academy Award geben.

Am späten Nachmittag stoppte die langsame Fahrt des Wagens gänzlich. Die Nazis hatten einen provisorischen Schlagbaum errichtet und führten eine Kontrolle durch. McCan ahnte schon, dass etwas im Argen lag, konnte trotzdem sein Mundwerk nicht halten. Kurz darauf stand er mit dem Rücken zur Wand, während sich Melody auf dem Lastwagen eine gute Position suchte und am Ventil ihres Flammenwerfers hantierte.

Charles Spencer und Hans Gruber sprangen nun vom Wagen herunter, um sich mit dem deutschen Rottenführer zu unterhalten. Der Mann erkannte den Schauspieler und nutzte die Gelegenheit, um ein wenig Kritik an “Dein letzter Befehl” zu üben.  Schlussendlich empfahl er dem Schauspieler auf den Wagen zu klettern, bis man mit dem Tommy fertig sei. Spencer und Gruber machten sich also wieder auf den Weg zurück zum Lastwagen. Ihnen war klar, dass es Ärger geben würde.

Tatsächlich eskalierte die Situation. Melody nutzte einen günstigen Augenblick und ließ ihren Flammenwerfer fauchend Feuer speien, während Spencer mit einer fließenden Bewegung seinen blankpolierten Revolver zog und einen der Deutschen über den Haufen schoss. Eine Granate flog in Richtung des Wagens, die auch schon wieder zurückgeworfen wurde. KAWUMM!

abenteuer-1939-hans-gruberMit einem lauten Knall flogen etliche der Nazis getroffen zur Seite. Durch die Erschütterung wurde eine Lawine ausgelöst und dann explodierte im Flammenstrahl des Flammenwerfers auch noch die Munitionskiste des sMG-Schützen. Durch die Detonation wurde eines der deutschen Kettenkräder in die Tiefe geschoben.

Von oben rauschte die Lawine heran. Also sprang Gruber auf eines der Kräder, während der Lastwagenfahrer Gas gab und an dem Major vorbeifuhr, der nun mit Albertina Schweitzer auf der Straße stand und die Erdmassen heranrauschen sah. Der Stuntman gab nun ebenfalls Gas und raste an der Schweizerin vorbei, um sie hinter sich aufs Fahrzeug zu schwingen, dann überholte der den Lastwagen, bevor sich die Straße wieder zu einem schmalen Pfad verjüngte. Und McCan stand nun alleine auf dem Straßenstück, auf das die Lawine zurollte.

abenteuer-1939-01Geistesgegenwärtig warf Charles Spencer das eine Ende eines Seils zu McCan und band das andere Ende um den Hals der Kuh. Der Major sprang aber lieber auf das letzte verbliebene Kettenkrad und gab ebenfalls Gas. Er wusste, dass würde verdammt knapp!

Und tatsächlich, die Ausläufer der Lawine erwischten noch den langsamen Pritschenwagen und das Kettenkrad des Majors. Während der ausgebildete Soldat sein Fahrzeug mit viel Geschick auf der Straße hielt, wurde der Lastwagen in die Tiefe gerissen. Die schreienden Menschen versuchten irgendwo Halt zu finden, doch die Naturgewalt war stärker.

abenteuer-1939-ronny-mccanAuch Spencer hatte den Halt verloren und rutschte auf der Erde dem Abgrund entgegen. Er fiel und griff im letzten Augenblick nach einem Seil, das von oben herunterbaumelte. Was für ein Glück! Die Kuh war auf einen Felsvorsprung gefallen und harrte dort aus - und rettete somit das Leben des jungen Schauspielers.

Mit vereinten Kräften wurden die Kuh und Spencer geborgen. McCan war wenig erfreut, dass das Rindvieh überlebt hatte und wollte weiter, um die Nazis für den Tod der unschuldigen Menschen zur Rechenschaft zu ziehen. Melody Monroe und Charles Spencer bestanden jedoch darauf Brunhilda mitzunehmen - so hatte der Schauspieler die Kuh genannt. Nun ging es mit Kettenkrad und Kuh weiter die Berge hinauf.

