Eine Welt in der Hölle 20 – Eure Majestät, der Mob ist da

Die Gruppe näherte sich immer weiter dem Finale der offiziellen Kampagne an. Nur noch wenige Abenteuer und sie würden die ganze Wahrheit kennen und mit ihren Charaktere den Hintergrund entscheidend verändern – was sie bis jetzt auch schon getan hatten. Und genau das macht den Reiz an dem Spiel aus: Das es bereits von Seiten der Macher vorgesehen ist, die Welt nachhaltig zu verändern. Klar, jede Gruppe kann die Spielwelt zu ihrem Ding machen, aber die wenigsten Hintergründe gehen tatsächlich darauf ein und unterstützen gar diese Bemühungen. Ich denke das kann aber auch nur so gut funktionieren, weil „Savage Worlds“ und „Sundered Skies“ so viele Lücken für eigene Ideen lassen. Ein Spiel und eine Welt mit mehr Feinabstimmung und Details wäre sicherlich ungeeignet, da sich dann zu viele Zahnräder im Getriebe befinden, die zusammenarbeiten. Bisher liebe ich den einfachen Motor von „Savage Worlds“ & Co., der einfach zuverlässig seine Arbeit erledigt.

Da standen die tapferern Helden nun und machten sich auf den Weg zur Fleischschmiede. Mit einem mal überkam Londalas ein merkwürdiges Gefühl, vor allem nachdem er eine Statue im Rosengarten sah, die ihm fast vollkommen glich. Und nun erinnerte er sich wieder, erinnerte sich an seine Herkunft, seine Missione und seine Göttin. Londalas war niemand anderes als Atyrigass, der Großinquisitor des Elfenhofs und Kommandant der Eichendornen. Er selbst hatte beschlossen seine Erinnerungen zu verschleiern – und zwar so vollkommen, dass er selbst keine Ahnung mehr von seiner wahren Identität hatte. Ausgestattet mit einem falschen Traum des Rabenstabs sollte er die Astbrecher unterlaufen und – sobald die Zeit und seine Erinnerungen gekommen waren – vernichten, endgültig ausradieren.

Tja, wer hätte das gedacht, dass ich die Idee einfach bei „Total Recall“ klaue. Okay, eigentlich lag es ja auf der Hand. Und um die Versuchung vollkommen zu machen, schob ich dem Spieler von Londalas diese Information auf einer Karteikarte zu – inklusive einigen unmoralischen Angeboten. So Sachen wie ein weiteres Talent, Machtpunkte, Zauber und ein Seelenband zur Weidenkönigin. Das war sozusagen als letzte Rettung für die Gruppe, aber auch für Londalas gedacht. Würde einer von beiden sterben, nähme er den anderen mit.

Londalas war schockiert von diesen Erinnerungen und im ersten Augenblick hin- und hergerissen. Die Versuchung war groß, doch in den letzten Jahren hatte er viel neue Dinge gelernt, echte Freundschaften geschlossen, die Welt mit anderen Augen gesehen und wusste auch, dass seinem Volk der Untergang drohe, sollten die Helden scheitern. So bekannte er sich zu seiner Vergangenheit, zeigte aufrichtige Reue und schwor die Mission zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.

Schnief, wie dramatisch!

So ging es weiter und am Tor zur Fleischschmiede stand die Torwache, um die Eindringlinge aufzuhalten. Nun nutzte Londalas die Gunst der Stunde und trat tapfer vor. Als Großinquisitor verlangte er Eintritt und befahl den Wachen, die Truppen am Tor zu verstärken. Die Elfen folgten dem Befehl irritiert und so konnten die Helden zur Fleischschmiede hinab. Als sie jedoch durch das Tor traten, stellte sich ihnen die Weidenkönigin entgegen. Vor allem für Londalas bedeutete das ein Zwiespältiges Gefühl. Doch der tapfere Elf erkannte seine wahre Bestimmung und gemeinsam mit seinen Freunden stürmte er in den Kampf.

Tja, was soll ich sagen. Merkwürdigerweise sind meine normalen Monster und Spielleitercharaktere meist tödlicher als meine fiesen Bösewichter. So war es auch hier und ich gönne es meinen Spielgruppen ja auch. Glück darf, kann und sollte jeder haben. Jedenfalls war die Weidenkönigin für meine Spieler nur ein Snack auf dem Weg zum wahren Monster.

