Resorbium 08 – Ich bin Legende

Die achte Spielsitzung in meiner Zombie-Überlebenskampagne „Resorbium“ bedeutet gleichzeitig auch, dass insgesamt acht Spielabende und somit zwei Monate mit dem Thema verbracht wurden. Und in der Zeit ist einiges passiert. Zwar vergingen nur zwei Tage Spielzeit, aber die hatten es in sich.

Beim letzten Mal hatten die Überlebenden sich damit einverstanden erklärt, eine gefährliche Mission zu übernehmen. Sie sollten vom Stadion aus durch die Stadt nach Othermarschen hinunter, um dort Professor Wilhelm Schmidt – ein Forschungsleiter bei der Bayer Schering Pharma AG – aufzusuchen und zum Stadion zu bringen.

Natürlich war das kein leichtes Unterfangen und so stellte sich Richard seine Traummannschaft zusammen, um den Job zu erledigen. Das stieß nun bei der Bundeswehr zuerst auf wenig Gegenliebe, aber Richard hatte sich bereits den Respekt seiner Vorgesetzten verdient und wusste, was für Schalter er dort umlegen musste. Schlussendlich war der Erfolg der Mission wichtig genug, dass Richard nach eigenem Ermessen handeln durfte.

Für das Spiel war das eine Schlüsselszene. Das Szenario geht eigentlich davon aus, dass alle Überlebende Zivilisten sind. Mit einem Soldaten in den Reihen – der ja in die Befehlskette eingegliedert gehört – ändert sich da schon die ein oder andere Szene. Hätte Richard bei der Auseinandersetzung mit seinen Vorgesetzten versagt, hätte das schwerwiegende Konsequenzen auf die Gruppenzusammensetzung und auch das Verhalten der Gruppe gehabt.

Um den Spiel- und Sammeltrieb in der Gruppe ein wenig anzuheizen und auch die Vorstellungskraft zu unterstützen, habe ich die Anzahl der von mir erstellten Ausrüstungskarten erheblich aufgestockt. Neben Waffen, Munition und Schutzkleidung, gibt es nun auch Taschenlampen, Batterien, Farbsprühdosen, Schreibzeug und vieles mehr. Der Satz Karten basiert dabei auf einer Liste, die Richards Spieler zusammenstellte. Der liest nämlich fleißig den „Zombie Survival Guide“ von Max Brooks und Joachim Körber aus dem Goldmann Verlag. Allerdings die türkise Erstauflage aus dem Jahre 2004. 2010 erschien ja die weiße Neuauflage. „Der Zombie Survival Guide“ ist ein witziges Buch mit kleinen Schönheitsfehlern.

Doch weiter im Spiel. Immerhin hatte Richard nun sein Team zusammengestellt, den alten Mannschaftswagen aufpoliert und die Ausrüstung im Inneren verstaut. Die Überlebenden nahmen nun Abschied von ihren Lieben und gaben noch letzte Anweisungen, dann ging es los. Allerdings kam es nach fünfhundert Metern bereits zu einem ersten Halt. Erwin und Johann stöhnten auf, denn erneut hatten sich ihre Kameraden entschlossen unschuldige Leben zu retten.

Tina hatte am Straßenrand einen Kindergarten bemerkt, auf dessen Dach die Erzieherinnen standen und ängstlich mit ihren Kopftüchern winkten. Unten standen ein halbes Dutzend Zombies und versuchte an das Frischfleisch zu kommen. Für Tina, Richard und Marcel stand sofort fest: hier muss geholfen werden! Also stiegen die Überlebenden aus, bauten sich mit Pfeil, Bogen und schallgedämpften Waffen auf, um die Zombies niederzumähen. Kurz darauf stürmten die Erzieherinnen und ihre Schützlinge zum Mannschaftswagen. Nun ging es erst einmal zurück zum Stadion, die Geretteten abliefern.

Für Johann und Erwin – und ihre Spieler – lag es nun auf der Hand, dass es ewig dauern würde ans Ziel zu kommen, wenn die Überlebenden andauernd für eine Rettungsmission hielten. Natürlich, das war offensichtlich. Aber gleichzeitig ist es auch eine Frage der Menschlichkeit Hilfebedürftigen beizustehen. Und es ist auch eine Frage, wo die Grenze gezogen wird und ob die Mission wichtiger ist als die Leben Unschuldiger.

Jedenfalls ging die Reise weiter und die Überlebenden beschlossen erst einmal bei Erwin vorbeizufahren. Dessen Haus lag in der Nähe und der alte Mann wollte sich dort mit frischer Kleidung, gehobenem Proviant und seiner alten PaK (Panzerabwehrkanone) ausrüsten. Auf dem Weg dorthin hörten die Überlebenden Gewehrfeuer und sahen drei Soldaten, die sich rückwärts von einer Horde Zombies wegbewegten. Natürlich trat Richard sofort auf die Bremse, um die Kameraden in Not aufzunehmen.

Die drei Männer waren hilfsbereit, sympathisch und müde. Sie waren bereits sein zwanzig Stunden auf den Beinen und hatten sich Hamburg mit den Zombies mehrere Gefechte geliefert. Dabei hatte auch jeder von ihnen Verletzungen davongetragen. Einer hatte sogar Fieber und schlief auf der Sitzbank sofort ein. Den Überlebenden war natürlich mulmig zumute, denn immerhin kannten die meisten von ihnen Zombiefilme und gingen davon aus, dass sich der Soldat infiziert hatte und bald zu einem Zombie würde. Ein weitere ernste Situation und die Entscheidung, wie damit umzugehen sei, wurde erst einmal nach hinten verschoben.

