OA – Neue Ufer – Kapitel 1

Claudio Focht

Nach etlichen Monaten der 4E, wurde nun das System gewechselt und entsprechend Abstimmung fiel die Wahl auf Opus Anima. Und wie bei allen neuen Abenteuer und Kampagnen, beginnt alles mit der Charaktererschaffung. Die war sehr lustig, denn immerhin nahmen alle Spieler die merkwürdige Anordnung und das grottige Lektorat mit Humor. Schickes Buch, aber etwas am Leser vorbei.

Trotz Einwänden von Spielleiter (also mir) und Mitspielern (ich nicht) versteiften sich zwei Leute darauf, keine Maata zu spielen, sondern einfache Menschen zu sein. Eine gemischte Gruppe ist allerdings – außer man hat im Vorfeld schon eine gute Erklärung parat – etwas schwer zu spielen. Vor allem, wenn einer der Menschen gar keinen echten Bezug zum Zirkel hat. Aber gut, es ging los …

Als Charaktere waren da erst einmal der angesehene Bibliothekar und Professor der Literatur, Volkmar Gänsefleisch. Als Unwissender hatte er keine Ahnung, was ihn für ein Schicksal genau ereilte. Der gute Mann musste sich erst einmal orientieren.

Das fiel dem Sanherib Siegfreud Wundersam leichter, immerhin wusste er genau, was ihn erledigt hatte. Nun, jedenfalls wusste der Ausguck des Ätherschiffs „Nobby Tick“, das eine Feier und viel Alkohol in der Hafenkneipe „Zum glücklichen Kätzchen“ Schuld daran waren, dass er am nächsten Tag in der Gosse lag und sich als Toter dem Zirkel anschloss.

Bei eben jener Feierlichkeit war auch Metzgermeister Andreas Gruber anwesend. Er hatte für das leckere Grillfleisch im Kätzchen gesorgt, doch erst war ihm beim Flambieren Schnaps über den Grill geflossen, dann war das Kätzchen des Wirts brennend durchs Haus gejagt und schlussendlich stieß er als Gescheiterter ebenfalls zum Zirkel.

Die Studentin der bildhauenden Ätherkunst Johanna Jorgensen war dagegen am Hafen ihrer Seele beraubt worden, als sie – um Geld zu sparen – Ätherreste von einem der Schiffsrümpfe kratzte. Die junge Tel’Patha sah nur noch einen Schatten auf sich zukommen und stand kurz darauf als Verlorene auf dem Dock.

All diese Ereignisse hatten sich innerhalb der letzten sieben Tage ereignet und die Maata hatten sich mehr oder minder gefunden und zu einem Zirkel zusammengeschlossen. Sie stammten zwar aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, doch das Schicksal hatte sie geeint. Neben den persönlichen Problemen, mussten sie sich nun auch noch mit ihrem Makel und übernatürlichen Feinden auseinandersetzen. Keine einfache Sache. Und kein normaler Mensch durfte davon etwas ahnen. Ein neutraler, abgelegener und unauffälliger Ort war nun nötig, um sich dort zu treffen und auszutauschen.

Glücklicherweise hatte der Leichenbestatter Sigmund Leid ständige Geldprobleme und eine Rate der ersten Hypothek wurde fällig. Er machte in einem Sterbehospitz der Anubis-Sekte einen Anschlag am schwarzen Brett, dass er einen billigen Raum zu vermieten hätte: neutral, abgelegen und unauffällig. Der Zirkel nahm die Gelegenheit natürlich wahr und am nächsten Tag saßen alle während der ersten Dunkelphase im Lagerraum von „Sigismund Leids Bestattungen“ auf den einfachen, aber billigen Särgen. Irritiert bemerkte der Zirkel, dass einer der Särge scheinbar als Vorratsschrank diente und ein weiterer als gut gepolsterte Schlafstelle. Herr Leid schien wohl ein sparsamer Geselle zu sein.

Der war nun einen Raum weiter und sprach mit der wohlhabenden Tierpräporatorin Gertrude Morbius, die sich einen Ruf für das Herrichten von Haustieren geschaffen hatte und gelegentlich im „Städtischen Urzeitlichen Museum“ aushalf. Dort war sie auf das Buch von Claudio Focht gestoßen, einem verschollenen Esoteriker und Bizzaromanten. Esoterik und Bizzaromantie waren nun das Steckenpferd von Frau Morbius. Ihr Mann Eberhardt Morbius belächelte sie dafür, war aber nachsichtig und ließ zu, dass sich sein kleines Frauchen ein bisschen Taschengeld hinzuverdiente.

Jedenfalls war Frau Morbius durch das Buch auf die seelenfressenden Maata aufmerksam geworden. Ihre Recherchen hatten zu Herrn Leid geführt, der wiederum von der Natur der Maata wusste, aber selbst keine Aussage machen wollte. Allerdings war er gerne bereit für ein paar Schekel das Treffen des Zirkels von Frau Morbius heimlich beobachten zu lassen. Immerhin war einer weitere Rate der zweiten Hypothek wurde ebenfalls bald fällig.

Zum Unglück von Frau Morbius bemerkte Herr Gänsefleisch jedoch einen Lufthauch in seinem Nacken. Flugs schrieb er eine Warnung in sein Tagebuch – „Wir werden beobachtet!“ – und zeigte es herum. Die vier Maata standen nun auf, erklärten das Treffen für beendet, verließen den Lagerraum und kamen heimlich durch die Hintertüre zurück. Herr Wundersam zückte seinen Degen und stach die Spitze von unten ein wenig seitlich in den Hals. Man hatte Frau Morbius auf frischer Tat erwischt!

