Würfel, Waffen, Weisheitswurf ist eine satirische “Dokumentation” über das Thema Rollenspiel und Rollenspieler; also einfach nur nerdiger Quatsch mit so vielen Insidergags, dass die kaum noch einer versteht. Höchstens Elite-Nerds …
Manchmal hat man einfach so viel kranken Scheiß fabriziert und auf Kamera gebannt, da will man den einfach auf der großen Leinwand sehen. Bevor ich es komplett vergesse, poste ich dann dann mal hier auf den letzten Drücker den Kinotermin.
Mein Film ist übrigens der beste Beitrag im Streifen - jedenfalls bilde ich mir das gerne ein. Vor allem ist WWW – Würfel, Waffen, Weisheitswurf ein Fest für Rollenspieler mit gutem und mit schlechtem Geschmack. Und keine Bange, wer Morgen keine Zeit hat, der kann den Film später noch online sehen. Allerdings gibt es den Cinema Cut nur im Rahmen der BSEntertainment FilmFestSpiele 2011.
Insgesamt 80-90 Minuten Ich-habe-’ne-Kamera-Spaß wird im Cinexx über die Leinwand flimmern. Da gibt es sicherlich einiges zu sagen, aber wen kümmern schon Geschichten über besorgte Senioren, die dachten wir würden einen Bankraub planen oder Anekdoten über fliegende Schnitzel, die versehentlich den fließenden Straßenverkehr trafen? Niemanden! Mich kümmert nur mein kleines Film-Baby: WWW – Würfel, Waffen, Weisheitswurf.
Das Projekt hat nun mehrere Jahre auf dem Buckel und irgendwie war immer etwas daran zu schrauben. Die grundlegende Idee war, im Stil einer TV-Doku der Privatsender, ein oder zwei Szenen zu drehen. Wie das mit Rollenspielgruppen so ist, will jeder irgendwie mitmachen. Und prompt entwickelte sich WWW – Würfel, Waffen, Weisheitswurf zu einem Film mit einer Lauflänge von mehr als zwanzig Minuten, der vielleicht noch als Reality-Doku-Satire durchgehen kann. Der Film ist von Nerds, mit Nerds, über Nerds und für Nerds - mit so vielen Gags, das der Zuschauer dafür einen Insider braucht. Ha, selbst das war ein Insider.
Gezeigt wird der normale Alltag einer Rollenspielgruppe, was ihr Hobby ausmacht, wie sie scheinbar an Realitätsverlust leiden (Schon mal einen echten Überfall ausgewürfelt, hä? Eben!), neue Spieler für ihre Gruppe casten und schlussendlich als geheime Superhelden agieren. Halt der normale Alltag von Quotenspielerinnen, Powergamern, sexuell Gestörten und nervenden Nerds - und der smarte Spielleiter als ruhender Pol. Testvorführungen mit Zuschauern aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten haben ergeben, dass einige Scherze wohl jeder versteht, andere sich nur Rollenspielern eröffnen und manches so speziell ist, dass es wohl keiner versteht. Also ein rundes Paket!
Beim Cast handelt es sich um ausgesuchte Rollenspieler und Freiwillige, die sich nicht schnell genug verstecken konnte. Wir überstanden manch brenzlige Situation (”Hast du die Waffen dabei?”), meisterten auch Nachtaufnahmen (”Sind wir eigentlich alle auf dem Friedhof wenn nur du auf dem Friedhof bist?”) und belustigten das Volk (”Ehrlich, hier fährt sonst nie ein Auto lang.”). Da einige Leute aus dem Staff zur Crew gehörten die damals das Dance-with-me-Video drehten, konnte Backstage sogar ein in der Szene bekannter Sänger für eine kurze Synchro verpflichtet werden. Den Link zum Video gibt es unten. Außerdem gibt es eine Hommage an Monkey Island, Indiana Jones und das Stroh aus dem beliebten Stroh-Video. Ein professioneller Sprecher der ARD (ich war ja für eine professionelle Stripperin, aber irgendwie waren alle anderen dagegen) und Leute, die gar keine Ahnung hatten, was wir von ihnen wollten - aber einen Riesenspaß am Dreh hatten.
Wer Lust auf den Film hat oder ein neues Opfer fürs Riffing braucht, der kann sich Morgen im Cinexx einfinden (wie kurzfristig, das steigert die Spannung) oder wartet auf die Onlinefassung. Bis dahin ein wenig Spaß mit den Reitern und dem Original-Video …
… keine Bennies mehr zu haben. (Nix da mit Wurf wiederholen!)
… ein zugewuchertes Schild am Straßenrand zu übersehen. (”Straße endet!”)
