Deadlands – Für noch ein paar Dollar mehr #02: Am Galgenstrick

Howdy! Brrr… was zeitweise für eine Kälte herrscht – wunderbar. Manchmal lässt er sich noch etwas blicken, der Winter. So auch im Februar, weswegen wir die Spielsitzung um einen Tag verschieben mussten. Was im nachhinein ein Glücksfall war, denn des Abends fiel im Westerwaldkreis großflächig der Strom für mehrere Stunden aus. Da heutzutage ja niemand mehr auf richtiges Winterwetter mit Schnee und Eis vorbereitet ist, übten sich ein paar Freileitungen im Seiltanzen. Da wäre unsere Spielsitzung ziemlich dunkel ausgefallen. Wobei, würfeln bei romantischem Kerzenschein, das hat ja auch etwas für sich…

Nun denn, einen Abend später traf dann die Spielerschaft zusammen, mal mehr und mal weniger in Kostüm, um verdientermaßen einen der heißbegehrten Extra-Glücks-Chip abzugreifen, die zuvor von mir ausgelobt wurden. Von Hut bis Vollkostüm war alles dabei. An meiner Brust prangte unter anderem ein lausiger Papp-Marchalstern.

Gespielt wurde erneut Deadlands: Reloaded, und zwar die Fortsetzung des One-Sheets „Gelyncht“. Da ich mich ein wenig mit der Zeit vertan hatte und das Aufgebot dem letzten Gefecht des Abenteuers so nahe war (und ich der aus der Ferne angereisten Gastspielerin nicht das grande finale vorenthalten wollte), ging die Spielsitzung bis Mitternacht. Auch hier ganz gut, dass es ein Freitag war.

Mein Bösewicht hatte übrigens einiges an Glück, denn mehr als einmal war er der Entdeckung ausgesetzt. Sei es nun durch Feuer, Axt, heilige Worte oder eine Sprengung. Was genau geschah, steht natürlich in nachfolgendem Spielbericht.

Alice „Azrael“ Johnson
Hucksterin aus Missouri
Todesbotin, Loyal, Neugierig
In ihrem schlimmsten Alptraum ist sie des Nachts alleine in einem dunklen Haus,wird von großen Spinnen gejagt, eingesponnen und dann gefressen.

Annie Butcher
Schwarze Witwe und Totengräberin aus Coffin Rock
Tiefer Schlaf, Arrogant, Große Klappe
In ihrem schlimmsten Alptraum taucht ihr zuletzt verstorbener Ehemann wieder auf und fordert sein Vermögen zurück.

Chuck Testa
Angehender Texas Ranger aus Amarillo, Texas
Heldenhaft, Rachsüchtig, Wahnvorstellung (hält sich schon für einen waschechten Texas Ranger)
In seinem schlimmsten Alptraum zeigen die anderen Texas Ranger mit den Fingern auf ihn und erklären, dass es niemals einen Texas Ranger war und sein wird.

Doctor Harvey Lightning
Verrückter Wissenschaftler aus New Orleans
Übermütig, Wahnvorstellung (Prof. Pink will seine Erfindungen stehlen), Letztes Ziel (Rache an Prof. Pink für den Diebstahl der Erfindungen nehmen)
In seinem schlimmsten Alptraum stiehlt Professor Pink sämtliche von Doc Lightnings Erfindungen.

Harriet Dexter Cherrywood
Verrückte Wissenschaftlerin aus Florida
Neugierig, Zwei linke Hände, Gesucht (Sie sprengte „versehentlich“ einen Saloon in Texas)

Prediger Dominic Cooper
Methodistischer Prediger aus Louisiana
Ehrenkodex, Gesucht (100$, seine Gran’ma will ihn lebendig zurück), Große Klappe
In seinen schlimmsten Träumen wendet sich Gott von ihm ab und Dominic konvertiert unter dem Befehl seiner Gran’ma zum Voodoo.

Sila Eska
Kopfgeldjägerin der Nordalaska Iñupiat und ein Halbblut
Todesbotin, Stur, Letztes Ziel (ihren Vater finden, einen Pelzhändler namens Darren „Pelzrücken“ Dimple)
In ihrem schlimmsten Alptraum wird sie von ihrer Familie in einer sengenden Wüste ausgesetzt und dort alleine zurückgelassen.

