Resorbium 12 – Ich bin Legende

Nach einem langen D&D-Rollenspielabend – der sich bis weit nach Mitternacht erstreckte, mit einem Kampf der sich wie ein Kaugummi zog – flugs an den aktuellen Spielbericht zu Resorbium gesetzt. Da die Spielsitzung um einen Tag vorverlegt wurde, bleibt also auch weniger Zeit zum Tippen. Muss auch mal sein.

Die Situation war also zeitweise eskaliert. Erwin hatte mit seiner Panzerschreck einfach in die Menge reingehalten, der Mannschaftswagen gab nach einigen hundert Metern den Geist auf und Marcel und Tina waren schockiert. So viel Gewalt hatte niemand erwartet. Natürlich waren nun auch alle anderen Flüchtlinge auf der Hut und Angst machte sich breit. Der alte Mann schien unberechenbar. Und prompt tauchten auch schon die ersten Verfolger auf. Nun war guter Rat teuer. Zumal Schmidt Marcel auf dem SAT-Telefon anrief und dem ehemaligen Zivi erklärte, man könne nicht mehr länger warten und würde nun rausfliegen. Allerdings gab Schmidt aus Dank noch die Info raus, dass der FLAK-Turm Wilhemsburg Antworten und eine sichere Zuflucht im Keller bieten würden. Hier sein kurz angemerkt, dass die Belohnung für Evas und Schmidts Rettung ja darin bestanden hätte, die Überlebenden zu evakuieren. Allerdings hatte Richard genau das der Gruppe verschwiegen.

Erwin, Johann und Kurt verließen nun den Bus, um sich den Angreifern entgegenzustellen. Erwins Spieler war offensichtlich klar, dass es sich um ein Himmelfahrtskommando handelte, aber wenn, dann sollte seine Figur wenigstens mit Stil und großem Getöse untergehen. Deswegen machten Erwin und Kurt die PaK und die Panzerschreck bereit, während Johann die Straße hinunter blickte – in seiner Hand das gezogene Katana. An dieser Stelle musste ich lustigerweise an den Song „Mit dem Schwert nach Polen, warum Renè?“ von Die Ärzte denken.

Marcel, Tina und Richard evakuierten nun den Mannschaftswagen. Richard sah sich nochmals kurz den Schaden an: Schrott. Da Richards Spieler nicht da war, wurde er übrigens einfach mitgeschickt. Während sich nun Erwin, Johann und Kurt den Verfolgern in den Weg stellten, verschwanden alle anderen nach vorne weg und entfernten sich so schnell wie möglich. Niemand wollte in die Kampfhandlungen geraten, die ein unberechenbarer alter Mann ausgelöst hatte. Nur die nötigste Ausrüstung wurde mitgenommen, sozusagen das Marschgepäck.

Es kam nun zu einem Kampf zwischen Überlebenden und Verfolgern. Ich hatte den Verfolgern Sturmgewehre verpasst und W-Fragen nach Herkunft der Ausrüstung damit beantwortet, dass ja auch die Überlebenden Möglichkeiten gefunden hatten, um an Waffen zu kommen. Das G36 in die Finger zu bekommen und bedienen zu können, war ja nun die einfachste Übung. Da die Verfolger allesamt Extras waren, rechnete ich trotz allem dem Himmelfahrtskommando (nennen wir sie einfach mal Old Dogs) gute Möglichkeiten aus, den Kampf für sich zu entscheiden.

Die Straße war eine lange Linie, links und rechts standen Autos und Bäume. Ich hatte drei Angriffsduos zusammengestellt schickte sie ab einer Entfernung von einhundert Metern los – also fünfzig Zoll. So weit die Aufstellung. Nun kam es zu einigen taktischen Fehlentscheidungen der Old Dogs. Johann – mit dem Katana in der Hand – stand erst einmal da und wartete auf die Gegner. Na ja, die hatten Gewehre und ich eröffnete das Feuer auf einer Distanz von vierundvierzig Zoll. Ohne Zielen und mit Halbautomatik kamen da noch ganz brauchbare Ergebnisse heraus. Angeschossen beschloss jetzt Johann die Distanz zu verringern und sprintete von Deckung zu Deckung nach vorne. Das Duo auf seiner Seite wartete also ab, um ihn unterbrechen zu können. Das gelang leider nur selten.

Die beiden alten Männer feuerte die Panzerschreck ab und jagten damit ein Auto und die dahinter stehenden Angreifer in die Luft. Die anderen erwiderten das Feuer, aber Erwin und Kurt suchten Deckung hinter dem Schild der PaK. Die wurde abgeschossen, riss aber nur ein Loch in eine Häuserwand.

Bei dem ganzen Lärm konnte ich beruhigt davon ausgehen, dass Zombies angelockt werden. Per Zufallswurf ermittelte ich dann eine Anzahl von Runden, bis die ersten Infizierten auftauchen würden. Das sah nun knapp für die Old Dogs aus, war aber noch immer schaffbar. Tatsächlich konnten sie noch einen weiteren Angreifer ausschalten. Dann trat Erwin einen unbedachten Schritt aus der Deckung und wurde schwer getroffen. Zwar zog er sich wieder hinter den Schild zurück, aber die herbeiwankenden Zombies nahmen den alten Männern jede Fluchtmöglichkeit. Sie wurden förmlich zerrissen. Und was war mit Johann?