Weit nach Mitternacht erreichte die abenteuerliche Reisegesellschaft endlich El Cunjunto. Sie lagen ihrem Zeitplan hinterher, konnten jedoch erst einmal ausruhen. Am nächsten Tag machten sich alle frisch, schickte Spencer Brunhilda in Pension und erkundigte sich Melody nach den Deutschen. Tatsächlich, die Nazis waren durch das Dorf gekommen und hatten einen ganzen Tag Vorsprung.

Zu Fuß ging es nun den Berg wieder hinab, bis an den Rand des Dschungels. Der Weg wurde zunehmend schlechter und der Marsch nach Chinuhimcha verlief entsprechend langsam. Erst nach Einbruch der Dunkelheit gelangten die Abenteurer in die Nähe ihres Ziels. McCan schlug vor  das Gelände erst einmal zu erkunden.

abenteuer-1939-albertina-schweitzerChinuhimcha lag im Dunklen, das Dorf wirkte verlassen. Es war ruhig, zu ruhig. Besorgt um die Sicherheit der Indios schlich Albertina ein Stück vor - und lief prompt einer deutschen Patrouille in die Arme. Mit vorgehaltener Waffe wurde die Schweizerin ins Dorf gebracht. McCan fluchte, aber wenigstens konnten sich die Abenteurer nun einen Blick über die Lage verschaffen.

Scheinbar hatten die Nazis Chinuhimcha als Basislager ausgemacht und die umliegenden Hütten in Besitz genommen. Albertina wurde von einem Rottenführer kurz befragt und dann zum weiteren Verhör ins Gemeinschaftshaus in der Dorfmitte gebracht. Nun wurde es brenzlig.

Der Major und Hans Gruber beschlossen als Deutsche verkleidet ins Dorf zu gehen und die Nazis zu überraschen. Charles und Melody würden sich anschleichen und versuchen Albertina zu retten. Gesagt, getan.

Der Plan schien auch zu funktionieren. Die Deutschen waren zuerst argwöhnisch, ließen sich dann aber von McCan und Gruber überzeugen, dass die beiden zur Nachhut aus El Cunjunto gehörten und Opfer eines Überfalls wurden. Die Deutschen kümmerten sich nun fürsorglich um ihre Kameraden und brachten die beiden vermeintlichen Soldaten erst einmal in einer der Hütten unter. Ronny und dem Stuntman wurde nun ganz flau in der Magengegend bei dem Gedanken daran, dass Nazis vielleicht auch normale Menschen sein könnten. Diese Gedanken schoben die beiden Männer jedoch zur Seite, als sie Albertinas Hilfeschreie aus der Dorfmitte hörten.

Zwei Nazis hatten die Aufgabe die junge Schweizerin zu verhören. Und die beiden Männer planten auch, etwas Spaß mit der widerspenstigen Dame zu haben. Dass im Gemeinschaftshaus auch die Kinder des Dorfes gefangengehalten wurden und Zeugen einer solchen Brutalität würden, war den fiesen Nazis egal. Glücklicherweise wusste sich Albertina zu wehren und hoffte darauf, dass ihr die Freunde zur Hilfe eilten. Und das taten sich auch.

Die Abenteurer gingen aus drei Richtungen gegen die Deutschen vor. Hans und Ronny überrumpelten die Nazis von hinten. Der Major sicherte die MG-Stellung auf einem der Dächer, während Gruber seine Fäuste sprechen ließ. Aus dem Dschungel lieferten Melody und Charles tatkräftige Unterstützung, während Albertina einem ihrer Wächter ordentlich zwischen die Beine trat, nachdem der andere Kerl draußen nach dem Rechten sah. Kuz darauf waren die Nazis unterlegen und ergaben sich. Es hatte nur wenig Tote, aber etliche Verletzte gegeben. Nun war es an der Zeit, dass die Abenteurer ein Verhör führten.

