MHR: Kurzinterview mit Steffen Volkmer (PANINI Comics)

Steffen Volkmer von PANINI Comics (Presse & PR) hat sich freundlicherweise für ein kleines Interview zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle vielen Dank dafür.

Günther K. Lietz: Wie steht PANINI Comics zu einer Übersetzung von „Marvel Heroic Roleplaying Basic Game“ in Eigenregie?

Steffen Volkmer: Bei uns ist das derzeit nicht geplant.

Günther K. Lietz: Was spräche dafür oder dagegen?

Steffen Volkmer: Wir haben derzeit schlicht nicht geplant, uns auf diesem Sektor auszubreiten, obwohl es natürlich ein schönes Produkt ist.

Günther K. Lietz: Eventuell in Kooperation mit einem der deutschen Rollenspielverlage?

Steffen Volkmer: Das wäre natürlich denkbar, derzeit gibt es aber keine Planungen in diese Richtung.

Günther K. Lietz: Wurden bereits Anfragen gestellt oder gibt es gar konkrete Pläne?

Steffen Volkmer: Nein, bislang nicht.

Günther K. Lietz: Wie ist Ihre persönliche Meinung zu dem Thema? Immerhin sind Sie ja der Fachmann schlechthin für Marvel Deutschland. Wie schätzen Sie den Erfolg solch eines Spiels auf dem deutschen Markt ein?

Steffen Volkmer: In Deutschland eher schwach. In den USA sind die Bereiche Superhelden-Comics und Roleplay wesentlich stärker miteinander verbunden und das Thema Superhelden hat generell einen ganz anderen Stellenwert als bei uns, das sieht man, wenn man die entsprechenden Conventions hier und dort mit einander vergleicht.

Günther K. Lietz: Das „Marvel Heroic Roleplaying Basic Game“ (kurz MHR) arbeitet event-basierend, rückt also ganze Reihen, bestimmte Ereignisse oder Sonderbände in den Mittelpunkt. Dadurch steigt bei den Spielern natürlich auch das Interesse an entsprechenden Bänden, von denen einige bereits in die Jahre gekommen sind. Aktuell handelt es sich dabei um „Civil War“, bei PANINI 2008 als Marvel-Paperback erschienen. Derzeit wird der Band als „ab Lager lieferbar“ geführt. Wie ist es um die Kapazitäten bestellt? Müssen Comic-Fans und Rollenspieler um Nachschub fürchten?

Steffen Volkmer: Selbst wenn ein Band verlagsvergriffen sein sollte, findet man bei den Händlern in Deutschland garantiert noch immer Bände zu normalen Preisen. Da muss man gegebenenfalls etwas suchen, aber man sollte kein Problem haben, zu finden, was man sucht.

Günther K. Lietz: Was für Reihen/Bände sollten im Anschluss an oder gar vor „Civil War“ gelesen werden?

Steffen Volkmer: „Secret Invasion“ folgt auf „Civil War“, danach die „Fear itself“-Storyline.

Günther K. Lietz: Ohne zu wissen ob Sie Rollenspiele spielen, im Kontext mit MHR und bezüglich Ihrem Fachwissen in Bezug auf Marvel-Comics: Was für Marvel-Reihen und/oder Sonderbände beinhalten dramatische Stories und knallharte Action, und sind deswegen prädestiniert gekauft, gelesen und somit anschließend auch gespielt zu werden?

Steffen Volkmer: … Das kommt letztlich ja auf den persönlichen Geschmack an. Lesenswert sind alle – ob auch alle spielbar wären, ist schwer zu sagen. Mein derzeitiger persönlicher Favorit bei Marvel ist allerdings die Deadpool-Reihe.

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4 Kommentare

  • Nachdem im Aktion-Abenteuer-Forum gerade der Cortex-Monat stattfindet, war ich so frei dieses sehr interessante Interview dort zu verlinken und als Komplettzitat aufzuführen.

    Hier der Link zum Beitrag: http://www.aktion-abenteuer.de/b/threads/mhr-spekulation-welcher-verlag-w%C3%A4re-wohl-an-einer-deutschen-mhr-ausgabe-interessiert.75286/page-2#post-1672668

  • Okay, genehmigt. 🙂

  • Das hast du schön gemacht. Für mich sind das quasi erwartete Antworten. Leider erwarte ich das heutzutage von fast jedem Rollenspielsystem. Irgendwie „ist“ DSA der deutsche Markt. Wenn die Übersetzungen nicht schnell genug kommen sind die von den paar interessierten ohnehin schon auf Englisch gekauft.