Die Helden stürmten mit gezogenen Waffen vor und brachten die verblüffte Weidenkönigin schnell zu Fall. Gemeinsam stürmten sie voran, um den Rabenstab zu erobern. Und kaum hielten sie das Relikt in ihren Händen, offenbarte sich ihnen die kranke Natur des Blattfürsten und die Falschheit dieses Götzen. Hier war die Gelegenheit endgültig mit dem Bösen abzurechnen, dass die Elfen in die irre führte.

Während die anderen von hinten Deckung gaben und den Blattfürsten mit Magie angriffen, stürmten Smaragd und Krusk vor, um dem Monster im Nahkampf zu begegnen. Sie warfen sich mit allem Mut dem Avatar des Blattfürsten entgegen, dem fleischgewordenen Dämonen in Baumgestalt, und erklommen ihn. Smaragd hatte eine Schwachstelle gefunden und das war nun Ziel der Helden. Der Blattfürst versuchte alles, um die an ihm klebenden Schädlinge loszuwerden, doch es misslang ihm. Mit einem heftigen schlag bereitete Krusk dem Dämon ein Ende – und der falsche Glaube in den Herzen der Elfen erlosch.

Gemeinsam verließen die Helden die Fleischschmiede, vorbei an verdorrten Blättern und morschem Holz. Die Kämpfe endeten von einem Augenblick zum Anderen und in den Gesichtern der Elfen war deutlich die Scham zu erkennen, fehlgeleitet schreckliche Dinge getan zu haben. Die Elfen waren einem falschen Gott gefolgt und erkannten es nun. Doch ihre Niederlage war gleichzeitig ein Sieg, denn sie hatten wieder zu sich selbst gefunden, hatten ihre Freiheit wiedererlangt und konnten ihrer wahren Natur folgen. Endlich.

Hui, eine spannende Spielsitzung. Wenigstens der Kampf gegen den Blattfürsten war ziemlich hart. Aber mit Glück und Zusammenspiel wurde der Dämon doch vernichtet und in der Kampagne ein wichtiger Punkt abgeschlossen. Immerhin wurde Gott der Elfen vernichtet, wenn auch ein falscher Gott. Somit ändert sich an dieser Stelle gravierend das Setting, was ich ziemlich toll finde. Für mich ist es einfach klasse, wenn die Spielgruppe die Welt verändern kann. Das lasse ich stets zu, aber selten wird dieses Vorgehen so stark unterstützt wie hier. Im Grunde sind die Settingregeln dadurch ein dynamischer Teil des Settings und tragen zur Lebendigkeit der Spielwelt bei. Klasse!

5 Kommentare

  • Hey danke für diesen Spielbericht! Hab in meinen Feeds regelmäßig Ausschau nach der Fortsetzung deiner „Welt in der Hölle“ gehalten.
    Gerade die Mischung aus Spielbericht und SL-Gedanken finde ich spannend 🙂

  • Vielen Dank für den Bericht. Hab in meinem RSS-Reader regelmäßig Ausschau nach einer Fortsetzung deiner „Welt in der Hölle“ gehalten 🙂 Die Kombination von Bericht + SL-Gedanken ist top!

    Grüße
    Ootmann (derzeit begeistert)

  • Okay mein erster Kommentar wurde also doch angenommen. Gut, dass ich mir nicht widersprochen habe 😉

    Ootmann (im Moment peinlich berührt)

  • Ich nehme eigentlich alle Kommentare an, auch Kritik etc. Allerdings muss alles von mir freigegeben werden, falls mal etwas gesetzwidriges dabei ist. Muss ja alles seine Ordnung haben. 🙂

    Freut mich jedenfalls, dass Du begeistert bist. 😀

  • Ah, ich war einen Moment ob Deiner Kurzberichte von der neuen Kampagne verwirrt. Coole Session und schöne Idee, den Spieler mit ingame-Belohnungen heraus zu fordern. Das werde ich mir merken. Das Offene hattest du ja zuvor schon erwähnt und das ist genau das, was mich an dem setting reizt. Da Joni aber das Buch schon hat und ich so direkt eh keine passende Gruppe habe, kaufe ich es erstmal noch nicht.

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