Death in Paradise – Staffel 4

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“Death in Paradise” geht nun mehr in die vierte Runde. Und noch immer treiben Mörder und Kriminelle ihr Unwesen auf der kleinen karibischen Insel St. Marie. Glücklicherweise gibt es hier eine kleine, aber feine Polizeistation, die den Bösewichten stets das Handwerk legt.

Detective Inspector Humphrey Goodman (Kris Marshall) hat alle Hände voll zu tun. Beruflich muss er sich mit Voodoo, Geistern, Partygängern und schlimmen Fingern auseinandersetzen, privat versucht er zwar auf St. Marie endlich Anschluss zu finden, aber trotz aller Bemühungen ist er noch nicht ganz in der Karibik angekommen. Dazu die Auseinandersetzung mit dem Vater und das Herumlavieren um seine Angebetete. Umgeben von der Lockerheit und dem Charme der karibischen Mentalität, ist es schlussendlich doch seine britische Herkunft, die ihn stets lange zögern lässt eine Entscheidung zu fällen. Goodman ist halt Engländer und es braucht seine Zeit, um sich in der Karibik heimisch zu fühlen – falls er es denn tatsächlich will…

In “Death in Paradise” ist stets Bewegung enthalten, obwohl die Serie auf den ersten Blick sehr ruhig und bodenständig wirkt. Das liegt sicherlich auch am Format einer klassischen Krimiserie im Stile Agatha Christies, aber vor allem an den geerdeten Schauspielern und ihren dazu passenden Rollen. Hier gibt es kein lautes Actiongeballere oder buntes Partychaos mit Tonnen voller Drogen, sondern beschauliche Geschichten, die sich um die Menschen drehen. Und dazu immer ein spannender Fall, bei dem die Zuschauer ein wenig miträtseln dürfen. Und diese Fälle haben es in sich, wenn auch einige Themen bereits seit Jahrzehnten abgearbeitet wurden. Unter anderem ist der Mord in einem Raum ohne Zugang ein Klassiker. Aber “Death in Paradise” will die Kriminalunterhaltung gar nicht neu erfinden, sondern nur schön verpacken und nebenbei das Zwischenmenschliche behandeln. Und all das in einer wunderschönen Kulisse, die zum Träumen einlädt und Sehnsüchte weckt. Allerdings – bei dieser Mordrate auf St. Marie sollte man sich das gut überlegen.

Das Zwischenmenschliche ist auch genau die Komponente, die “Death in Paradise” aus dem üblichen Krimiserienmeer herausragen lässt. Die britisch-französische Serie versteht es hervorragend, echte Charaktere in Szene zu setzen. Das gilt auch für die Täter, ihre Opfer, die Zeugen, Mitwisser und Informanten. Mal dramatisch, mal unterhaltsam, aber stets spannend, finden hier kleine und große Geschichten statt, sind die Motivationen nachvollziehbar. Und auf Seite der Guten geht es genauso weiter. Da rücken neuen Kollegen nach, die einen hervorragenden Eindruck machen und motiviert an die Arbeit gehen. Der alte Spürhund will sich nochmals beweisen und schießt dabei weit übers Ziel hinaus und der erfahrene Beamte will sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen – was prompt an seiner Ausdauer nagt. Und natürlich wären da auch die attraktive und kluge Ermittlerin Camille Bordey (gespielt von Sara Martin), die ihre Heimat liebt und ein ruhiger Pol für alle ist. Vor allem für DI Humphrey Goodman, der diesen Anker derzeit gut gebrauchen kann. Das alles sind liebenswerte Personen, an deren Leben der Zuschauer gerne teilnimmt. Mal mit einem lachenden, mal mit einem weinenden Auge. Denn auch diesmal bietet die Serie wieder einschneidende Veränderungen.

Dank Edel gibt es die vierte Staffel mit ihren acht Episoden auch als DVD-Box. Bei der Aufmachung wurden keine Experimente gewagt und sich stattdessen auf Serienfotos verlassen. Eine schöne Sache, hat man seine Helden doch stets in gelungener Pose vor Augen. Vor allem Danny John-Jules als Dwayne Myers sieht in Uniform schnieke aus und ihn auf der CD zu sehen, sorgt sofort für ein leichtes Schmunzeln.

