Deadlands: Reloaded 03 – 5 Minutes to Midnight

Der Einstieg in Deadlands: Reloaded ist nun getan, die Spieler weitgehend bei der Sache. Nach dem Abenteuer aus dem weltweiten Netz wird es Zeit, mit meiner eigenen kleinen Kampagne zu beginnen: 5 Minutes to Midnight. Hintergrund zu den Abenteuern und zur inspirierenden Musik sind wohl offensichtlich oder werden es bald. Da nicht alle Spieler anwesend waren ging es mit nur kleinen Besetzung los.

Violet sprach bei Seth Fields vor, dem Besitzer des Black-Soul-Saloons und größter Fisch der Stadt. Der hatte aber keine Lust auf ein kleines Gespräch und war vom Anblick der Ostküstenhure wenig angetan. Scheinbar lenkten ihn ganz andere Probleme ab.

Jack Jones hatte einen kleinen Claim gekauft und scheinbar ein Schnäppchen gemacht. Jedenfalls fand er einen leeren Lederbeutel und ein Dutzend Nuggets. Er war wohl auf eine echte Goldmine gestoßen und auf dem Weg zum Reichtum. Also Ritt er zurück in die Stadt, um im Black Soul einen Nugget zu verkaufen. Davon konnte er sich einen guten Whisky leisten. Wurde Zeit, das Geld auch anderweitig unter die Leute zu bekommen. Also ging Jack zu Westwood Freights. Dort hatte Willy MacBaine einen Job angenommen. Er saß mit seinem Kollegen Old Henry auf der Veranda und besah sich nur das Stadttreiben. Old Henry besah sich lieber seine Flasche, denn er trank gerne ein Schlückchen.

Als nun ein paar dahergelaufene Schläger einen der Einwohner schubbsten und sich dadurch provoziert sahen zuzuschlagen, mischte sich MacBaine augenblicklich ein. Da stand der Texaner nun und ihm vier miese Typen gegenüber. Einer gegen vier – bis sich Jack zu seinem Kumpel stellte. Zwei gegen vier. MacBaine versuchte die Sache friedlich zu lösen und schlug seinen Mantel zurück, um seine Knarren zu zeigen. Jedem sollte klar sein, dass dieser Mann zu Ende brachte was er anfing. Doch genau Heute hatten die miesen Typen ihren mutigen Tag und beleidigten MacBaine und Jack als dumme Texaner.

Genau das hörte Julie Strow, ebenfalls eine Texanerin. Sie war gerade in die Stadt gekommen und saß nun auf ihrem treuen Gaul Jack, als sie die Worte hörte und sich ebenfalls beleidigt fühlte. Sie kniff die Augen zusammen und sah verschwommen die Straße hinunter. Das Augenlicht war auch schon mal besser gewesen. Aber wenigstens hatte sie es noch – im Gegensatz zu ihrem linken Bein.

Schon wurden die Knarren gezogen und die blauen Bohnen flogen. Zwei der Schlägen waren bereits tot, bevor sie überhaupt ihre Holster erreichten, die beiden anderen kamen gerade so zum Abdrücken, verrissen aber im Todeskampf. Einer hielt etwas länger aus und MacBaine beugte sich zu ihm hinab. Der Cowboy wollte wissen, für wen die Schläger arbeiteten. „Cru-Crunch“, kam es dem Sterbenden über die Lippen, dann war es vorbei. Na ja, selber Schuld. Ein paar Freiwillige räumten nun die Leichen weg, immerhin sollte die Hauptstraße sauber und frei bleiben.

Die Texaner machten sich kurz bekannt, dann ritt Julie zum Black-Soul-Saloon hinüber. Absitzen und eine Unterkunft für die Nacht nehmen. Natürlich sorgte ihre Erscheinung für gehörige Aufmerksamkeit und schon musste die zielsichere Schützin erzählen, um was es sich bei der Schießerei gedreht hatte. Für die Übernachtung oder einen der vielen Whisky musste die Texanerin diesmal nichts zahlen.

Willy und Jack unterhielten sich noch auf der Straße, als ein geschniegelter Typ die Straße daher kam und sich als Ismael Crunch vorstellte. Crunch entschuldigte sich für das Benehmen seiner Männer und erklärte, er kaufe Land in der Gegend auf und seine Leute wären wohl etwas zu forsch gewesen. Land kaufen? Jack witterte sofort ein Geschäft und schon wechselte ein Claim seinen Besitzer. Ein satter Gewinn für Jack Jones. Der hatte nun kein Land mehr, aber dafür die Taschen voller Silberdollar.

