Hellfrost 03 – Von Ratten und Bären

taysal-hellfrostNach der letzten Spielsitzung ist mir klar, dass ich die meisten Namen der Charaktere entweder falsch notiert, schlecht gemerkt oder einfach vergessen habe. Ist aber auch kein Memorywettbewerb, sondern ein Rollenspiel. Die Namen in den Spielberichten sind glücklicherweise halbwegs richtig. Und am Ende des Abends stellte sich heraus, dass ich mir einige Namen gar nicht mehr merken muss.

Leider, denn langsam habe ich die Spielfiguren richtig lieb gewonnen. Immerhin haben meine Spieler ihre Pappenheimer ordentlich mit Leben gefüllt und schön ausgespielt. Zugegeben, wahrscheinlich hätte ich den ein oder anderen Bennie mehr rausgeben können. Aber dafür habe ich … nein, dafür habe ich keine gute Entschuldigung. Ich habe mich einfach vom schönen Spielfluss mitreißen lassen und kaum mehr an die Bennies gedacht. Was war also geschehen?

Wie bereits im letzten Spielbericht zu lesen, waren die Helden in Dunross eingetroffen. Ardrack, dem Frostzwerg, war seine Axt aus den Fingern geflutscht und über den Wagen gefallen. Daran trug Fynn die Schuld, ein Kleriker des Unbenannten von Berufung. Er hatte die Axt mit Speck eingefettet.

Während die Ratten vom Fett angelockt einen Schwarm bildeten, sprang der Zwerg also erst einmal hinter seiner Waffe her. Die Regeln des Schwarm besagen nun, dass der Schwarm automatisch Schaden anrichtet, solange sich jemand darin befindet. Wir erinnern uns: Ardrack war bereits schwer verletzt. Er bückte sich jetzt und griff nach seiner Axt, da bissen die unzähligen Ratten auch schon zu. Und wie es nun einmal so ist, richteten sie kritischen Schaden an. Bei 24 Schadenspunkten blieb der Zähler schlussendlich hängen. Zu viel für Ardrack.

Ardracks Lied
Sturheit und Gier der Zwerge bekannt,
davon ich singe im ganzen Land.
Ein Zwerg sich nach seiner Axt bückte,
weil er zuvor die Waffe fett zückte,
und sie fiel in die Ratten hinein,
der Zwerg hinterher und zwar ganz allein.

Gletschertanz zögerte keinen Augenblick und sprang hinterher, um den Kumpanen zu retten. Doch zu spät. Sie selbst war jetzt kurz davor ein Opfer der Ratten zu werden, in denen sie stand. Fynn streckte eine Holzstange vom Wagen herab nach vorne, an die sich die Taigaelfe klammern konnte. Damit angelte der Engro seine Begleiterin förmlich aus den Ratten heraus. Und die hatte sich wiederum an Ardrack gekrallt und die Zwergenleiche mit auf den Wagen gezogen.

Die Ratten befanden sich nun im Blutrausch und wollten einfach nur fressen. Gletschertanz sprang auf den Bock und trieb Donner und Trittsicher zur Eile an. Die beiden Gäule gingen allerdings panisch durch. Eine der Ratten hatte sich in Ardracks Bauch gefressen. Fynn zog sie heraus und warf sie nach hinten vom Wagen. Sofort fiel der Schwarm über die Ratte her. Doch damit war nur wenig Zeit gewonnen. Schon bald waren die Ratten erneut hinter dem Wagen her, über den die Elfe kurz vor dem Bach wieder die Kontrolle gewann.

Die beiden beschlossen den Wagen zurückzulassen. Fynn sprang zwischen die Zugpferde und zerschnitt die Halteriemen. Gletschertanz sprang auf Trittsichers Rücken, während sich Fynn an Donner klammerte. Ohne den Wagen waren die Pferde einfach schneller. Zudem fielen die Ratten über die zurückgelassene Leiche her. Ein grausiger Anblick.

Was für ein Jammer, der arme Ardrack. Dabei war er ein Zwerg von Schrot und Korn. Da der Spieler offensichtlich Zwerge mag, lag es auf der Hand einfach Ardracks Charakterbogen nur mit einem neuen Namen zu versehen. Bisher hatte es ja auch noch keine Steigerung gegeben. Die Idee gefiel dem Spieler. Jedenfalls die Idee eines Zwergenkriegers. Denn schlussendlich verfügte Bordrack Felsenhammer, der Zwillingsbruder des Ardrack, über andere Talente, Handicaps und Fertigkeiten.

