Sundered Skies – Die geborstenen Himmel – Kompendium

sundered-skies-kompendiumDas Settingbuch zu “Sundered Skies – Die geborstenen Himmel” ist bereits seit 2009 auf dem Markt, 2013 wurde dann endlich das “Sundered Skies – Die geborstenen Himmel – Kompendium” nachgeschoben. Diese Verzögerung hat sich allerdings in der Qualität niedergeschlagen, denn das Kompendium ist durch seine Anpassung an die aktuelle Regeledition von “Savage Worlds” auf dem neuesten Stand.

Vorneweg sei darauf hingewiesen, dass der Rezensent zu den Mitarbeitern des Quellenbuchs zählt und für die Werte der Kogge verantwortlich zeichnet, sowie für einige Schiffspläne im Anhang des Kompendiums. Dennoch gibt er sich Mühe objektiv und transparent zu rezensieren – und bedankt sich gleichzeitig für die Widmung, aus der Feder des deutschen Chefredakteurs.

Im Gegensatz zum Settingbuch, kommt das Kompendium als Softcover und in schwarzweiß daher. In Anbetracht der schönen Illustrationen, wäre Vollfarbe zwar willkommen gewesen, ist aber kein unabdingbares Muss. Wirklich störend in diesem Bereich ist eher, dass der Druck einfach zu dunkel ist. Dadurch gehen, vor allem bei den Innenillustrationen, viele der Bilddetails verloren. Das ist bei den Schiffsplänen von Günther Lietz glücklicherweise weniger der Fall, was dem Tipp eines mit dem Illustrator befreundeten Layouters zu verdanken ist. Allerdings sind die mit Texturen versehenen Schiffspläne stellenweise doch etwas eckig geraten, was nicht unbedingt perfekt aussieht, aber auch nicht weiter stört. Zudem sind die Pläne auch gut für andere Spiele und Settings einsetzbar, in denen mit ähnlichen Schiffen hantiert wird. Außerdem liegen dem Verlag die Originalpläne in Vollfarbe und in besserer Auflösung vor, um sie auf der Homepage zum Download anzubieten. Weitere Schiffspläne finden sich übrigens auf dem Rollenspielblog des Illustratoren: Taysal Abenteuerland.

Der textliche Inhalt des Kompendiums gliedert sich in mehrere große Abschnitte. Zuerst gibt es eine allgemeine Übersicht für Spieler, die sehr viele Details zu den Geborstenen Himmeln enthält. Unter anderem erfährt der Leser und Spieler etwas über die Lebensweise der Bewohner dieser Spielwelt, wie sie ihre Häuser bauen, wie höflich sie daherkommen, wie es um die Hygiene steht, wie stark Aberglaube und Riten sind. Zitat: ”(…) einen hässlichen Mann zu küssen schützt dich eine Woche lang vor Glühwahn (…)”. Die Texte sind dabei knapp genug, um noch Raum für eigene Ideen zu lassen.

Neben dem Hintergrundtext gibt es aber auch neue Regeln, Ausrüstungsgegenstände, Handicaps, Talente und Ortsbeschreibungen. Allesamt Sachen, die das bisherige Spiel bereichern und die Kampagnenwelt noch abwechslungsreicher gestalten. Dabei ist “Sundered Skies” schon ein buntes und spannendes Setting. Durch das Kompendium wird nochmals eine ganze Schippe Kohle draufgelegt. Die Welt ist plötzlich noch größer und noch vielfältiger, ohne eine Spielgruppe damit zu erschlagen. Eine Sache, die natürlich gefällt. Vor allem, weil es im Spielerabschnitt keine (Neudeutsch) Spoiler gibt.

Deswegen muss hier kurz auf eine Besonderheit eingegangen werden, die “Sundered Skies” ausmacht. Im Settingbuch ist eine Plot-Point-Kampagne (PPK) enthalten, in deren Verlauf einige Dinge in der Spielwelt verändert werden, bis hin zum epochalen Finale. Das macht deswegen die Einordnung des Kompendiums etwas schwierig, denn das Material kann während der PPK oder danach eingesetzt werden. Hier ist eindeutig der Spielleiter gefordert, der sich gut überlegen muss, was für Informationen, zu was für einen bestimmten Zeitpunkt, zur Verfügung stehen. Das bedeutet schlussendlich auch, dass einiges an Material gar nicht in vollem Umfang genutzt werden kann. Das Kompendium ist halt ein wachechtes Arbeitsbuch und keine reine Abenteuersammlung, die einfach nebenher genutzt werden kann. Allerdings gibt es im Buch unterstützende Texte und Informationen, wie es mit der zeitlichen Einordnung aussieht und wie sich das Spielen nach Abschluss der Plot-Point-Kampagne gestaltet.

Ganz nach dem Vorbild des Settingbuchs, und um das Spoilern zu vermeiden, gibt es dementsprechend auch einen Teil, der nur für Spielleiteraugen bestimmt ist und von einer schicken Illustration und einem witzigen Warnhinweis eingeleitet wird. Überhaupt gibt es die ein oder andere humorvolle Stelle im Buch. Das trägt zum Lesespaß bei.

Für den Spielleiter werden wichtige Punkte aus dem Spielerbereich nochmals aufgegriffen und mit Regeln untermauert. Als Beispiel möge hier das vorangegangene Zitat über die hässlichen Männer gelten. Und dabei der Hinweis in eigener Sache, dass das Küssen eines Spielleiters ebenfalls Glück bringen soll, ähnlich wie bei Schornsteinfegern. Aber das nur am Rande.