So wie es aussah hatte ein gewisser SS-Sturmbannführer Baron Claus-Eberhardt von Wahlburg das Kommando über die Nazi-Expedition. Er hatte die Kinder als Geiseln genommen und zwang somit die Männer aus Chinuhimcha für ihn zu arbeiten. Von Wahlburgs Vorsprung war zwar geschrumpft, aber er hatte Eldorado sicherlich schon erreicht. In der Nacht durch den Dschungel zu marschieren war zu gefährlich, also beschlossen die Abenteurer im Dorf zu übernachten.

Sobald sich der erste Sonnenstrahl zeigte, waren alle wieder auf den Beinen. Einer der Alten bot sich den Abenteurern als Führer an, denn er war dankbar für die Rettung seiner Tochter und seines Enkels. Der Mann sprach ein paar Brocken Englisch und so war eine Verständigung möglich. Albertina erklärte den Indios wie gefährlich das Gold aus Eldorado sei und die Leute stimmten ihr zu. Auch sie hatten bereits die ersten Opfer zu beklagen, denn Gomez hatte mit den Dörfler ebenfalls Geschäfte getätigt.

Nach einigen Stunden Fußmarsch erreichten die Abenteurer eine schmale, aber tiefe Schlucht. Der alte Mann erklärte ein paar hundert Meter weiter gäbe es eine alte Brücke. Auf der anderen Seite verliefe dann ein schmaler Pfad, der in die Goldstadt führe. Er selber würde zurück ins Dorf gehen, um dem Fluch von Eldorado zu entgehen. Die Abenteurer konnten das gut verstehen, aber sie selbst mussten einfach weiter. Sie mussten Gomez retten, sie mussten das Geheimnis lüften - und vor allem mussten sie die Nazis aufhalten!

Tatsächlich gab es eine wacklige alte Holzbrücke über die Schlucht. Sie bestand aus einfachen Stricken und groben Brettern, würde aber ausreichen. Doch kaum näherten sich die Abenteurer der Brücke, da wurde McCan von der gegenüberliegenden Seite unter Beschuss genommen. Baron Claus-Eberhardt von Wahlburg hatte eine Wachmannschaft zurückgelassen.

abenteuer-1939-02McCan stürmte über die Holzbrücke, während sich die anderen Abenteurer einen Schritt in den Dschungel zurückzogen und in Deckung warfen. Die Nazis nahmen nun die Brücke unter Feuer und fegten das Bauwerk gerade in dem Augenblick hinweg, als der Major die andere Seite erreichte. Ohne zu zögern nahm Hans Anlauf und machte einen Satz über die Schlucht. Er konnte den Major auf keinen Fall im Stich lassen! Derweil eröffneten Charles und Melody das Feuer. Vor allem Monroes Flammenwerfer heizte den Deutschen ordentlich ein und rodete auf der gegenüberliegenden Seite ordentlich den Dschungel. Leider geriet auch Hans in die Flammen und brannte einige Sekunden lang, doch glücklicherweise erlosch das Feuer recht schnell.

Die Nazis wurden durch die heftige Gegenwehr regelrecht überrumpelt. Sie verkauften ihre Haut so teuer wie möglich, keiner von ihnen dachte daran sich zu ergeben. Sie gehörten zu den besten Männern in von Wahlburgs Truppe und Aufgabe war für diese Männer keine Option. Doch schlussendlich blieben die Abenteurer siegreich.

Es ging nun weiter, dem beschriebenen Pfad entlang. Nach zwei Kilometern erreichte die Gruppe ihr Ziel und der Dschungel öffnete sich, um den Blick auf ein vergoldetes Tal freizugeben. Der Anblick war monumental und berauschend, doch sie alle wussten von der Tödlichkeit des Goldes. Im Zentrum des Talkessels befand sich eine große Stadt, in ihrer Mitte die Zeichen eines Meteoriteneinschlags. Die einstigen Bewohner von Eldorado waren innerhalb eines Wimpernschlags Opfer eine fürchterlichen Katastrophe geworden und in ihren letzten Augenblicken für die Ewigkeit erstarrt. Doch wo waren die Nazis?