Bei Erwin angekommen, musste Johann durch den Kamin einbrechen. Der alte Mann hatte seinen Schlüssel im Krankenhaus liegen lassen und es gab keine andere Möglichkeit, um ins Haus zu kommen. Innen schaltete Johann die Alarmanlage aus und ließ die anderen Überlebenden hinein. Erwin ließ sich nicht lumpen und tischte sämtliche Spezialitäten auf, die sein Kühlschrank und sein Weinkeller boten. Außerdem kamen alle überein, dass sich die Soldaten im Haus verschanzten. Immerhin waren sie müde und angeschlagen, für die Überlebenden also keine große Hilfe.

Erwin zeigte seinen Kameraden nun die PAK, die gut gepflegt in seinem Garten stand. Der alte Mann bestand darauf das Gerät mitzunehmen und kurz darauf wurde die PaK an die Anhängerkupplung des Mannschafswagens drangehangen.

Dadurch wird der Wagen zwar schwerer zu fahren und an sich gibt es keine Einsatzmöglichkeit für die Waffen, aber was die Spieler wollen, das sollen sie bekommen. Schlussendlich kann ich die PaK vielleicht benutzen, um die Spieler zu fordern oder für eine coole Szene.

Die Überlebenden packten also nach dieser kleinen Rast ihre Sachen zusammen. Dann fuhren sie zur Stadtvilla von Schmidt. Das Haus war von einem großen Garten umgeben, der wiederum von einer hohen Mauer eingefasst wurde. Obenauf die obligatorischen Metallspitzen, ein breites Metalltor am Eingang und sehr viele Überwachungskameras. Ein erster Blick auf das Grundstück ließ erkennen, dass ein Rudel Wachhunde das Grundstück umrundeten. Auf den ersten Blick sahen wie wie Dobermänner aus, waren aber tatsächlich sehr groß geratene Rottweiler. Vor allem waren sie größer, als andere Vertreter ihrer Art.

Die Überlebenden klingelten nun am Tor, doch es gab keine Reaktion. Johann und Erwin überlegten, ob sie mit der PaK das Tor aufschießen sollten, währen Richard einfach in die Kamera sagt, wer sie eigentlich seien und was sie wollten. Schon ging das Tor auf. Die Rottweiler stürmten sofort los und standen am Tor aufmerksam Spalier. Es waren hervorragend abgerichtete Tiere.

An der Haustüre bat Schmidt höflich darum, dass die Waffen draußen abzustellen seien. Für Johann und Erwin ein Unding, sie trauten der Sache einfach nicht und dachten noch immer darüber nach, mit der PaK den Weg freizuschießen. Tina, Marcel und Richard folgten der Bitte und wurden hereingelassen.

Professor Schmidt erwies sich als freundlicher, aber auch vorsichtiger Mann. Er bot seinen Gästen  Platz an und erklärte, dass er leider nicht mitkommen könnte. Jedenfalls nicht ohne seine Tochter Eva, die bei Ausbruch der Krankheit mit dem Kindermädchen Erna im Versuchslabor auf Finkenwerder war, für die routinemäßige Impfung. Immerhin setzte sich Schmidt täglich gefährlichen Viren aus und so waren Kontrolluntersuchungen und Schutzimpfungen unausweichlich.

Die Überlebenden erfuhren von Schmidt aus erster Hand, das der Wissenschaftler für die Entwicklung von Resorbium verantwortlich war, aber Konzern und Bundesregierung vor dem Einsatz des Mittels gewarnt hatte. Vor allem vor dem Einsatz von Resorbium 2, dem synthetischen Impfstoff. Zwar waren die kontrollierten Laborversuche alle erfolgreich verlaufen, doch Schmidt wusste um die Möglichkeit einer unkontrollierten Mutation des Ziegengrippevirus in Verbindung mit Resorbium 2 in einem kontaminierten Umfeld.

Die Überlebenden verstanden Schmidts Not und sagten zu, Eva abzuholen und nach Othermarschen zu bringen, um dann gemeinsam zum Stadion zu fahren. Schmidt war erleichtert. Er gab den Überlebenden alle nötigen Zugangsdaten zum Labor, eine rote Schlüsselkarte und einige Ampullen mit AZV – einem Chemiecocktail -, um einer Infektion gegen den Zombievirus entgegenzuwirken. Kein Heilmittel, kein Impfmittel, aber geeignet um Menschen zu helfen, die damit infiziert wurden.

An dieser Stelle wurde die Spielsitzung beendet. Die Überlebenden sind nun ein ganzes Stück weitergekommen und haben ein wenig über die Hintergründe erfahren. Was sie noch alles herausbekommen, dass wird die nächste Spielsitzung verraten.

3 Kommentare

  • Infektionen sind so langsamer… du hast da schon geplant, Leute zu infizieren, oder? 🙂

  • Infektionen sind ja Bestandteil des Settings und natürlich ist davon auszugehen, dass sich Leute und Spielfiguren mit dem ZV infizieren. Allerdings kennen meine Spieler ja entsprechende Filme und achten ziemlich genau darauf, ob und wen es erwischt. Allerdings gibt es in meinem Setting einige kleine Änderungen zu den üblichen Klischees aus Resident Evil & Co, wie die Gruppe zu einem späteren Zeitpunkt erfahren musste. 😀

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