Die Ankunft von Bordrack sorgte in Dunross erst einmal für Verwirrung, dann tiefe Trauer. Immerhin galt es Ardracks abgenagte Knochen zu bestatten. Bordrack tütete seinen Bruder nun ein, um ihn in den heimischen Kammern beizusetzen. Vorher mussten natürlich noch die nun dort lebenden Riesen aus dem Weg geräumt werden. Das nenne ich mal einen epischen Einstieg und ein hehres Ziel.

Doch erst einmal galt es einen anderen Auftrag zu erfüllen. Gletschertanz übernahm die Reparatur des Geschirrs, während Fynn und Bordrack nach dem Mehl sahen. Kurz darauf war das Geschirr des Wagens komplett zerlegt und unbrauchbar, während Fynn einen wichtigen Hinweis übersah und Bordrack eine Ratte entdeckte, so groß wie ein Pony. Eisblume kam nun ebenfalls heran. Die Spielern war wegen der Pest etwas verspätet, aber das ist ja nun auch kein Problem. Die Elfe hatte mit dem Schreckenswolf Schneewehe nämlich das Tor gesichert – oder so.

Die Helden vereinten sich also vor dem Lagerhaus ihres Auftraggebers, in dem sich diese riesige Ratte und ein großer Schwarm befanden. Fynn baute eine Konstruktion zusammen, um die Viecher zu zerquetschen. Alle anderen bewaffneten sich mit Keulen. Die waren effektiver als Schwerter, Äxte und Pfeile. Der Kampf ging los!

Die Riesenratte flitzte durch ein Loch in der Wand nach Draußen und der Schwarm teilte sich. Überraschung, der Gegner reagierte anders als erwartet. Also flitzte nun Schneewehe ebenfalls raus, um die Riesenratte zu jagen. Die anderen hatten sich glücklicherweise so gut aufgestellt und waren schnell genug, um die beiden heranstürmenden Schwärme mit Keulenschlägen zu zermatschen. Vor der Lagerhalle stand Schneewehe jetzt allerdings zwei Riesenratten gegenüber. Doch rechtzeitig kam Eisblume herbei und schoss Schneebälle auf die Ratten. Klatsch, klatsch, klatsch! Ratten tot.

Die Situation war zwar anders verlaufen als gedacht, aber die Helden konnten sich über einen schnellen Sieg freuen. Nun musste Bordracks Spieler leider los, also patrouillierte der Zwerg um Dunross herum, während sich seine Kameraden im Dorf umhörten.

Hier begann der investigative Teil des Abenteuers. Der ist zwar in der von mir ausgespielten Art nicht so vorgesehen, machte aber großen Spaß. Vor allem weil Fynn Kornspeicherverwalter Ulfwyn dermaßen mit Paranoia ansteckte, dass Ulfwyn alle möglich Gerüchten und Gedanken zum Besten gab, dabei für ihn sogar plötzlich Sachen verdächtig waren, die gar nicht existierten. Und die tapferen Helden nahmen etliches davon für bare Münze.

Im Verlauf der nächsten Stunden reifte Roland Seiler mit seiner Frau Inga zum Verdächtigen Nummer Eins heran. Oder auch nicht, je nach Betrachtungsweise. Entweder waren sie Schuld an der Plage oder ihr Opfer. Denn die Seilers hatten ihre wertvolle Habe am Morgen aus Dunross gebracht. Den Nachbarn nach hatten die Seilers, nördlich in der Wildnis, eine kleine Hütte.

Also stapften Gletschertanz, Fynn und Eisblume in der Dämmerung los, um nach den überfälligen Seilers zu suchen. Schneewehe blieb bei Borddrack zurück, um dem Zwergen zu helfen.

Die Ermittlungen in Dunross waren sehr lustig. Ich habe etliche falsche Fährten gelegt und ausgerechnet der Hinweis beim Kornspeicher wurde übersehen. Aber die Vermutungen der Gruppe liefen trotzdem in die richtige Richtung. Bis entschieden wurde, nach Roland Seiler und seiner Frau zu schauen – die zeitweise für eine Hure gehalten wurde. Das war allerdings falsch.

Die Helden marschierten also los und kamen in ein ziemlich nebliges Gebiet. Das kam durch einen Bach mit warmem Wasser, der zu einem kleinen Kräuterwald führte und von dort aus zu einer Felswand. Im Wald hatten die Helden die Hütte der Seilers entdeckt und auch Anzeichen, dass sie Opfer von Vendhalen waren. Tapfer folgten sie den Spuren. In der Dunkelheit entging den Helden allerdings der merkwürdige Schnitt der Felswand, die zudem noch im Dunst lag.