Die befanden sich einigen hundert Meter weiter und hatten ein kleines Lager aufgebaut. Der SS-Sturmbannführer machte es sich auf einer Kiste bequem, während sich seine Leute scherzhaft unterhielten und gelegentlich ein paar Schüsse ins Tal hinunter abgaben. Dort unten, im Zentrum des Einschlags und somit Ort der stärksten Strahlung, waren die Männer aus Chinuhimcha dabei Gold in schwere Kisten zu packen. Den Abenteurern war klar, dass keiner dieser Leute die nächsten Stunden oder gar Tage überleben würden. Dafür würden die Nazis teuer bezahlen!

abenteuer-1939-03Die Abenteurer schlichen nun durch den Dschungel nach vorne. Selbst die Bäume am Rand des Talkessels waren mit einer dünnen Schicht Gold überzogen. Und über allem lag der Hauch des Todes. Das kümmerte die Nazis kaum, denn so nahe am Rand setzten sie sich keiner Gefahr aus. Und keiner von ihnen erwartete den heftigen Angriff, der plötzlich zwischen den Bäumen hervorbrach.

Hans ging sofort auf den Sturmbannführer los, während Charles und Albertina hinter den Bäumen Deckung suchten und Feuerschutz gaben. Ronny schnappte sich das MG der Nazis und Melody ließ ihren Flammenwerfer fauchen. Schon bald stand nur noch von Wahlberg und lieferte sich mit Hans ein heftiges Duell unter deutschen Männern. Melody gab einen Flammenstoß in Richtung des Kampfes ab und brachte damit versehentlich das Gold der Bäume zum Schmelzen. Im letzten Augenblick konnte sich Hans zur Seite werfen, doch der fiese Nazi-Sturmbannführer ging rücklings zu Boden und wurde mit heißem Gold überzogen - es war ein grausamer Tod, den niemand so gewollt hatte …

Die Abenteurer hatten die Nazis besiegt. Dankbar eilten die Indios zu ihnen hoch, froh zu ihren Familien zurückkehren zu können. Insgeheim ahnten sie, dass ihnen nur noch wenig Zeit blieb. Bevor alle Eldorado verließen, zeigte einer der Männer wo die Leiche von Gomez Korda lag. Die Deutschen hatten den schwerkranken Mann erschossen, sobald sie die Goldstadt erreicht hatten. Er hatte keinen Wert mehr für sie gehabt.

Die Abenteurer flogen nach ihrer Rückkehr nach La Paz gemeinsam nach New Yok, in Gedanken noch immer bei den zurückliegenden Ereignissen …

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Eine Welt in der Hölle 10 – Der Hunger!

Erstellt von Taysal am 6. Mai 2010

Die Helden lehnten sich erschöpft an die Reling. Der letzte Kampf hätte für sie alle bitter enden können. Überhaupt, in den letzten Wochen war das Leben der Helden spürbar gefährlicher geworden, so als würde das Schicksal alles daran setzen, ihre göttliche Mission zu verhindern. Das Schicksal, oder vielleicht etwas oder jemand Bestimmtes? Olana, die von Reichlich stammte, machte sich jedenfalls große Sorgen um ihre Familie.

An Bord der Friedenswahrer ging es nun weiter. Jenseits der Nebel erschien voraus die Insel Reichlich. Es war ein grausiger Anblick, denn die Felder des Brotkorbs der Geborstenen Himmel waren leergefegt, als hätte ein wilder Sturm getobt. Zu aller Erleichterung standen die Bewohner des Hauptdorfes Weizen an der Anlegestation und winkten dem Ratsschiff zu – mit Mistgabeln, Stöcken und Fackeln. Ein Mob!

Der war auch an Bord des großen Schiffs, das gerade ablegte und auf die Friedenswahrer zukam. Jemand hatte den Namen des Himmelsschiffs mit roter Farbe überpinselt. Auf den Planken war nun Hunger zu lesen. Das sah schlecht für die Mannschaft der Friedenswahrer aus. Zu allem Unglück rutschte der Steuermann aus und ging über Bord. Glücklicherweise war Londalas anwesend, der tapfere Weidenschatten ohne Gedächtnis. Ohne mit der hölzernen Wimper zu zucken, übernahm er das Steuer.