Vasili Nikolajewitsch Konets
Pelzjäger aus Russland
Einäugig (schwer), Außenseiter (leicht), Tiefer Schlaf
In seinem schlimmsten Alptraum fängt ihn die Baba Jaga und schlägt ihre eisernen Zähne in sein Fleisch, um ihn bei lebendigem Leib zu fressen.

Wa‘-nûp Ai’wa (Springendes Reh)
Schamanin der Mahgrahch-Ute
Langsam, Eid des Alten Pfads (leicht), Lahme Ente
In ihren schlimmsten Träumen sind ihre Beine im Erdboden versunken und sie ist somit gefangen, während um sie herum unzählige Monster aus der Tiefe hervorbrechen.

Das Aufgebot stand also am späten Abend auf einer kleinen Ranch einem Mexikaner gegenüber, der in seiner Armbeuge ein Gewehr trug und offensichtlich bereit war, es zu benutzen. Misstrauisch blickte er den Fremden entgegen. So viele Gringos, so weit Draußen und das im unheimlichen Westen – da war Misstrauen angebracht. Um das Eis zu brechen stieg der Prediger von seiner Stute Ruth ab und erklärte dem Rancher ihr Anliegen. Der war davon zwar nicht gänzlich überzeugt, zeigte sich aber freundlich und kooperationsbereit. Auch als Vasilis Papagei Nadia heranflog und immer wieder „Achtung!“ rief, behielt der Mexikaner die Ruhe. Was sollte er auch gegen diese Übermacht ausrichten…?

Vasili hatte seine Nadia nicht ohne Grund losgeschickte. Dem Russen waren zwei Neuankömmlinge ins Auge gefallen, die sich der Ranch näherten. Bei diesen handelte es sich um Harriet Dexter Cherrywood, eine durchgeknallte Wissenschaftlerin mit einer Vorliebe für Dynamit. Es hatte sie über Umwege nach Colorado verschlagen. Als sie in der größer werdenden Dunkelheit ein Licht sah, führte sie ihren Walnut am Zügel genau darauf zu.

Von dem Licht war auch der junge Texas Ranger Chuck Testa angelockt worden. Allerdings, er war noch keine echter Texas Ranger und hatte ordentlich einen an der Waffel, wie man in Texas gerne sagt – und was zum Überleben im unheimlichen Westen von Vorteil sein kann. Auf der Jagd nach Monstern hatte er sein geliebtes Amarillo verlassen und war bis nach Colorado, „Nord Texas“ gelangt.

Einer der umliegenden Rancher hatte Chuck von den Überfällen berichtet. Und so war dieser ebenfalls zur Gonzales-Ranch geritten.

Nachdem die Höflich- und Förmlichkeiten ausgetauscht waren, betrat das Aufgebot die gute Stube der Gonzales. Jesús Gonzales stellte den Fremden seine Frau Mercedes vor, sowie seine kleinen Kinder Pedro, Pascal, Maria und Magdalena. Mercedes war zudem in anderen Umständen, was sie aber nicht daran hinderte Sitzgelegenheiten heranzuschaffen. Derweil sorgte Jesús für das leibliche Wohl und stellte Tequila und Kaffee auf den Tisch. Die Gonzales hatten nicht viel, aber das Wenige gaben sie vorsichtshalber gerne heraus.

Senor Gonzales beantwortete die Fragen seiner Gäste nach Treu und Glauben, doch konnte er nichts Neues berichten. Allerdings ging er davon aus, dass an den Morden keine Mexikaner die Schuld trugen, sondern irgendwelche Outlaws der Nordstaaten.

Das Aufgebot beschloss die Nacht auf der Ranch zu verbringen, um die Sicherheit der Gonzales zu garantieren. Diese richteten dann jedes Fleckchen ihrer kleinen Ranch zum Schlafen her und machten auch in dem kleinen Pferdestall Platz zum Nächtigen, nachdem sie die Pferde ihrer Besucher versorgt hatten. Dann gingen die Gonzales ebenfalls schlafen, während sich das Aufgebot anschickte Wachen aufzustellen…

Früh am nächsten Morgen war noch immer alles ruhig. Die Gonzales führten beide ein heftiges Gespräch auf Spanisch miteinander, dann kümmerte sich Jesús um die Pferde und sammelte die Eier der Ranchhühner ein, während Mercedes aus den spärlichen Vorräten der Speisekammer ein Frühstück zauberte. Danach bugsierte sie ihren Schwangerschaftsbauch zu den Kindern, um diese ebenfalls zu versorgen.

