Resorbium 09 – Ich bin Legende

Diesmal ein wenig früher und auch wieder mit einigen Schnappschüssen der Spielszenen, die wir hatten. Da die Spieler ein wenig später eintrafen, blieb genug Zeit zum Aufbauen – was natürlich niemand wirklich machte. Stattdessen wurde die Zeit mit anderen lustigen Dingen verbracht. Schlussendlich war dann doch alles fertig, aber leider fehlten einige Ausrüstungskarten und die Trifolds der Überlebenden. Das legt die Vermutung nahe, dass wir die Gruppenmodelle sorgfältig wegpackten und sicher irgendwo aufbewahrten – wo sie nun niemand mehr findet. Also muss das Zeug neu gemacht werden. Zum Glück sind es ja keine Plastimodelle oder gar teure Zinnmodelle.

Die Überlebenden hatten sich also mit Professor Schmidt unterhalten, einiges an Ausrüstung bekommen – unter anderem auch ein Satellitentelefon – und waren bereit, sich auf den Weg nach Finkenwerder zu machen. Richard nahm kurz vorher Kontakt mit dem Stadion auf und stellte sicher, dass im Notfall ein Hubschrauber die Überlebenden abholen würde. Eine generelle Flugerlaubnis wurde ihm allerdings verweigert. Wäre ja ansonsten auch zu einfach die Sache.

Mit dem Wagen und der PaK im Schlepptau ging es also erst einmal runter zum Wasser. In der Nähe gab es einen Feinkostladen, der von Sebastian Rainer betrieben wurde. Der Laden führte exquisite Lebensmittel und war Erwin gut bekannt. Leider hatte Rainer den Laden geschlossen und einige Zombies wankten vor der Türe herum. Die wurden erst einmal niedergeschossen (einer der Zombies kam Richard aus dem Fernsehen bekannt vor, aber schon war der Kopf weggeschossen), dann klingelte Marcel. Immerhin hatten die Überlebenden eine Bewegung am Fenster bemerkt. Also musste jemand Zuhause sein. Aber noch immer öffnete niemand die Türe. Stattdessen wurde die Gegensprechanlage betätigt und ein Unbekannter bemerkte in gebrochenem Deutsch, dass Herr Rainer abwesend sei.

Erwin war klar, dass musste der illegale Hausdiener des Ladenbesitzers sein, über den sich seit einigen Monaten die Nachbarschaft den Mund zerriss. Mit ein wenig Druck und harten Worten überzeugte der alte Mann den Koreaner, die Türe zu öffnen. Kurz darauf deckten sich alle mit leckeren Köstlichkeiten ein. Vor allem mit Dosen und besonders haltbaren Lebensmitteln. Außerdem ließen sich die Überlebenden den Bootsschlüssel Rainers geben. Als Mann von Ehre legte Erwin natürlich das Geld für die Sachen und eine kurze Notiz auf den Tresen. Zu Fuß ging es dann weiter zur Anlegestelle, die auf der anderen Straßenseite war. Zwar wankten noch einige Zombies hier und da über die Straße, aber sie nahmen von den Überlebenden keine Notiz.

Marcels Spieler hatte übrigens den Laptop eingeschaltet und sich die Gegend in Google-Earth aufgerufen, um sich mittels Streetview ein wenig umzugucken. Das ist zwar ganz witzig, zerstört aber die Vorstellungskraft und die freie Gestaltung. Immerhin handelt es sich ja um ein alternative Welt. Das sorgt dafür, dass ich ganz offiziell machen kann was ich will. Schlussendlich wurde das Programm wieder beendet. Sich an der Realität orientieren ist in Ordnung, sie im Spiel darzustellen eine schlechte Idee. Zu schnell läuft etwas aus dem Ruder und entwickelt sich eine Eigendynamik, die nur mit Willkür in Grenzen zu halten ist.

Während Johann, Richard und Tina die vertäuten Boote abklapperten – um zu sehen wo der Schlüssel passt -, beobachteten Erwin und Marcel die Gegend. Im Hafen tuckerte ein Fischkutter, dem die beiden Männer winkten. Prompt drehte der Kahn bei und hielt auf die Anlegestelle zu. Der Kutter war die Elsa, die Kapitän Petersen gehörte. Er und seine beiden Söhne fischten mit einem Netz die Toten und auch noch zappelnde Zombies aus dem Wasser, um sie im Bauch der Elsa sicher zu verwahren und später irgendwo zu entsorgen. Immerhin wäre es doch ein schrecklicher Anblick, trieben die vielen Körper im Hafen herum.