Der Tag ging also gütlich und mit Gewinn zu Ende – doch bereits am nächsten Morgen gab es schlechte Nachrichten. Mann hatte hinter dem Gebäude des Pioneers die alte Hure Sally „Quick“ Sanders gefunden – aufgeschlitzt wie ein Schwein. Das verstimmte Fields enorm, hatte das alte Mädchen doch in seinem Saloon gearbeitet. Also machte er mit Julie einen Deal aus: „Finde den Mörder der alten Quick und du zahlst hier eine Zeit lang nichts.“ Julie schlug ein.

Zuerst einmal graste sie die üblichen Verdächtigen ab. Ihr fiel die neue Hure in der Stadt ein, vielleicht wollte die eine Konkurrentin aus dem Weg räumen. Aber Violet hatte ein Alibi. Sie war die Nacht daheim gewesen, was Jack Jones bestätigen konnte. Immerhin hatte er dort ein Zimmer zur Untermiete genommen. Also beschloss Julie, sich die Leiche genauer anzusehen.

Man hatte die alte Quick in die Chinesengasse gebracht. Dort landeten alle Toten, für die niemand eine richtige Beerdigung zahlen wollte oder die verschwinden sollten. Julie traf mit Metzgermeister Mister Wang zusammen, der kaum ein Wort Englisch sprach und immer wieder nur „Schwein, Quick, Quick, Schwein“ sagte. Irgendwann begriff Julie und sah sich das Schweinegehege genauer an. Tatsächlich, da lag noch der angenagte Fuß der alten Quick und einige Därme, die jemand zu einem Zopf geflochten hatte. Na ja, keine verwertbare Spur mehr da.

In der Zwischenzeit übergab John Westwood seinen Laden in die treuen Hände seines neuen und zuverlässigen Angestellten Willy. Der alte Mann wollte einige geschäftliche Sachen erledigen und sah in Willys Augen, dass man diesem Texaner vertrauen konnte. Vor allem sollte Willy auf Old Henry achtgeben, denn der alte Suffkopp neigte zu spontanen Aktionen. Deswegen hatte man ihm auch die Patronen aus dem Colt genommen. Sobald Westwood im Zug saß schloss Willy den Laden ab, schnappte sich Old Henry und die beiden begannen mit einer Sauftour.

Auch Violet war sehr geschäftig und traf mit Charles River, dem Besitzer des Seven-Up-Saloons eine Vereinbarung: Sie bekam das kleine Hinterzimmer als Arbeitszimmer und die Gäste des Saloons bekamen eine schnelle Nummer zu günstigen Preise. „Die Masse macht’s“, lautete Violets Motto. Das freute vor allem Old Henry, der Violets Dienste sofort in Anspruch nahm, bevor er lostorkelte um noch eine Bahn zu schwimmen. Und das in Steins, der Stadt ohne Wasser. Willy war jedenfalls schon los, um am nächsten Tag einen klaren Kopf zu haben.

Früh am nächsten Morgen fand Westwood Old Henry am Wassertank des Bahnhofs. Jedenfalls einige Teile. Andere Teile waren im Tank. Sofort war die ganze Stadt auf den Beinen, um sich die eklige Sache anzusehen. Allen voran Julie, die erst einmal die zu einem Zopf geflochtenen Gedärme von Old Henry einsammelte. Willy ließ sich den Kopf vom Tank herunterreichen, um diesem eine gute Beerdigung zu ermöglichen. Zu allem Übel war Blut ins Wasser geflossen und so musste sich alles erst einmal einen Tag lang absetzen. Also gab es heute nur Whisky.

Jack nutzte die Zeit, um bei Crunch im Firestarter-Hotel vorzusprechen. Der wohlhabende Geschäftsmann suchte sicherlich noch einen guten Cowboy und Jack wollte seine Dienste anbieten. Schnell bemerkte er aber, dass Ismael Crunch ein übler Typ war. Ohne mit der Wimper zu zucken schoss er beim Frühstück den sturen Scatter über den Haufen, weil der seinen Claim nicht verkaufen wollte. Crunch schnippte etwas Blut vom Rührei und gab dann seinen Männern den Befehl, die Scatter-Söhne zu erschießen. Somit würde der Claim wieder frei. Mit Genuss aß Crunch dann weiter.