Nun wurde erst einmal darüber diskutiert, in was für eine Richtung das Schiff fahren sollte. Angreifen, Flucht, Angreifen, Flucht … schlussendlich entschieden sich alle für die Flucht.  Londalas drehte die Friedenswahrer in den Wind – und die Hunger kam hinterher!

Der Steuermann fiel über Bord, damit die Helden an Bord mehr machen konnten. Ich wollte vermeiden, dass ein Extra eventuell die Lorbeeren für erfolgreiche Manöver erntet. Die Verfolgungsjagd wurde mit den entsprechenden Regeln aus der „Gentlemen’s Editon“ gespielt, was sehr spannend war. Es wäre sicherlich noch besser gekommen, aber keiner von uns beherrschte die Regeln perfekt. Dafür wurden sie bisher noch zu selten eingesetzt. Trotz der Holprigkeit ging es aber voran.

Die beiden großen Schiffe hielten beinahe konstanten Abstand. Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis die Friedenswahrer in Reichweite der Kanonen der Hunger kommen würde. Also befahl Kapitän Skiggs das Schiff in eine Ansammlung von Felsen zu fliegen. Vielleicht konnte sich die Friedenswahrer dort verstecken.

Londalas setzte den Befehl um. Schon bald glitten die ersten kleinen und großen schwebenden Felsbrocken am Schiff vorbei. Smaragd erkannte die Gefahr und besetzte die große Bugkanone, um den Elfen zu unterstützen. Sobald er einem Felsen nicht mehr ausweichen konnte, schoss die Glühblüterin. Ein verwegener Plan, der von anderen Matrosen unterstützt wurde. Diese luden stets so schnell nach, wie es nur ging. Das verfolgende Schiff hatte es dagegen etwas leichter, denn es jagte der Friedenswahrer in dessen gesäuberter Fahrrinne hinterher.

Endlich entdeckte Londalas hinter einem großen Felsen ein sicheres Versteck. Gerade sollten die Segel eingeholt werden, da schoss Smaragd erneut auf einen Felsen. Kapitän Skiggs war fassungslos und die Hunger hielt erneut auf die Friedenswahrer zu. Diesmal waren sie ordentlich herangekommen und begannen zu feuern! Einige Planken wurden zersplittert und in die Leere geschleudert.

Smaragd übernahm nun vollständig das Kommando über die Kanoniere, während Krusk Londalas mit seinen Zaubern stärkte. Und der Elf konnte jegliche Hilfe gebrauchen. Da kam es zu einer tödlichen Kollision …

Smaragd gelang es am Bug einen großen Felsen wegzuschießen, doch ein zweiter, kleiner Felsen geriet dabei in rasante Bewegung und flog sehr niedrig über das Deck der Friedenswahrer hinweg. Yacobi, der kleine und beliebte Wildling, sah den Brocken zu spät. Er wurde wie von einer Walze überrollt und blieb liegen. Sofort eilten Olana und Borum zur Hilfe, doch diese kam zu spät. Yacobi hatte seinen letzten Atemzug getan, seinen letzten Zauber gesprochen, seinen letzten Charme versprüht, seinen letzten Blick geworfen, seine letzte Unachtsamkeit bereut, seine letzte … ach, das Leben geht weiter, die Geborstenen Himmel sind halt gefährlich.

Doch erst einmal musste die Friedenswahrer der Hunger entkommen. Londalas steuerte das Ratsschiff unter Aufwendung seines gesamten Könnens durch das Felsenfeld, unterstützt von Smaragds Kanonenschüssen. Doch die Hunger kam trotzdem näher. Auf ein Kommando von Smaragd drehte der Elf plötzlich das Schiff bei und es wurde eine Breitseite abgegeben. Treffer!

Sofort bewegte Londalas das Schiff wieder in den Wind, um vom Gegner wegzukommen. Endlich fuhr die Friedenswahrer aus dem Feld. Der Weidenschatten steuerte einen großen Brocken an und ließ die Segel einholen, während Smaragd die nächste Breitseite vorbereitete. Da glitt die Hunger auch schon an der Friedenswahrer vorbei. Feuer!