Leider können die Inneren Werte der Box nicht mit den Äußerlichkeiten mithalten. Das Bild ist für heutige Zeit doch ein rechtes Mittelmaß und der Ton liegt nur in Dolby Digital 2.0 vor. Zumindest gibt es zwei Tonspuren, eine Deutsche und eine Englische. Technisch gesehen ist das vollkommen ausreichend. Auch die simple Menüführung, die schon bieder zu nennen ist. Was das Herz des Fans allerdings schmerzt, ist das mangelnde Bonusmaterial oder wenigstens ein kleines Booklet mit ein paar exklusiven Schnappschüssen. Da gibt es leider nichts. Einzig die Episoden wurden auf die Silberlinge gebrannt. Die Serie ist zwar toll, aber die Box macht den Eindruck, dass sie recht stiefmütterlich behandelt wird. Da schleicht sich ein leises Seufzen über die Lippen hinfort und der einzige Trost der bleibt, ist die Vorfreude auf die nächste Staffel. Das tut der vierten Staffel allerdings keinen Abbruch.

Die Geschichten, die darstellerischen Leistungen und das karibische Flair, all das sorgt für eine runde und angenehme Stimmung. Dabei ist “Death in Paradise” keine tiefgreifende und wilde Unterhaltung, sondern etwas für einen gemütlichen Fernsehabend. Toll!

“Death in Paradise” im Rollenspiel:

Detektivabenteuer sind im Rollenspiel so eine Sache. Man braucht Spieler die das mögen und können, es braucht eine Spielleitung die so etwas mag und kann. Und es braucht das passende Regelwerk. Vor allem letzteres ist gar nicht so einfach. Klar, man kann sich einfach eine der Fate-Varianten schnappen, aber das wird nicht gut funktionieren – vor allem wenn die Spieler es gewöhnt sind, auf der Metaebene zu spielen. Kriminalfälle leben ja davon, dass den Spielern und ihren Charakteren Informationen, also auch Fakten, nach und nach zugeschoben werden. Können sie diese Fakten allerdings selber gestalten, kann das ein sehr kurzes Ermittlungsabenteuer werden. Also eher nicht zu empfehlen.

Und dann wären da noch die Systeme, die gar nicht richtig auf Detektivabenteuer ausgelegt sind. Klar, damit spielen geht schon. Siehe “Privat Eye”, was im Grunde genommen “Call of Cthulhu” ohne Mythos ist. Und auch bei CoC macht nicht das Regelwerk den Spaß am Herumschnüffeln aus, sondern die Kampagnenwelt. Hier würde ich für Kriminalgeschichten eher zu einer Adaption von “Trail of Cthulhu” tendieren.

Eines der klassischen Systeme, das Ermittlung wirklich gut kann, ist “Savage Worlds”. Bereits im Grundregelwerk sind einige Mechanismen verankert (zum Beispiel dramatische Herausforderungen), die in entsprechenden Settings aufgenommen und erweitert wurden. Als Beispiel mag hier “Deadlands: Noir” dienen, das hervorragende Ermittlungsregeln bietet. Sei es nun das Herumschnüffeln und Herumfragen auf der Straße oder das simple Verhören. Die Regeln sind auch leicht vom Setting zu trennen und in einem normalen Umfeld einzusetzen.

Serien wie “Death in Paradise” eignen sich hervorragend, um fürs Rollenspiel ausgeschlachtet zu werden. Die einzelnen Folgen sind gleichzeitig einzelne Fälle und somit dankbare Kurzabenteuer. Neben den eigentlichen Fällen stehen die Figuren im Mittelpunkt, was wunderbare Gelegenheiten fürs Rollenspiel bietet. Allerdings wird hier kein Actionrollenspiel umgesetzt, sondern es geht mehr um Charakterrollenspiel im Detektivmilieu. Und das in einem karibischen Umfeld. Entspannung pur, sozusagen…

Copyright © 2016 by Günther Lietz

Death in Paradise – Staffel 4

Darsteller: Kris Marshall, Sara Martins, Danny John-Jules, Joséphine Jobert, Don Warrington
Regisseur(e): Richard Signy, David O’Neill, Paul Murphy
Komponist: Magnus Fiennes
Künstler: Robert Thorogood, Tom Higgins, Rebecca Wojciechowski, Ian Kershaw, Mark Brotherhood, Dana Fainaru, Matthew Barry

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 9. September 2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 417 Minuten

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