Jack machte sich vorsichtshalber auch vom Acker und suchte Willy MacBaine auf, um ihm davon zu erzählen. Ein Texaner wie Willy kann so etwas nicht dulden und schon war das kleine Aufgebot unterwegs, um die Scatters zu retten. Julie und Violet hatten sich den beiden angeschlossen und das Quartett der Gerechtigkeit ritt auf zwei Pferden und einem Muli zur Hütte der bedrohten Familie. Und da war einiges los.

Crunch hatte außerhalb der Stadt eine ganze Meute von Leuten, die nur auf ihren Einsatz warteten. Mehr als zwanzig Cowboys hatten die Hütte der Scatters aufs Korn genommen und schossen die Bude langsam zusammen. Sofort saß das Aufgebot ab und eröffnete ebenfalls das Feuer. Es war ein wahrer Kugelhagel, doch ein mieser Cowboy nach dem anderen hauchte sein Leben aus, bis schlussendlich der Boss den Befehl zum Rückzug gab. Doch er kam nicht weit. Julie schwang sich auf den Rücken ihres treuen Gauls, ritt hinterher und pustete den fiesen Kerl aus dem Sattel. Die Scatter-Boys waren gerettet und das Aufgebot konnte zurück in die Stadt. Immerhin musste noch ein Mord aufgedeckt werden.

Leider hatte noch immer keiner eine Ahnung, wer hinter der Sache stecken konnte. Vielleicht die Gründerväter Steins? Immerhin war die kleine Stadt vor fünf Jahren von einem desertierten Nordstaatler namens Lieutenant Albert Steins gegründet worden, in dem er hier sein Versteck aufschlug. Kurz darauf schlugen ihm die Apachen seinen Kopf auf und wurden wiederum von Seth Fields aufgeknüpft, als der mit seinem Treck hier entlangkam und beschloss, diese Ecke an den Schienen tauge wunderbar zum Siedeln. Allerdings war diese Theorie Julies irgendwie unhaltbar.

Der Tag verging ohne weitere Zwischenfälle. Willy MacBaine beschloss, dass er den Mörder von Old Henry stellen würde. Schwer bewaffnet und alleine stiefelte er in der Nacht los. Als der Texaner an der Chinesengasse vorbeikam, hörte er einen erstickten Ruf und eilte sofort hin, um nach dem Rechten zu sehen. Tatsächlich! Eine dunkle Gestalt hatte eine andere dunkle Gestalt von hinten gegriffen und zerrte sie weg.

„Stehen bleiben, Texaner!“ forderte Willy und zog seinen Revolver. Der Fremde stieß sein Opfer weg und kam langsam auf MacBaine zu – es war Ismael Crunch, in seiner Hand ein scharfes Rasiermesser. Eindeutig die Mordwaffe. Augenblicklich gingen beide Männer aufeinander los. Stets im letzten Augenblick konnte sich Willy unter einem Hieb des Messers wegducken und antwortete mit einem Schuss aus seiner Waffe. Aber auch Crunch war geschickt und in seinen Augen funkelte ein mörderischer Bludurst. Doch der Texaner war einfach besser …

Crunch wanderte zu den Schweinen und Steins war sicher. Das erzählte Willy am nächsten Tag seinen Freunden – sehr zu Julies Bedauern. Immerhin hatte sie nun keine Beweise, die sie Fields vorlegen konnte. Die waren im Magen der Schweine verschwunden. Zu Willys Freude hatte jemand Unbekanntes in der frühen Morgenstunde einen Beutel mit frischen Koteletts auf die Stufen von Westwood Freights gelegt. Jedenfalls die Verpflegung war gesichert. Die würde er auch brauchen.

John Westwood hatte eine Lieferung Werkzeug und Saatgut für Eastman’s Creek. Eigentlich wollte jemand das Material abholen kommen, aber bisher hatte sich niemand gemeldet. Also sollte Willy den Ochsenkarren nehmen und die Waren nach Eastman’s Creek zum Bürgermeister bringen. Westwood Freights würde das halt in Rechnung stellen. Bevor das Aufgebot aufbrach wurden sie Zeugen, wie eine Arbeiterkohorte Iren aus Santa Fe eintraf. Scheinbar war Crunch Strohmann für den texanischen Minenmagnat Haste gewesen, der hier nun eine große Mine errichten wollte. Das roch nach Ärger.