Die zweite Breitseite fegte aus nächster Nähe durch die Leere und viele der Kugeln schlugen in den Rumpf des ehemaligen Ratsschiffes ein. Der Feind begann zu sinken. Der Feind? An Bord waren Einwohner von Reichlich. Niemand wusste was sie so schrecklich verändert hatte, denn Untoten gleich skandierten sie Hunger, während das Schiff durch die Leere nach unten stürzte. An Bord auch Freunde und Familienmitglieder Olanas. Für die ehemalige Bäuerin ein schrecklicher Anblick. Doch die Trauer mussten erst einmal warten.

Kapitän Skiggs ließ die Friedenswahrer in einer geschützten Bucht anlegen. Er, seine Leute und die Helden gingen an Land und näherten sich Weizen vorsichtig. Smaragd und zwei Soldaten schlichen als Kundschafter voraus. Jenseits eines niedrigen Hügels entdeckten sie eine blutrünstige, ausgehungerte Horde Insulaner. Die Soldaten an Smaragds Seite kamen der Horde leider zu nahe und wurden Opfer des Mobs, der die Leute förmlich zerfleischte und fraß.

Smaragd wandte ihren Blick von der grausigen Szene ab und überschaute das Land. Sämtliche Felder waren zerstört, die Höfe in der Umgebung geplündert. Die Glühblüterin entdeckte, im Zentrum von Weizen auf einem Hügel, den Tempel der Lebensmutter und erstarrte. Auf die Spitze des Tempels hatte jemand einen Friedenshüter aufgespießt.

Smaragd zog sich vorsichtig wieder zurück und erstatte Bericht. Leichter Nieselregen setzte ein, für Skiggs, Zweiglaube und die Soldaten ein sicheres Zeichen, dass die Lebensmutter über sie alle wachte. Nur Olana fühlte sich bei dem einsetzenden Regen unwohl. Die Erlebnisse auf dem Getreidekahn saßen in ihr noch immer tief in den Knochen.

Die Truppen des Handelsrats beschlossen anzugreifen und sich bis zum Tempel durchzuschlagen. Es musste etwas bedeuten, dass jemand dort aufgespießt wurde. Skiggs rief zum Angriff und dann ging es los!

Die Helden und ihre Verbündeten waren den veränderten Einwohnern von Reichlich unterlegen, doch sie gaben ihr Bestes. Nach einem ersten Schlagabtausch, hatten beide Seite die Hälfte ihrer Truppen verloren. Die Schlacht würde weitergehen, Skiggs die Stellung halten. Die Helden nutzten die Gelegenheit und das Chaos des Kampfes, um sich zum Tempel durchzuschlagen. Zu ihrer Überraschung mied der Nieselregen förmlich das Gebäude.

Das Innere des Tempels war verwüstet und das große Symbol der Lebensmutter mit Blut verunreinigt – Blut, dass aus der Decke tropfte und vom Dach stammte. Olana machte sich sofort daran das Symbol zu reinigen, während Smaragd und Krusk nach oben kletterten, um die Leiche des Friedenswahrers vom Spieß zu ziehen. Borim, der zwergische Ingenieur, folgte ihnen. Da begann sich im Tempel ein Strudel zu bilden und immer schneller und immer größer zu werden. Der Wasserstrudel umtoste schon bald den ganzen Tempel und schlug schlussendlich auch über dem Dach zusammen. Alles was ihm in den Weg kam wurde mitgerissen - es gab kein Entkommen!

An dieser Stelle dachte ich mir, es wäre nett mal ein wenig klassisches Railroading heraushängen zu lassen. Zugegeben, es war eher gemein. Egal was die Spieler mit ihren Charakteren anstellten, der Strudel war schneller und heftiger. Schlussendlich sammelte ich Stück für Stück die Charakterbögen der vermeintlichen toten Helden ein, um sie dann meinen angesäuerten Spielern zurückzugeben. Ich fand es lustig, andere waren kurzzeitig stinkig.