… zu spät auf die Bremse zu treten. (Freiflug!)
… langsam im Fluss abzusaufen. (”Blubb! Blubb!”)
… im ruhigem Gewässer zu melden, Nichtschwimmer zu sein. (”Ich dachte, das ist für die Antarktis unwichtig.”)
P.S. Dank der göttlichen überrascht-entsetzten Mimik des Spielers hatte der Spielleiter ein Einsehen und wandelte den Tod in nach einem Glückswurf in ein schweres Handicap um - was die Dramatik des Abends mehr steigerte, als ein profaner Charaktertod.
Sonntag, Warhammer-40.000-Rollenspiel “Deathwatch”. Obwohl Space Marines keine Eier haben, haben sie dicke Eier bewiesen und befinden sich an Bord einer Festung der Doom Legion, die gerade vom Chaos überrannt wurde. Noch immer gibt es überall Gefechte, die Truppe will sich orientieren und befragt den Kultisten, der sie für Chaos Space Marines hält - was übrigens eine andere Geschichte ist.
Aus Angst niedergemäht zu werden plaudert der Kultist - Frachterpilot und Lagerarbeiter - aus dem Nähkästchen und weist sicherheitshalber darauf hin, was für ein toller Chaos-Kultist er doch ist: “Ich diene dem Chaos aus ganzem Herzen. Ich habe keine einzige der Kisten beschriftet.”
Der Erzbösewicht an sich ist eine garstige Kreatur. Klug genug um finstere Pläne zu schmieden, aber auch doof genug um sich von Helden erschlagen zu lassen. Scheinbar verbringt er Tag und Nacht genau mit diesen beiden Dingen, oder hat er etwa ein Hobby? Flott die Pokerkarten gemischt und eine Karte gezogen!
Joker Zieh noch zwei Karten! Ass (schwarz) Mit den Eiern seiner Feinde Minigolf spielen. Ass (rot)Die Bälle seiner Feindinnen mit Helium aufblasen. König (schwarz) Das Häkeln von Totenkopftischdecken. König (rot) Das Batiken von Kultistenkutten. Dame (schwarz) Haare auf dem Schädel suchen und mit der Pinzette herauszupfen. Dame (rot)Fleißiges polieren von Totenschädeln. Bube (schwarz) Zählen, sortieren und polieren der Opferdolche. Bube (rot) Die kaputten Riemen der Neunschwänzigen ersetzen und testen. 10 (schwarz) Die Liste der aussterbenden Tiere studieren und dann jagen gehen. 10 (rot)Falsche Schatzkarten zeichnen und verlieren. 9 (schwarz) Rollenspiele spielen und am Tisch eine Diskussion über Railroading beginnen. 9 (rot) Schreiben von Bedienungsanleitungen in mehreren Sprachen. 8 (schwarz) Einpacken von Schrauben für einen schwedischen Möbelkonzern. 8 (rot) Herstellung eines Spiels namens “Duke Nukem Forever”. 7 (schwarz) Weiße Kerzen schwarz anmalen. 7 (rot) Sortieren der Stöckelschuhe. 6 (schwarz) Schnitzen eines Zahnstochers aus einem Teakholzbaum. 6 (rot) Sich als Eisbär verkleiden und Robben erschrecken. 5 (schwarz) Gebrauchte Unterwäsche von jungen Helden sammeln. 5 (rot) Lederrüstungen mit Zielscheiben nähen und im Elfenwald “verstecken”. 4 (schwarz) Monster-Sammelbilder mit anderen Bösewichtern tauschen. 4 (rot)Fallen entwerfen und von unliebsamen Untergebenen testen lassen. 3 (schwarz) Bart ankleben und zur Steinigung gehen. 3 (rot) Mit Maske und Gummimesser in billigen Horrorfilmen mitspielen. 2 (schwarz) Schönen Heldinnen Papiertüten über den Kopf ziehen. 2 (rot) Zufallstabellen schreiben.
Bei einer der letzten Spielsitzungen habe ich die Brieftexte aus dem Abenteuer zwischen Brötchen und Dusche lieblos übersetzt und in Ermanglung einer Schere einfach vom Blatt gerissen und eingepackt. Als ich das erste Zettelchen dann an die Gruppe gab meinte eine der Spielerinnen zu mir:
Wow, dass Du dir so viel Mühe gibst die Handouts so schick zu gestalten. Das finde ich aber gut.
Ich habe dann mal nichts dazu gesagt, mich einfach schweigend über die Anerkennung gefreut und mir vorgenommen, beim nächsten Mal wirklich einen schicken Handout zu gestalten.