Die Fahrt nach Eastman’s Creek sollte zwei Tage nach Norden hoch dauern und die Gegend galt als gefährlich. Also bat Willy seine Freunde doch mitzukommen. Gemeinsam hätte man sicherlich Spaß und es gäbe den ein oder anderen Dollar. Auch Violet war mit von der Partie, konnte sie doch auch in einer anderen Stadt für sich werben und die dortigen Ehemänner vielleicht zu einem heimlichen Besuch im Seven-Up einladen.

FarmhouseDer erste Reisetag verlief harmlos und auch die Nacht war angenehm. Am Morgen des zweiten Tags kam das Aufgebot jedoch an einer einsamen Farm vorbei, die verlassen wirkte. Jedenfalls drang kein Rauch aus dem Kamin. Vorsichtig näherten sich die vier der Farm, die von einem mit Stacheldraht umwickelten Zaun umgeben war. Vier Leichen hatten sich in dem Draht verheddert: Die Farmersfamilie!

Willy schluckte und zog seinen Revolver. Ihm war klar, dass sich wohl etwas Schreckliches im Haus befinden musste und die Farmer in den sicheren Tod getrieben hatte. Vorsichtig, Schritt für Schritt, näherte er sich dem Haus. Julie blieb in sicherem Abstand zurück, um Deckung zu geben. Jack fuhr mit dem Karren bis auf drei Schritte ans Gatter heran, während sich Violet die Toten genauer ansah.

Diese glichen blutleeren Hüllen, der Stacheldraht tief in die Haut gebohrt. In dem Augenblick jedoch, als Willy seinen Fuß auf die Schwelle des Hauses setzte, löste sich der Draht von alleine aus den Toten und begann mit wellenartigen Bewegungen. Verdammt! Blutdraht!

Die ganze Farm war von diesem Zeug umgeben und Willy beschloss sich im Haus zu verschanzen. Er rannte unters Dach und sah aus dem Fenster hinaus. Von hier aus erhoffte er sich einen guten Verteidigungsstand. Draußen tobte das Chaos!

Violet wurde von einem Teil des Drahtes angegriffen und konnte im letzten Augenblick wegspringen. Jack sah die Hure in Gefahr und stürzte sich auf den Blutdraht, um sich augenblicklich darin zu verheddern. Die Ochsen, nun ohne Führung, gingen panisch durch. Der sperrige Karren ließ nur eine Richtung zu und so brachen die Ochsen nach vorne aus. Sie kamen bis zum Haus, dann schlang sich der Draht um sie und begann die Tiere auszusaugen. Weitere Blutdrahte hatten den Weg aufs Dach gefunden und hangelten sich nun ins Gebäude hinein. Willy war ihnen eindeutig unterlegen.

Julie saß in sicherer Entfernung auf ihrem Jack und zog den Revolver. Sie kniff beide Augen zusammen, zielte kurz und drückte ab. Sie könnte problemlos als Kunstschützin auftreten. Eine Kugel nach der anderen zerfetzte Drahtstücke – doch für Texaner Jack kam jede Hilfe zu spät. Gurgelnd hauchte er im Draht sein Leben aus. Und auch Texaner Willy war mehr als angeschlagen. Nun galt es für beide Frauen wenigstens einen der Männer zu retten.

Während Julie den Weg freischoss, rannte Violet auf die Farm und prügelte mit ihrem neuen Schirm einen der Drahte zur Seite, dann lief sie den schräg stehenden Karren hoch und sprang durchs Fenster neben Willy. Sie knüppelte die blutsaugenden Kreaturen weg und trat Willy durchs Fenster auf den Karren, bevor sie hinterhersprang. Endlich konnte sich der Texaner wieder besinnen und gemeinsam rannte sie aus der Umzäunung, während Julie weiterhin zielsicher Deckungsfeuer gab. Die Blutdrahte sahen von einer Verfolgung ab und sättigten ihren Durst erst einmal an den Leichen des Ochsen und dem guten Jack Jones …!

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