Die Helden glaubten zunächst sie wären tot, doch stattdessen wurden sie vom Geist der Lebensmutter erfüllt und ins Zentrum der Insel gebracht, in eine geheime Kammer. Hier lauerte ein besonders bösartiger Dämon mit seinen Schergen und Helfershelfern. Unter anderem der bösartige Zwillingsbruder des getöteten Priesters. Die Helden zogen ihre Waffen!

Nun, was anderes blieb auch kaum. Durch den ausgiebigen Einsatz von Bennies im Vorfeld, war der Vorrat bei fast allen Helden bei Null angelangt. Beim Transport in die geheime Kammer, waren wenigstens ihre Wunden geheilt. Immerhin sollten sie für die Lebensmutter kämpfen, da ist ein wenig Heilung verdammt wichtig.

Es war ein grausiger Kampf, der in der Kammer stattfand. Der Dämon war gerade dabei, einen Drakin zu fressen, der bereits auf einem speisetischartigen Altar angebunden war. Die Helden befreiten den Drakin und dieser kämpfte nun ebenfalls für die Lebensmutter.

Etwas holprig der Einstieg, aber irgendwann und irgendwie sollte der Spieler von Yacobi auch mal wieder spielen dürfen. Und es verbesserte ein wenig die Überlebensmöglichkeit der Helden.

Der Dämon ließ erst einmal seine Schergen voranschreiten, die von flammenden Zaubern hinweggefegt wurden – und dann waren die Helden auch schon erschöpft. Sie erkannten die Gefahr durch die Helfershelfer des Dämons und nahmen diese nun aufs Korn, um dem hungrigen Monster die Unterstützung durch seine Diener zu entziehen. Der Plan ging auf!

Verdattert schlang der Dämon mehrmals seine Zunge um den Drakin und hieb nach den umstehenden Helden, doch diese wichen geschickt aus und umstellten die Kreatur. Gemeinsam zwangen sie die Bestie in die Knie und setzten zum finalen Schlag an – nun, Krusk holte einfach aus und schlug wütend zu; verdammt wütend!

Sieg! Die Helden hatten es erneut geschafft! Glücklich fielen sie sich in die Arme, da wurden sie auch schon von der Liebe und Güte der Lebensmutter erfasst. Bevor sie sich versahen, schwebten sie in den gereinigten Tempel hinein und wurden zu heiligen Kriegern auserkoren.

Die Bewohner von Reichlich erwachten aus ihrem bösen Schlaf, ohne jegliche Erinnerung. Sie konnten im ersten Augenblick kaum fassen was ihnen berichtet wurde, doch die Beweise waren eindeutig. Der Inselrat bedankte sich bei den Helden und ließ ihnen eine Belohnung zukommen, die vor allem Smaragd gerne annahm.

Reichlich war gerettet. Und damit auch die Nahrungsversorgung der Geborstenen Himmel. Zwar würde es eine Zeit des Hungerns und der Sparsamkeit geben, aber die Bewohner der Inseln würden überleben. Und darauf kam es schlussendlich an. An Bord der Friedenswahrer ging es nun zurück nach Schattenhafen.

Das war eine spannende Spielsitzung. Die Szenarien im Buch sind sehr abwechslungsreich und meistens haben die Abenteuer kleine oder große Konsequenzen. Das ist für die Spieler auch ein großartiges Erlebnis, da sie sie die Spielwelt sehr stark mitbestimmen können. In meinen eigenen Abenteuern und Kampagnen halte ich das eigentlich immer so, aber viele Kaufabenteuer schlagen da in eine ganz andere Kerbe. Bisher ist der Plot-Point-Kampagne nur selten anzumerken, dass es sich um ein fertiges Ding handelt.

Das liegt vor allem an den großen Lücken in den Szenarien und Beschreibungen. Auf der einen Seite muss sich der Spielleiter was überlegen um diese Lücken zu füllen, auf der anderen Seite genießt die Gruppe dadurch ungeahnte Freiheiten in der Gestaltung – und zur Gruppe gehört ja auch der Spielleiter. Bisher macht die Kampagne jedenfalls großen Spaß und ich leite sie sehr gerne. Hoffentlich bleibt das so.

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