Humor gehört dazu und das macht einfach Spaß. Aber das Kompendium bietet mehr als nette Texte und ein paar Regeln, sondern noch mehr Texte und noch mehr Regeln. Allerdings hält sich das alles noch im Rahmen und ist schnell gelesen und abgehandelt. Zudem gibt es Beschreibungen von neuen Inseln und bekannte Inseln werden erweitert. Entweder allgemein oder in Bezug auf die Abenteuer aus dem Settingbuch. Zudem werden auch weitere Settinggeheimnisse gelüftet, wie, zum Beispiel, der Grund, warum die Himmelsschiffe fliegen. Gleichzeitig gibt es auch neue Geheimnisse, Relikte und Tränke. Und, ganz wichtig, eine Klarstellung, wie die Glühwahnregeln im Spiel am besten umzusetzen sind.

Sehr schön ist, unter anderem, der Abschnitt zu den Kulten und Geheimbünden. Hier sprudeln sofort die Ideen zu spannenden Abenteuern und Kampagnen. Verlockend ist zum Beispiel die Idee eine Kampagne aufzuziehen, in der die Spielgruppe vollständig aus Kurieren besteht, deren Aufgabe es ist, Nachrichten rechtzeitig zuzustellen. Im Buch wird sogar erklärt, wie es mit den Preisen, Boni und Abzügen aussieht. Nette Sache. Aber auch die Bösewichter finden ihre Erwähnung und der mächtige Handelsrat wird genau unter die Lupe genommen.

Das Sahnestück im Buch stellen aber die Savage Tales dar, die kleinen Abenteuer und Abenteueraufhänger, die typisch für Savage Worlds sind. Insgesamt sind achtundzwanzig Tales enthalten. Nun, eigentlich sind es nur siebenunzwanzig Tales und eine Beschreibung, wie man nach einer großen Tale, aus dem Settingbuch, mit den daraus resultierenden Problemen umgehen sollte. Das ist eindeutig Nachhaltigkeit und sehr gefällig. Was die Qualität der Tales angeht, so sind die meisten gelungen bis sehr gelungen. Natürlich gibt es auch die ein oder andere Tale die doch etwas schwächelt. Aber die sind recht selten und ihrer Beschaffenheit wegen vom Spielleiter selbst gut aufzuwerten. Und da wir kurz beim Spielleitern sind, hier ein Tipp: Auf Seite 51 kommt es besser “Mittelfinger” gegen “Stinkefinger” auszutauschen.

Ein besonderes Schmankerl stellt im Kompendium übrigens der erweiterte Fallen-Generator dar, mit dem Fallen zwar detaillierter als im Settingbuch dargestellt werden, der aber noch immer schnell abzuhandeln ist. Der Generator eignet sich auch hervorragend für andere Settings.

Ein großer Abschnitt zum Ende hin ist den neuen Monstern, NSC und Schurken vorbehalten, die durch das Kompendium ins Spiel kommen. Auf Seiten der Elfen sind das vor allem neue Untiere und Wildlinge, die ihren Ursprung auf einer der neuen Inseln haben, der tropischen Savanne. Diese Insel bringt Bewegung ins Spiel und kann bereits alleine kleineren Kampagnen ein Zuhause bieten.

Den offiziellen Abschluss bilden dann etliche Deckpläne, die eigentlich keine großen Wünsche offen lassen. Und als Service der deutschen Redaktion gibt es noch die Anpassung der veralteten Settingregeln auf die neue Regeledition von „Savage Worlds“, die doch einiges an Umbauarbeiten mit sich bringen. Unter anderem werden auch die neuen Mächte eingebaut und mit passenden Beispielausprägungen versehen. Auf der Homepage des Verlags stehen die überarbeiteten Settingregeln zum Download bereit.

Die Übersetzung ist weitgehend gelungen, wenn auch Namen wie Willow hätten übersetzt werden können. Auch das Lektorat ist gut und lässt keine katastrophalen Fehler erkennen. Saubere Arbeit. Gleiches gilt für das Layout, das angemessen ist, aber auch keine Glanzlichter bietet. Unter dem Strich wurde hier handwerklich aber alles richtig gemacht.

Inhaltlich gesehen macht das Kompendium einen guten Eindruck und ist für Sundered-Skies-Spieler eigentlich eine Pflichtanschaffung. Das Material ist einfach zu gut, um darauf verzichten zu wollen. Hier bleibt nur, eine Empfehlung auszusprechen.

Update: Auf Bitte der deutschen Chefredaktion noch kurz der Hinweis, dass vier der Tales aus deutscher Feder stammen und – sozusagen – weiteren Bonusinhalt bieten. Das ist natürlich ein weiterer Mehrwert gegenüber dem Original. Die deutschen Tales passen übrigens hervorragend zu den ursprünglichen Tales und die Sammlung wirkt wie aus einem Guss, deswegen wurde in der Rezension auch nicht großartig auf die Herkunft der einzelnen Abenteueraufhänger eingegangen.

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Dave Blewer und Kevin L. Anderson
Sundered Skies – Die geborstenen Himmel – Kompendium
Savage Worlds – Sundered Skies – Die geborstenen Himmel – Quellenbuch

Prometheus Games (2013)
B5-Format, Softcover, s/w
Deutsche Chefredaktion: Sebastian Deutsch
Übersetzung: Henrike Buhr, Sebastian Deutsch
168 Seiten, ISBN: 978-3-941077-25-6

Prometheus Games: http://www.prometheusgames.de/
Taysals Abenteuerland: http://rollenspiel.taysal.net/

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