Das Aufgebot beschloss nach Eastman’s Creek zurückzukehren. Vorher wollten sie aber noch einen Abstecher zur Napper-Ranch machen, um dort nach Spuren zu suchen. Doctor Lightning merkte in Richtung Senor Gonzales an, dass sie vielleicht noch Proviant bräuchten. Also packte ihm Mercedes den letzten Speck und das letzte Maisbrot ein. Einige aus dem Aufgebot bekamen nun ein schlechtes Gewissen und boten Bezahlung an. Doch der stolze Jesús lehnte das vehement ab. Also ließ das Aufgebot bei einer günstigen Gelegenheit einfach ein paar Dollar in der Schublade liegen, bevor sie aufsaßen und losritten…

Die Ranch des alten Mister Nappers hatte ihre besten Tage bereits vor vielen Jahren hinter sich gelassen. Selbst ohne die eingeschlagene Türe und das Chaos im Inneren, machte alles einen desolaten Zustand. Verwertbare Hinweise oder Spuren gab es keine. Dafür lagen die Ereignisse bereits ein paar Tage zurück und hatten die hilfsbereiten Nachbarn Nappers überall ihre eigenen Spuren hinterlassen. Der einzige noch vorhandene Wertgegenstand war ein alter und krummer Karabiner der Marke Spencer. Der Doc sah sich die Waffe genauer an, um sie wieder zu richten. Dabei entdeckte er die Besitzurkunde einer Goldmine in den Rockys. Ein erstaunlicher Zufallsfund, der vielleicht noch einiges Wert war. Der Doc steckte die Urkunde erst einmal ein und machte das Gewehr anschließend wieder schussfertig.

Da es keine weiteren Anhaltspunkte auf der Napper-Ranch gab, schwang sich das Aufgebot erneut in den Sattel und ritt nach Eastman’s Creek zurück. Als sie in die kleine Stadt kamen, hatten sich bereits etliche Einwohner vor dem Saloon versammelt. Mister Miller, der Besitzer des Hardware Stores, berichtete mir gebrochener Stimme, dass es in der Nacht den armen Ol’Whiskers erwischt hatte. Offensichtlich hatten sich die Bandidos diesmal sogar in die Stadt getraut, den armen Mann aus seinem Saloon gezerrt und dann auf dem Friedhof am Baum aufgeknüpft. Eine schreckliche Tat und ein grausiger Anblick.

Die Leute hatten Ol’Whiskers vom Strick geschnitten und dann in seinen geliebten Saloon gebracht, wo er nun auf zwei zusammengeschobenen Tischen lag und auf seine Beerdigung wartete. Natürlich sagte der Prediger sofort zu, eine Andacht zu halten und die Beerdigung zu übernehmen. Und Annie bot ihre Fähigkeiten an, den armen Ol’Whiskers unter die Erde zu bringen. Die Einwohner von Eastman’s Creek waren erleichtert, dass diesmal alles seinen gewohnten Gang ging. Zumindest für den Tod war gesorgt.

Ein Teil des Aufgebots machte sich nun auf den Weg zum Friedhof, der außerhalb der Stadt auf einem Hügel lag und der von einer alten Eiche dominiert wurde. Die Verbrecher hatten genau hier ihre Opfer aufgeknüpft. Eine makabere Vorstellung. Zudem jagte der Friedhofshügel ein jedem einen Schauer über den Rücken, denn hier oben schien es kälter als anderswo – obwohl die Sonne schien.

Während nun Annie anfing das Grab auszuheben und die anderen die vorhandenen Gräber inspizierten, bereitete Prediger Cooper die Andacht vor. Einige seiner Kameraden nutzten dabei die Gelegenheit, um günstig an den ein oder andere Schluck zu kommen.