Petersen war froh jemanden zu sehen und bereit zu einem kleinen Plausch. Er hatte zwar keine besonders hilfreichen Informationen, war aber bereit den Überlebenden zu helfen. Sie sollten ihn einfach nur rufen, er würde dann kommen und sie gerne mit der Elsa herumfahren.

In der Zwischenzeit hatte die drei anderen festgestellt, dass der Schlüssel zu keinem der Boote passte. Kein Wunder, ich hatte mit einem Würfelwurf im Vorfeld ermittelt, dass es sich um den Ersatzschlüssel handelt. Das Boot des Ladenbesitzers war gar nicht da. Also hantierte Richard an einem der Boote herum und schloss es kurz. Das war die leichtere Übung, das Boot fahren war etwas schwerer. Glücklicherweise war er ein Ass und sehr talentiert im Umgang mit Fahrzeugen jeglicher Art. So kamen die Überlebenden sicher auf Finkenwerder an.

Nach einem kurzen Fußmarsch standen sie dann vor der Forschungseinrichtung der Bayer Schering Pharma AG. Das Gelände wurde von einem hohen Metallzaun umschlossen, der zudem unter Strom stand. Überall gab es Wachkameras. Erwin merkte an, dass es sich wohl kaum um eine normale Forschungseinrichtung handeln würde. Marcel griff nun zum SAT-Telefon und wählte Schmidts Nummer, während Johann versuchte die Fenster des kleinen Wachhäuschens einzuschlagen. Tina stellte zu dem Zeitpunkt fest, dass eine Meute Rottweiler – wie bei Schmidts Villa größer als ihre Artgenossen – verängstigt über das Gelände hetzte.

Marcel erkundigte sich bei dem Professor, wie das Tor zum Gelände zu öffnen sei. Schmidt erklärte nochmals, dass dafür die rote Schlüsselkarte durchs Magnetschloss zu ziehen und anschließend ein Bestätigungscode einzugeben sei. Nochmals tief durchgeatmet, dann betraten die Überlebenden das Gelände. Bis zum Eingang des Haupthauses waren es knapp fünfzig Meter, als um die Ecke die Hunde zurück kamen. Sie ignorierten allerdings die Überlebenden und flitzten verängstigt um die nächste Ecke. Marcel lief sofort zum Gebäudeeingang, während die anderen in die Richtung blickten, aus der die Hunde gekommen waren.

Und mal wieder ist sehr gut zu erkennen, dass Rollenspiele eine andere Dramatik haben als Romane oder Filme. Dort wären die Helden wahrscheinlich stehengeblieben und hätten den Hunden hinterhergeblickt. Das sind die kleinen, aber feinen Unterschiede.

Fünf Zombies kamen um die Ecke. Jedoch keine der üblichen Infizierten. Sie waren sehr schnell, rannten koordiniert los und machte zwischendurch kleine Sprünge. Einer von ihnen trug einen orangenen Overall, die andere waren als ehemalige Mitglieder vom Wachdienst zu erkennen. Der Orangene stieß sich vom Boden ab, sprang mit einem Satz mehr als zehn Meter durch die Luft und prallte gegen Marcel, in dessen Körper er dann seine Krallen schlug. Marcel ging unter der Wucht des Ansturms zu Boden und wurde regelecht festgepinnt.

Johann erkannte die Situation und rannte los. Der Karatelehrer hielt in seinen Händen das Katana und ein scharfes Taschemesser aus Erwins Besitz und Jugendtagen, mit dem er nun den Zombie auf Marcel bearbeitete. Allerdings erwies sich die Kreatur zäher als gedacht und wehrte die Angriffe Johanns mit seinen Klauen ab, während nun auch die anderen Zombies heransprangen. Johann spießte den ersten Zombie noch in der Luft mit seinem Katana auf, während Marcel ängstlich schrie: „Hunter auf mir! Hunter auf mir! Hilfe!“ Der Karatelehrer hatte jedoch alle Hände voll zu tun, um die anderen Zombies auf Distanz zu halten, während Erwin das schwere MG auf den Boden plumpsen ließ, dabei das Zweibein aufbaute und in die Menge schoss.