    Ich würde sagen das ich SW auf Deutsch gekauft habe weil es das halt schon gab als wir es spielen wollten. War eben der Optimalzustand: trotz Internet hatten wir das nicht so richtig auf dem Schirm vor der Übersetzung.

    Bei einem möglichen „guten“ D&D sehe ich nicht die Möglichkeit auf das Release einer deutschen Version zu warten. 😉 Man wüsste ja nicht mal wannd as wer macht und bis dahin ist der Markt ohnehin schon wieder fast satt.

    Das ist etwas das z.B. Games Workshop einfach perfekt macht: Jedes Regelwerk kommt weltweit (fast) zeitgleich in sämtlichen wichtigen Sprachen raus. Natürlich kommt das alles von „In House“-Abteilungen, aber sowas sollte auch anders vernünftig zu realisieren sein. Die Wizards kennen das doch auch von Magic, auch wenn der Textumfang zugegebenermaßen viel kleiner ist. Dafür wird das in viel mehr Sprachen übersetzt.

    Leider läge so etwas hier meist nur im Interesse der Lizenznehmer und ist den Rechteinhabern vermutlich herzlich egal. Und ein Mutterkonzern wie Hasbro hätte da bestimmt sogar noch was dagegen.

  • Schnellere Übersetzungen wären durchaus realisierbar. Bei Filme und Serien setzt sich das auch immer mehr durch. Aber Rollenspiel ist ein Hobbyisten-Markt und wird weitgehend von Besserwissern und Mimosen beherrscht. Lässt von den echten Profis mal jemand die Hosen herunter und erzählt die Wahrheit, wird er an die Wand gestellt und mit Argumenten erschossen, die da lauten „Das kann ich mir nicht vorstellen auf EnworldFORGE habe ich nämlich gehört und das wurde von User Fu11Lyer bestätigt, weil der hat seine Zahlen gehört bei FORGEWorldEn“.

    Rollenspiele sind viel zu billig, aber das will der Kunde ja. Das perfekte Rollenspiel bietet fünf bis zehn Hauptattribute, um die zehn bis zwanzig Skills, detaillierte, Waffenwerte, für jede Aktion ein Subsystem, ist keinesfalls überladen, geht schnell von der Hand, bietet einen narrativen Ansatz, ohne jemals auf die Metaebene zu wechseln, stört niemals die Immersion in der gerailroadeten Sandbox, fühlt sich an wie die Realität, ist handliche zweitausend Seiten im Umfang und beschreibt jeden Stein in der Spielwelt ohne zu viel zu verraten, gibt es für schlappe zehn Euro im Ledereinband mit Goldprägung und als PDF-Bundle sogar kostenlos, der Autor und der Verleger gucken auch bei jedem Käufer persönlich mit einem Präsentkorb vorbei. Und natürlich stammt das Spiel aus der Indie-Szene, niemand aus der Community trägt etwas dazu bei, aber trotzdem ploppt jeden Tag Content kostenlos auf der Homepage auf, es gibt einen fetten Stand mit Eis, Girls und Boys und Geschenken auf der Spiel und jedem anderen Con im Land, alle beteiligten verdienen sich natürlich eine goldene Nase, vor allem der Verlag (diese Schweine) und trotzdem hagelt es Kritik an sämtlichen Punkten, weil die Schriftart einfach 0,1% zu klein ist. Die Kritik wird lächelnd aufgenommen und am nächsten Tag bekommt jeder kostenlos eine bereinigte Ausgabe von der Wunschfee übergeben. 😉

    Mit mehr Geld in der Tasche könnte ein professioneller Übersetzer angeheuert werden, der ein Buch auch zügig fertig bekommt, weil das sein verdammter Full-Time-Job ist. Und der hat das Geld dann auch verdient. Und ohne Sparzwang kannst du dir auch mal eine Druckerei leisten, bei der die Transportwege kurz sind und nicht jeder Depp billig drucken lassen will und somit die Warteschlange füttert. Als Nischenhobby ist das aber kaum zu schaffen. Jedenfalls bei Übersetzungen.

    Das MHR hat allerdings das Zeug dazu, Rollenspiele an sich ein wenig aufzurollen. Cortex Plus ist an sich schon mal ein ganz anderes System, als das die hiesige Szene gewohnt ist. Und das MHR zieht natürlich derzeit alleine schon wegen der erstklassigen Verfilmungen und dem unschlagbaren Preis. Es ist aber halt auch mal eine ganz andere Art von Rollenspiel. Das eckt bei manchen eingefleischten Spieler an. Aber vielleicht kann gerade das mal den Markt etwas öffnen.

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