Seelen

seelenDer Name Stephenie Meyer polarisiert und obwohl die Twillight-Saga um den Glitzvampir Edward und die Emo-Schnepfe Bella ihre unzähligen Fans fand, sorgt die Erwähnung von Stephenie Meyer oft für eine starke Abwehrreaktion. Im Rahmen dieser Vorbelastung hat es „Seelen“ natürlich schwer, für sich zu werben und losgelöst vom Namen Stephanie Meyer, betrachtet zu werden. Aller Kritik zum Trotz, ist „Seelen“ ganz ansehnlich.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman „Seelen“ (Originaltitel: The Host) von Stephanie Meyer und erzählt eine Science-Fiction-Geschichte. Diese spielt in einer fiktiven, aber scheinbar nahen Zukunft. Die sogenannten Seelen haben die Erde invasiert und sich als parasitäre Lebensform im Hirn der Menschen eingenistet. Die Seelen sehen darin keine böse Absicht, obwohl ihnen durchaus bewusst ist, dass sie dabei das Bewusstsein des Wirts auslöschen. Die Seelen selbst streben nach Harmonie und Balance, nach – aus ihrer Sicht – hehren Zielen. Im Grunde ein Paradox, das anreißt wie andersartig die Seelen sind. Leider geht der Film – im Gegensatz zur Romanvorlage – nur wenig auf die Kultur und das Leben der Seelen ein. Allgemein löst sich der Film an vielen Stellen vom Buch und reflektiert die dort herrschende Stimmung nur seltene.

Obwohl die Seelen einen Großteil der Menschen übernommen haben, gibt es (natürlich) Überlebende der Invasion. Zu ihnen gehören Melanie (gespielt von Saoirse Ronan) und ihr Bruder Jamie (gespielt von Chandler Canterbury). Die beiden entziehen sich durch Flucht dem Zugriff der Seelen und lernen dabei Jared (gespielt von Max Irons) kennen. Zwischen Melanie und Jared entwickelt sich eine Romanze, die ein jähes Ende findet.

Melanie gerät nämlich in die Fänge der Seelen und wird von einem Parasiten übernommen, der Wanderer genannt wird. Zu dessen Überraschung wehrt sich Melanies Bewusstsein gegen die Auslöschung. Und hier beginnt eigentlich erst der Film, denn Melanie und Wanderer teilen sich ab jetzt einen Körper und lernen beide vom jeweils anderen. Das führt zu einer Flucht vor den Seelen, die – angeführt von Sucherin (gespielt von Diane Kruger) – Melanie regelrecht jagen.

Die Flucht des Ein-Körper-Duos Melanie und Wanderer führt schließlich zum Versteck einiger Überlebender, was schlussendlich zu weiteren Konflikten führt. Hier wird das Leben der Flüchtlinge genauer betrachtet, entwickeln sich merkwürdige Liebesbeziehungen und nähern sich Wanderer und Melanie immer weiter an, kommt es zum Verständnis für die jeweils andere Seite.

Was im Buch noch relativ einfach erzählt werden kann, stellt im Film eine Herausforderung dar. Denn schlussendlich muss Saoirse Ronan ihr Spiel in dem Augenblick umstellen, in dem Melanie übernommen wird. Denn ab diesem Zeitpunkt ist Melanie nur noch aus dem Off zu hören, werden die Gedanken zum Teil des Dialogs. Das löst Regisseur Andrew Niccol, indem Wanderer laut spricht und sich Ronan dann meist der Kamera und somit dem Zuschauer zuwendet. Was allerdings manchmal merkwürdig bemüht anmutet. Zeitweise scheint die junge Darstellerin damit überfordert, meistens funktioniert es aber ganz gut.

Die Grundidee der Geschichte ist faszinierend und die Aufarbeitung im Buch gelungener, als es der Film leider darzustellen weiß. Andrew Niccol geht mehr in Richtung Teenager-Liebesfilm, anstatt mit einer Dystopie junge Erwachsene anzusprechen. Offensichtlich wird versucht die Ausläufer der Twillight-Welle noch mitzunehmen und darauf einen letzten Ritt zu wagen. Das ist sehr Schade, denn durch den Teenie-Schmalz leidet auch die Geschichte und wird oftmals Opfer eines Balzverhaltens und zuckersüßer Küsschenromantik. Das verdeckt dann auch nur wenig die Logiklöcher und täuscht kaum über das Ende hinweg, das an den Haaren herbeigezogen wirkt.

Trotz seiner Schwächen, kommt „Seelen“ auch mit einigen Stärken daher und zeigt, dass Stephenie Meyer kluge Geschichten erzählen kann. Während der Film eigentlich Andrew Niccols derzeit schwächste Leistung ist (bisher war es „In Time“), liefern seine Darsteller allesamt gute Leistung ab und wirken überzeugend. Und das trotz der ein oder anderen Unverständlichkeit des Drehbuchs. Einzig Diane Kruger wirkt etwas zu ruhig, was aber an ihrer Rolle liegen dürfte. Die lässt keine großen Emotionen zu und ist absichtlich etwas unterkühlt angelegt.

„Seelen“ ist kein großer Schlag, aber eine kleine Science-Fiction-Geschichte, die zum Nachdenken anregt.

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Seelen

Originaltitel: The Host
Produktionsland: Vereinigte Staaten (2013)
Länge: 125 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Produktion: Stephenie Meyer, Nick Wechsler, Steve Schwartz, Paula Mae Schwartz
Musik: Antonio Pinto
Kamera: Roberto Schaefer
Schnitt: Thomas J. Nordberg

Besetzung:
Saoirse Ronan (Melanie Stryder/Wanderer), Max Irons (Jared Howe), Jake Abel (Ian O’Shea), Chandler Canterbury (Jamie Stryder), Frances Fisher (Maggie Stryder), Diane Kruger (Die Sucherin), William Hurt (Jeb Stryder), Emily Browning (Pet/Wanderer), Scott Lawrence (Doc)

http://thehostthefilm.com/

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