Die Vorbereitungen des Predigers wurden jäh von einem großen Knall unterbrochen, der vom Friedhof herkam und ganz Eastman’s Creek erschütterte. Die gute Harriet hatte, nachdem festgestellt wurde, dass das Erdreich auf allen neuen Gräbern doch recht locker saß („Stümperarbeit“, wie Annie bemerkte), etwas Abseits der Gräber eine Bodensprengung mittels Dynamitstange vorgenommen, um an eine Tiefenprobe des Friedhofbodens zu gelangen.

Diese Schändung des düsteren heiligen Grundes brachte die gebeutelten Städter natürlich auf. Doch es gelang Cooper, Gottes Schäfchen wieder zu beruhigen und ihnen plausible zu erklären, warum dieses Ereignis wichtig für das Seelenheil aller Anwesenden sei. Wieder beruhigt, drehten sich die guten Leute um. Und so fand schon kurz darauf die Andacht zu Ehren von Ol’Whiskers statt, den alle in der Stadt so gemocht hatten – bis vielleicht auf die Abstinenzler. Leider hatte der arme Kerl keine Verwandten, so war der Saloon herrenlos. Wenigstens Pedro fand eine neue Besitzerin, denn Harriet nahm sich des Tode nahen Gauls an, den sie kurzerhand Chestnut taufte.

Prediger Dominic Cooper hielt eine flammende Rede und berührte die Herzen aller in der Stadt. Und so sorgte der neu entfachte Glaube der guten Menschen dafür, dass sich die Schatten etwas weiter zurückzogen und sich die schützende Hand Gottes wieder über Eastman’s Creek senkte. Für den Friedhof reichte dieser Glaube leider nicht aus.

An dieser Stelle sei gesagt, dass ich die Spielregeln moderat auslegte und die Macht Inspirieren auch ohne Heldengeschichte zu diesem Zeitpunkt zuließ.

Danach wurde der Sarg mit Ol’Whiskers Leiche zum Friedhof gebracht, mit ein paar segnenden Worten in die Grube gelassen und anschließend ging es zu einem kleinen Umtrunk wieder zurück in den Saloon. So konnte Annie damit beginnen ihre Arbeit zu machen und das Grab des armen Ol’Whiskers schließen. Doch kaum waren zwei, drei Schaufeln Erde in die Grube geworfen, klopfte es unvermittelt von Unten!

Einige aus dem Aufgebot hatten bereits gemutmaßt, das es weder Mexikaner noch Outlaws waren, die für die Morde verantwortlich zeichneten; sondern Zombies. Das Klopfen aus dem Grab schien diese Vermutung zu unterstützen. Ganz ohne heiligen Beistand wollte sich niemand an eine Untersuchung heranwagen. Also wurde der Prediger erneut auf den Friedhof bestellt. Glücklicherweise war es bereits damit fertig, der armen Cindy Miller die Beichte abzunehmen. Derweil klügelte Harriet einen Plan aus, wie man versehentlich im Grab Gelandeten eine Möglichkeit bot, sich bemerkbar zu machen. Ein Glöckchen mit Schnur schien da praktikabel.

Doch diese Idee geriet rasch in Vergessenheit, als das Aufgebot die Sache aufzuklären begann. Bevor jemand zügelnd eingreifen konnte, hatte Vasili bereits mit einer Schaufel den Sargdeckel zerlegt. Zu sehen war Ol’Whisker … tot. Da rührte sich nichts. Noch etwas Erde in die Grube und erneut war das Klopfen zu hören. Aber keine Bewegung beim Toten. Sarg raus aus dem Loch und Erde hinunter. Kein Klopfen. Erde auf den Sarg der oben stand … und prompt ein Klopfen aus der Grube. Das war unheimlich wie der Westen und unerklärbar. Also den Sarg wieder hinab in die Erde und zugeschaufelt, auch wenn es dabei immer wieder klopfte. Kaum war die letzte Schaufel Erde auf dem Grab, da war der Spuk auch schon vorbei.

Das Aufgebot zog sich in den Saloon zurück, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Unter anderem wurde erörtert den Baum zu fällen oder zu verbrennen. Die meisten sprachen sich jedoch dafür aus, sich auf und um den Friedhof herum auf die Lauer zu legen. Vasili, Harriet und der Doc wollten dagegen im Saloon die Stellung halten. So lautete der Plan und so wurde er auch umgesetzt.