Kenner der Materie werden sicherlich bemerkt haben, dass meine Spieler die Pfade des einen Abenteuers verliesen („Die Höhle des Ungezieferkönigs“) und nun auf neuen Pfaden wandelten („The Mouth Of The Frothing Bear“). Das fiel ihnen erst später auf, als ich es ihnen sagte. Ich dachte bis dahin, dass der Wechsel von der deutschen Printausgabe, hin zu den englischen PDFs auf meinem Tablet, ein sicheres Zeichen waren. Dem war wohl nicht so.

Im Inneren ging es nun steil nach oben, auf einem glitschignassen Pfad. Gletschertanz übernahm die Aufgabe vorzugehen und den Aufstieg zu erkunden. Leider wurde die Taigaelfe von zwei Wachen überrascht und bekam eine entsprechende Anzahl Pfeile in die Brust. Außer Gefecht stürzte die Elfe dann auch noch in die Tiefe.

Gletschertanz‘ Lied
Doch sie sah die Bärenkrieger einfach nicht,
schuld daran war wohl die neblige Gischt,
aus der kamen die Pfeile so schnell geflogen
und schleuderten die Elfe hinab auf den Boden,
wo sie lag mit zerschmetterten Knochen,
der Hals war so ziemlich zerbrochen.

Das war selbst für mich überraschend und dumm gelaufen. Gerade begann ich mich an den Namen der Elfe zu gewöhnen, da wurde sie ein Opfer der Vendhalen. Aber es musste weitergehen.

Eisblume und Fynn waren vom Tod ihrer Kameradin betroffen und schworen bittere Rache. Also stiegen beide nun vorsichtig auf, um die Lage zu prüfen. Sie planten einen Hinterhalt. Fynn errichtete einen kleinen Steinhaufen und setzte seinen Hut dauf. Dann zog er sich wieder nach unten zurück, um laut zu plaudern. Er wollte die beiden Wachen nach unten locken. Was für ein Hinterhalt. Die Vendahlen bliesen allerdings ins Horn und riefen damit Verstärkung. Es kamen also mehr Gegner herab als gedacht, zudem in Begleitung von Wölfen.

Eisblume hatte sich auf halber Höhe verborgen. Plötzlich so viele Feinde vor sich zu haben, das kam für sie überraschend. Bevor es zu einem Nahkampf kommen konnte, deckte sie den Gegner mit ihren Schneebällen ein. Dieser Überraschungsangriff brachte auch den gewünschten Erfolg und Fynn ins Schwitzen. Der stand nämlich unter dem Kampfplatz und dann regnete es Feinde. Glücklicherweise wurde der Engro von keinem herabstürzenden Vendahlen getroffen.

Nun ging es weiter und die beiden begannen die Höhle zu erkunden. Sie wandten sich erst einmal nach rechts und stießen prompt auf eine Art Vorratskammer. Glücklicherweise hing keiner der beiden Seilers von der Decke herab. Da waren plötzlich Schritte zu hören. Eisblume und Fynn versteckten sich flugs unter einigen Fellen und warteten ab. Glücklicherweise war es nur ein einzelner Vendahle und die Überraschung auf ihrer Seite. Der Bärenkrieger hauchte innerhalb eines Augenblicks sein Leben aus.

Von hier aus ging es weiter, bis in eine Grotte mit einer tiefen Erdspalte, über die eine steinerne, leicht vereiste Brücke führte. Fynn ging vor und sicherte den Weg. Die Luft war rein, also kam Eisblume nach.

Eisblumes Lied
Das Geschick der Elfen ist legendär,
tatsächlich es ist wohl eine Mähr,
denn die letzte Elfe die ich mal sah,
war ganz plötzlich gar nicht mehr da.
Weil sie war auf eine Brücke gegangen,
ich hörte sie unten ganz schrecklich aufprallen.

Fynn beschloss nun, das Erkunden der Höhle auf später zu verschieben. Leise zog er sich zum Ausgang zurück, lief aber einem weitere Vendahlen in die Arme. Dem Engro gelang es glücklicherweise dem hinterhältigen Angriff auszuweichen und dem Vendahlen einen Dolch tief in den Magen zu rammen. Bei dem Bärenkrieger einen Gang weiter lief die Sache weniger glimpflich ab. Fynn konnte sich des Angriffs zwar erwehren, erhielt aber schlussendlich ebenfalls einen heftigen Treffer. Blutend schleppte sich der kleine Kleriker aus der Höhle, um in der Kräuterhütte Zuflucht zu suchen.

Tja, was für ein Spielabend. So viele tote Spielercharaktere. Ich bin gespannt wie es weitergeht und ob sich die Gruppe vereint und mit neuen Helden in den eigenen Reihen, nochmals in die Höhle des Bären hineintraut …

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