Natürlich, das war eine riskante Sache und das Maschinengewehr in der ganzen Gegend zu hören, allerdings brachte es auch den gewünschten Erfolg. Tina erledigte mit ihrer Waffe den Rest und Johann hieb den Zombie von Marcel herunter. Schnell krabbelte Marcel unter dem Zombie hervor und öffnete die Türe zu dem Gebäude. Alle Überlebenden huschten hinein und die Türe schloss sich automatisch.

Auch hier war niemand zu sehen. Allerdings gab es Wachmonitore für die Außenkameras und einen Computer mit Bildschirmschoner, der mittels Passwort gesichert war. Richard entdeckte auch die Leiche des hier zuständigen Wachmanns – die Kehle aufgeschlitzt.

Die Überlebenden beschlossen den Computer zu benutzen, hatten aber kein Passwort. Erwin setzte sich nun daran und versuchte sein Glück. Immerhin hatte er in der VHS einen Kurs besucht und erinnerte sich genau an die Worte des jungen Mannes vom CCC, der den Kurs leitete: „Ältere Leute neigen zur Vergesslichkeit oder gar Demenz. Es kommt bei Senioren häufiger vor, dass Passwörter vergessen werden. Falls das passiert, können sie folgendes versuchen (…)“.

Ich fand die Sache witzig. Zudem gab es auf dem Rechner keine sensiblen Daten und ich wollte ja auch, dass die Überlebenden die Möglichkeit haben den Computer zu bedienen. Für ein einfaches gesichertes System und mit der schönen Begründung warum – und vor allem – Erwin das wusste, war dann eine normale Wissensprobe mit einem Malus von -2 nötig. So war die Szene für alle spannender als mein ursprünglicher Plan. Der sah nämlich vor, einen der Überlebenden zufällig einen Zettel mit dem Passwort finden zu lassen.

Kaum war das Passwort geknackt, konnten die Überlebenden durch die Außenkameras klicken, die Besucherlisten einsehen und hatten auch Zugriff auf die Telefonlisten. Während Richard zusah wie die herankommenden Zombies aus dem Wohngebiet gegen den Zaun liefen und zu tanzen begannen, wählte Marcel die Nummer von Schmidts Büro in der Einrichtung. Tatsächlich, das Kindermädchen nahm den Hörer ab.

Erna Krainer hatte nun keine Ahnung was in der Außenwelt genau vorgegangen war. Sie erzählte etwas von einem Zwischenfall in der Anlage und war froh, dass jemand kam um Eva abzuholen. Erna beschrieb Marcel den Weg. Nun machten sich alle auf die Socken nach unten: Sub-Level 4.

Niemand traute den Fahrstühlen, deswegen wählten die Überlebenden das Treppenhaus. Es ging nun vier Stockwerke in die Tiefe und die Überlebenden wunderten sich, wie die Forschungseinrichtung aufgebaut war. Dann erreichten sie die unterste Ebene. Hier gab es etliche Zellen, die mit Nummern versehen waren. Erwin öffnete einen der Beobachtungsschlitze und sah einen Zombie in der Zelle hocken. Die Kreatur sah jedenfalls den üblichen Infizierten sehr ähnlich, wirkte aber klüger und schien zu lauern.

Erwin klopfte gegen die Türe und provozierte prompt eine Reaktion des Zombies: Der sprang vor und schlug wild gegen die Zellentüre. Tina zog nun ihre Waffe und schoss den Zombie durch die Türe über den Haufen. Sofort prügelten auch die Zombies in den anderen Zellen gegen ihre Türen und Tina versuchte weitere Infizierte zu erledigen. Diese merkten schnell was passierte und hockten sich so in ihren Gefängnissen hin, dass sie im toten Winkel waren.

Die Überlebenden erkannten langsam, das Professor Schmidt wohl mehr als ein harmloser Wissenschaftler war. Marcel machte sich Sorgen darüber, dass alle Zellen mittels computergesteuerten Magnetschlössern gesichert waren. Dann, kurz vor Schmidts Büro, gab es vier weitere, allerdings offene Zellen. Diese besaßen keine Nummern, sondern Namensschilder: Adam, Kain, Judas und David. Sie waren leer und das Fehlfunktionslämpchen der Schlösser blinkte hektisch. Jenseits der Zellen war nun die Türe zu Schmidts Büro. Richard streckte die Hand nach vorne aus, packte den Griff und öffnete die Türe …

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