Zu fortgeschrittener Stunde hockten Chuck und Wa‘-nûp Ai’wa – meistens nur „Springendes Reh“ genannt – hinter der uralten Eiche, während es sich Sila hinter einem der Grabsteine bequem machte. Die anderen verbargen sich etwas Abseits von Baum und Gräber. Und sie warteten. Und warteten… bis sich das Böse regte. Und dieses Böse war hocherfreut, denn anstatt sich selber auf die Jagd zu begeben, war die Beute von alleine gekommen. Das Böse, durch seine letzten Opfer gestärkt, erwachte zum unheiligen Leben und schlang seine Auswüchse um die Hälse der Menschen zu seinen Füßen, um diese emporzureißen und zappelnd dem Tod auszuliefern!

Ja, genau, der Baum selbst entpuppte sich als uralte Kreatur der Hölle, die hier ihren Wurzelgrund hatte. Chuck, Sila und Springendes Reh baumelten nun röchelnd an den Auswüchsen der Kreatur, die Galgenstricken ähnelten. Springendes Reh tastete nach ihrem Messer, zog es mit zittrigen Fingern aus dem Gürtel und durchtrennte mit einem gewagten Schnitt den Strick. Sie landete hart auf dem Boden, war aber frei, bekam Luft und konnte eine Warnung schreien. Das rief dann auch die anderen Wächter auf den Plan, die sich beim Friedhof befanden. Die Kameraden im Saloon ahnten noch nichts von dem höllischen Kampf, der sich hier anbahnte.

Das änderte sich, als der erste Schuss fiel, um Chuck vom Strick zu trennen. Was übrigens erfolgreich verlief. Im Saloon war nun ebenfalls die Hölle los … bildlich gesprochen. Harriet und der Doc rannten Richtung Friedhof, während Vasili weiterhin schlief. Es war schon immer schwer einen russischen Bären aufzuwecken. Vor allem nach genug Whisky.

Auf dem Friedhof war nun ein Hauen, Stechen und Schießen angesagt, wie es kein zweites gab. Der Galgenbaum schlug wild auf Chuck ein und beschwor gleichzeitig seine Diener, die Gehenkten. Diese folgten dem Befehl ihres Meisters und einige gruben sich augenblicklich aus der Erde empor. Mit auf den Rücken wild schlackerten Köpfen – ihre Erhängung hatte die Hälse ja ungemein gestreckt – suchten sie sich ein paar Opfer und stürmten los. Leider waren sie zu langsam, um richtig in den Kampf einzugreifen.

Derweil hatte sich Sila ebenfalls von dem Baum geschnitten und eröffnete keuchend das Feuer. Doch das Höllenmonster war ziemlich widerstandsfähig und die meisten Kugeln verfingen sich wirkungslos in der dicken Rinde. Auch der Einsatz von Wundern und Magie richtete erst einmal wenig aus. Zumindest war bei dem ganzen Krach Vasili dann doch aufgewacht und auf den Balkon des Saloons geeilt, um von dort aus die Sache anzuschauen. Der Russe bewahrte die Ruhe und legte mit seinem Gewehr an.

Zwischenzeitlich hatten sich weitere der gehenkten Toten aus dem Erdreich gegraben und suchten nach Opfern. Die ersten Schreckenssekunden waren dem ein oder anderen zwar in die Glieder gefahren, doch nun hatten sich alle gefasst und stemmten sich vereint gegen die Kreatur. Dieser geballten Zerstörungskraft, und einem überraschenden Schuss aus der Ferne, konnte die Bestie dann doch nichts mehr entgegensetzen. Stück für Stück flog nun ihre Borkenhaut zur Seite, spratzte harziges Blut hervor und erzitterte der Galgenbaum schlussendlich beim finalen Schlag, um in sich zusammenzufallen, zu Asche zu vergehen und in alle Winde verstreut zu werden. Dieser Kampf war kein leichtes und schnelles Unterfangen, aber das Aufgebot war erfolgreich. Der Fluch von Eastman’s Creek war gebannt, die Menschen wieder sicher … jedenfalls ein wenig mehr als zuvor. Der unheimliche Westen hatte einen seiner Schrecken verloren, doch tausend weitere lauerten in seinem Schatten…

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