Diese versuchte sich natürlich herauszureden und so wurde Herr Leid gerufen, der gerade bei einem Toten einen kleinen Goldklumpen gefunden hatte. Herr Leid legte das Stemmeisen beiseite und folgte in die Werkstatt, um Stellung zu beziehen. Erst war er entsetzt, dass jemand bei ihm eingebrochen sei, dann lieferte er Frau Morbius ans Messer und versuchte am Ende den Zirkel zu erpressen, bevor er sich als guter Freund ausgab und mit geschickter Rede von sich ablenkte. Für Frau Morbius sah die Sache nun sehr finster aus.

Sie fühlte sich in ihren Recherchen bestätigt und erkannte viele Informationen aus Fochts Buch „Die Wahrheit hinter dem Spiegel“ wieder. Auch die Warnungen vor der Bösartigkeit der Seelenfresser schien der Wahrheit zu entsprechen, verlangte Herr Wundersam nach dem Tod der Dame. Das konnten die anderen Maata aber derzeit kaum mit ihrem Gewissen vereinbaren. Vor allem da Frau Morbius erwähnte, sie wisse wo Fochts verboetenes Buch liege – das einzige, handgeschriebene Exemplar.

Auf Drängen der Maata, die nun behaupteten zu einem Debattierklub zu gehören, verriet die in Bedrängnis geratene Präparatorin, dass sich das Buch im „Städtischen Urzeitlichen Museum“ befände – in einer Truhe mit anderen Gegenständen Fochts. Herr Gänsefleisch erinnerte sich nun daran, dass er den Kurator des Museums persönlich kenne, Herr Herbert Michaelis gar ein alter Freund von ihm sei. Nach einigen weiteren Minutzen des hitzigen Gesprächs kamen der Zirkel dann überein, dass Herr Wundersam und Herr Gänsefleisch Frau Morbius begleiten, während Herr Gruber und Frau Jorgensen auf Herrn Leid achten würden.

Im Museum angekommen fragte Frau Morbius nun nach dem Herrn Kurator Michaelis, der gerade einigen Studenten das Skelett eines aus dem Äther geborgenen Pyrosaurus zeigte. Herr Michaelis war tatsächlich ein alter Freund Herrn Gänsefleischs, der auf Grund seines Makels wohl vergessen hatte, dass er vor einigen Jahren die Verlobte seines Freundes bezirzte und später heiratete. Die Szene vor den ehrwürdigen Knochen des Pyrosaurus war dementsprechend schrecklich peinlich.

Während Herr Gänsefleisch und Herr Wundersam nun aus dem Museum geleitet wurden, machte sich Frau Morbius auf den Weg in den Keller, um das Buch zu holen. Obwohl die Fremden ihr nach dem Leben getrachtet hatten, sah sie nun die Möglichkeit gekommen, ihnen ihr Vertrauen zu beweisen und so doch noch die Recherchen weiterführen zu können. Also gab sie das Buch durch ein Fenster an Herrn Wundersam weiter, der erst einmal besänftigt war und „Die Wahrheit hinter dem Spiegel“ an Herrn Gänsefleisch weitergab. Dieser schlug das Buch auf und las die ersten Zeilen: „Dies ist das Tagebuch von Claudio Focht, einem Unwissenden (…)“

3 Kommentare

  • Naja, ich bin mal gespannt. Das Regelwerk wirkt bisher ziemlich Banane. Das „offene“ Fertigkeitensystem ist Grütze, da weiß ja Shadowrun schon warum es einen Block fixer Fertigkeiten hat und einen der mehr frei gehalten ist mit den Wissensfertigkeiten. Und da werden immerhin nicht „echte“ Fertigkeitspunkte darauf verschwendet und es gibt genug Beispiele für nützliche Sachen.

    Warum kann ich als Unwissender auf Wissen würfeln? Wie kann so einem einfach was einfallen? Argh! Und dann sind das noch die Gelehrten im Spiel. Der Gegensatz ist zwar interessant, aber nicht sehr durchdacht. Oder sit es eher so das er alles vergessen hat was mit sich selbst zu tun hat? Ich kann schlecht Bibliotheken mit mir rumschleppen. Da passt es bei den Toten besser, die echte Tote beneiden und schützen.

    Naja, bin mal auf eine Kampfsituation gespannt. Ob das wenigstens was taugt. Wobei ich da ja nicht viel einbringen können werde 😉 Ich werd’s aber rausfinden. Und dann weiß ich es. Für ein paar Stunden 😉

  • Alle Maata vergessen Dinge aus ihrem alten Leben, der Unwissende treibt es allerdings auf die Spitze. Laut Buch wird davon ausgegangen, dass der Unwissende eine Tasche mit Nachschlagewerken etc. herumschleppt. Ich hätte einem Unwissenden einfach strikt alle Wissensfertigkeiten temporär geblockt und nur durch Lexika geöffnet. Na ja, theoretisch ist das Tagebuch ja unendlich und da kann alles hinein. Da die Splitter persönlich sind und der Makel ebenfalls, wäre eine auf die Person fixierte Amnesie logisch und scheint so gedacht. Leider habe ich noch keinen entsprechenden genauen Hinweis gefunden. Dieser Ansatz böte sogar spieltechnische Möglichkeiten.

    Auf den Kampf bin ich auch gespannt. 😀

  • Das Setting klingt auf jeden Fall spaßig – und den Trick, um die Menschen reinzubringen finde ich klasse!

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