Der sprintete also weiter nach vorne und kam tatsächlich gut voran. Als sich die Angreifer aber ebenfalls ein Stück zurückzogen, waren Johann – und auch sein Spieler – ein wenig angesäuert. Taktische Bewegungen können halt alle. Und dann war Johann tatsächlich heran und sprang zwischen die beiden, um einen der Kerle sein Katana an die Kehle zu halten und zur Aufgabe zu zwingen.

Der Mann ließ auch prompt seine Waffe fallen, aber sein Partner sah die Sache anders und jagte Johann eine Kugel in den Körper. Der Karatelehrer stieß nun seine Geisel zur Seite und schlug dem Angreifer wütend den Kopf ab. Ohne Deckung war er ein leichtes Ziel für den Schützen auf der anderen Straßenseite, der einen kurzen Feuerstoß abgab und sich dann schnell entfernte. Denn auch bei Johann tauchten Zombies auf. Für Johanns Kurzzeitgeisel kam jede Hilfe zu spät und der umringte Karatelehrer – der zudem infiziert war – beschloss sich in sein Schwert zu stürzen. Leider versagte er dabei und stand wenige Minuten später als Zombie auf. Ein unrühmliches Ende …

Die Old Dogs waren nun dahingerafft und mein Counter stieg um zwei. Damit baute ich meine Liste der Charaktertode 2010 von sechs auf acht aus. Noch kein TPK, aber schon ganz schön ordentlich. Leider zog gestern mein D&D-Spielleiter nach und sorgte mit ebenfalls zwei toten Charakteren für den Anschluss. Es hätte auch leicht auf einen TPK hinauslaufen können, aber zum Glück gibt es ja Drohungen, Mitleid, Geheule und Powergaming, um sich aus solchen Situationen zu retten.

Marcel, Tina und Richard machten sich nun auf den Weg zum Altersheim Elim, in dem Opa Hansen lebte. Es war nur noch wenige Meter entfernt und leicht zu erreichen. Das Getöse im Rücken ließ darauf schließen, dass die Old Dogs wohl kaum wiederkommen würden. Darüber waren einige der Überlebenden und Flüchtlinge ganz froh.

Kaum beim Altersheim angekommen gab es den nächsten Schock. Niemand war mehr da, die Senioren waren ausgeflogen. Sie hatten sich wohl den Heimbus genommen und hatten das Altersheim verlassen. Die Überlebenden durchsuchten das Gebäude und Marcel entdeckte eine handschriftliche Notiz, die wohl von seinem Vater stammte. Der hatte scheinbar Opa aus dem Altersheim geholt und war dann geflohen, um sich zum Imtech-Stadion durchzuschlagen. Sie hatten einzig einen infizierten Pfleger zurückgelassen und im TV-Zimmer auf einen Stuhl gebunden. Es war Karl, der Bereichsleiter. Marcel setzte Karls Zombieleben ein schnelles Ende.

Von hier aus ging es erst einmal zurück auf die Straße. Nach einem kurzen Blick entdeckte Tina auf dem Parkplatz eines nahe stehenden Hotels einen Reisebus. Dieses bequeme Teil wurde sofort als nächste Transportmöglichkeit auserkoren. Richard durchstöberte flugs die Rezeption des Hotels und entdeckte dort auch den Schlüssel. Er hatte nicht nur schöne Haare, sondern auch Verstand – zumal der Spieler abwesend war. Die Gruppe hatte genug gelitten, da wurde es Zeit für ein paar Annehmlichkeiten. Also gab es im Bus auch eine Minibar.

Jetzt war Wilhelmsburg das nächste Ziel. Richard fuhr los. Niemand bemerkte, dass sich Hugo Lacroix auf das Dach geschwungen hatte und den Bus als Reisemöglichkeit wahrnahm. Hugo stammte aus Frankreich und war Parkour-Läufer, der sich wegen einem Wettbewerb in Hamburg befand. Der kleine Franzose hatte gehofft von einem Headhunter entdeckt zu werden und endlich einen Sponsor zu bekommen, aber vorerst sah die Sache düster aus.

Die Fahrt nach Wilhelmsburg ging flott voran, doch kurz vor dem Ziel erreichten die Überlebenden ein Kreuzung. Hier war ein Gefangenentransporter der Polizei in einen Unfall verwickelt worden. Unglücklicherweise saß der Fahrer noch im Fahrzeug, dass von Zombies umringt wurde. Für Tina war sofort klar, dem Kollegen musste geholfen werden. Sie machte also die Luke zum Dach auf, gerade in dem Augenblick, in dem Hugo vom Bus nach vorne sprang, um sich auf einen Lastwagen zu ziehen. Marcel sah den Franzosen und rief erschrocken „Hunter!“. Tinas Desert Eagle ruckte herum, doch Hugo zwinkerte ich glücklicherweise freundlich zu und begrüßte sie charmant. Dann sorgte er für ein wenig Ablenkung, so dass die Überlebenden problemlos die Zombies ausschalten konnten.

Der Polizist war froh über die Rettung und bat darum, sich den Überlebenden anschließen zu dürfen. Mit dem großen Reisebus kein Problem, allerdings wurde Tina wenige Augenblicke später ziemlich blass. Ihr Kollege holte nämlich fünf Frauen aus dem Transporter, die allesamt mit Handschellen gesichert waren. Die Frauen sollten verlegt werden. Sie hatten allesamt schwere Straftaten begangen und waren zudem unbelehrbar. Was für ein Konfliktpotenzial!

Nun ging die Fahrt weiter, mit den üblichen Reibereien an Bord und der Ungewissheit, was die Zukunft bringen wird …

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